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3:1 gegen Freiburg : Kagawa übernimmt das Kommando in Dortmund

  • Aktualisiert am

Daumen hoch wäre angemessen: Rückkehrer Shinji Kagawa schießt bei seinem ersten Spiel sein erste Tor Bild: dpa

Vor dem Spiel umjubelt, bei seiner Auswechslung gefeiert: Neuzugang Shinji Kagawa läuft gleich im ersten Spiel an alter Wirkungsstätte zu großer Form auf.

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          Sprechpausen zur rechten Zeit erhöhen bisweilen die Spannung – und auch Norbert Dickel, der Dortmunder Stadionsprecher, muss davon gehört haben. „Die Nummer vier trägt heute“, sagte er ins Mikrofon, und die 80.000 Zuschauer riefen „Neven Subotic“, dann folgte die Nummer fünf, „Sebastian Kehl“ – und dann die Pause. Nur ein paar Sekunden, aber die reichten, um deutlich zu machen, dass ein besonderer Moment bevorstand. „Er ist wieder da“, schrie dann Dickel, „die Nummer sieben, Kagawa“. Und nun brüllte, vermutlich mit Ausnahme der 3000 Freiburger Fans, das ganze Stadion „Shinji, Shinji“. Dortmund zelebrierte die Rückkehr des verlorenen Sohnes, der bei Manchester United in zwei Jahren nur 14 Spiele über 90 Minuten absolviert hatte, und der nun, zwei Wochen nach seiner umjubelten Heimkehr zur Borussia, beim 3:1 gegen den SC Freiburg gleich wieder in der Startelf stand.

          Es war im Grunde ein gefährliches Unterfangen für die Borussia, den Japaner gleich wieder beginnen zu lassen. Die Verletzungswelle in Dortmund und vor allem der Ausfall von Marco Reus hatte Kagawas Startdebüt aber beschleunigt. Ihn nicht anfangen zu lassen, wäre deshalb genauso gefährlich gewesen, also entschied sich Klopp aus guten Gründen, seinen einstigen Lieblingsspieler gleich mitmachen zu lassen. „Für diesen Moment habe ich zwei Jahre Japanisch gelernt“, hatte der Dortmunder Trainer schließlich gesagt, als der Transfer perfekt gewesen war.

          Kagawa tut Dortmund gut – dass dies für beide Seiten gilt, war auf dem Spielfeld schnell zu sehen. Der Japaner fremdelte keinen Moment, war von Beginn an mitten drin, rannte in die freien Räume und wurde gesucht, als sei er nie weg gewesen. Hier und da streuten seine Mitspieler Abspielfehler im Mittelfeld ein, die dem SC Freiburg zu Beginn den ein oder anderen Konter erlaubten, aber nach und nach wurde die Dortmunder Überlegenheit erdrückend. Und dann kam er, der erste Moment, den die BVB-Fans so herbei gesehnt hatten. Die Spielintelligenz des Heimkehrers blitzte nicht nur auf, sie strahlte hell, als er Großkreutz geschickt freispielte und der Nationalspieler Ramos den Ball zum 1:0 (34. Minute) auflegte. Sieben Minuten später nahm das Comeback hollywoodreife Züge an – bei einem BVB-Konter trat der einschussbereite Mchitarjan zwar über den Ball, aber dahinter stand Kagawa. Es war sein 22. Bundesligatreffer in seinem 50. Bundesligaspiel für die Borussia - sein letztes Tor im BVB-Dress war der Führungstreffer beim Pokaltriumph über die Bayern am 12. Mai 2012 gewesen.

          Nach 64 Minuten war der erste Auftritt des Publikumsliebling dann vorbei – wenn auch vielleicht nicht ganz freiwillig und irgendwie typisch für Borussia Dortmund in diesen Tagen. Kagawa humpelte vom Feld, möglicherweise aber nur von Krämpfen geplagt. Doch der BVB hat mittlerweile, trotz aller verletzt fehlenden Akteure, eine imposante Ersatzbank – es kam der italienische 21-Millionen-Einkauf Ciro Immobile, der im Gegensatz zu Kagawa bislang aber deutliche Anpassungsschwierigkeiten offenbart hatte.

          Der SC Freiburg, der seine letzten acht Partien gegen die Borussia bei einer Tordifferenz von 3:26 verloren hatte, erweckte in der Folge nicht den Eindruck, als wolle er die Dortmunder Party stören, im Gegenteil: Mit einem Fehler heizten die Badener die Stimmung noch einmal mächtig an. Mit dem drei Minuten zuvor für Ramos eingewechselten Aubameyang hatte bei einem Konter ausgerechnet der vermutlich schnellste Spieler der Bundesliga freie Bahn - den Treffer per Lupfer über Torwart Bürki hinweg zum 3:0 (78.) konnte niemand verhindern. Dass Sorg in der 90. Minute noch das 1:3 erzielte, konnte die Stimmung nicht mehr nachhaltig stören am Tag, an dem Shinji Kagawa wieder zum BVB in die Bundesliga zurückkehrte. Als er sich den Jubel der Zuschauer abholen durfte, humpelte er auch nur noch ein bisschen.

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