https://www.faz.net/-gtm-15lyo

3:1 beim VfB Stuttgart : Der HSV verliebt sich in van Nistelrooy

Der entscheidende Mann: Ruud van Nistelrooy Bild: apn

Mit zwei Toren entscheidet der eingewechselte holländische Stürmerstar van Nistelrooy die Partie in Stuttgart zugunsten des HSV. Für zwei Treffer benötigte er nur neunzig Sekunden. Bis dahin schien der VfB dem fünften Rückrundensieg entgegenzusteuern.

          3 Min.

          Kopfschütteln, wohin man auch blickte; erstaunte Gesichter, als wollte man nicht glauben, was man gerade miterlebt hatte; und immer wieder der Ausspruch: „Das gibt's doch gar nicht.“ Weil es aber im Fußball eben alles gibt, war dies doch gar nicht überraschend. Von diesem Ruud van Nistelrooy hatte schließlich jeder schon gehört, von den vielen Toren, die er zuletzt für Real Madrid, davor für Manchester United und ganz früher für den PSV Eindhoven geschossen hatte. Nichts Besonderes also, was da geschehen war, und wenn Trainer besonders cool wirken wollen, dann sagen sie wie der Hamburger Coach Bruno Labbadia danach Sätze wir diese: „Er hat genau das gemacht, weswegen wir ihn geholt haben. Und das hat er sehr gut gemacht.“

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Besser hätte man es ja auch kaum machen können, denn als der VfB Stuttgart drauf und dran schien, nach dem 1:1-Ausgleich durch Träsch (55. Minute) die Partie endgültig zu wenden und dem fünften Sieg im fünften Rückrundenspiel näher und näher gekommen war, da hatte Labbadia nach 65 Minuten seinen neuen Star für Mladen Petric eingewechselt und den ehemaligen Bielefelder Robert Tesche für Piotr Trochowski. Zehn Minuten später verlängerte Tesche eine Freistoßflanke mit dem Hinterkopf und zum Erstaunen aller und vor allem von VfB-Trainer Christian Gross stand da ausgerechnet van Nistelrooy völlig frei im Strafraum. Natürlich traf er - bei seiner dritten Ballberührung - mit großer Selbstverständlichkeit ins Tor.

          90 Sekunden bis zu Tor zwei

          So kennt man ihn aus dem Fernsehen, so kennt man ihn aus den vielen Zeitlupen, in denen man sehen konnte, wie er sich still und heimlich im richtigen Moment von seinen Bewachern weggeschlichen hatte. Ob man so etwas trainieren kann, wäre eine interessante Frage, vermutlich ist es eher der Instinkt, im richtigen Moment das Richtige zu tun und darauf zu hoffen, dass der Ball auch genau dort hinfällt, wohin man sich verdrückt hat. Und hilfreich ist es, wenn die Gegner mitspielen. „Da haben wir ganz schlecht verteidigt, das war ja nicht einmal ein Konter“, sagte Gross seufzend. Denn seine Mannschaft hatte sich doch genug Chancen herausgespielt, um diese Partie zu gewinnen, aber sie haben eben keinen Nistelrooy. Der hatte den VfB mit seinem ersten Bundesligator ins Mark getroffen, und wenn noch Resthoffnung danach in diesem VfB gesteckt hatte, dann war sie kurz danach entwichen wie aus einem platten Ball.

          Alle auf einen: Der HSV feiert Ruud van Nistelrooy

          Ganze neunzig Sekunden später hatte van Nistelrooy schließlich schon wieder getroffen, und so wie dieser Treffer zustande kam, werden demnächst in Hamburg vielleicht noch einige fallen. Wenn sie also nicht mehr wissen im Strafraum, wohin mit dem Ball, werden sie ihn gerne an den Niederländer weiterleiten, so wie bei diesem 1:3. Tesche hatte schon die Chance besessen, aber irgendwie vertändelt und im letzten Moment den Kollegen Berg gesehen. Der hatte nach 23 Minuten den HSV zwar in Führung gebracht, aber diesmal geriet er ins Stolpern, drehte sich um die eigene Achse, und als alles schon vertan schien, da hatte er doch noch van Nistelrooy erblickt. Der Holländer schoss den Ball einfach ins Tor, gegen Lehmanns Laufrichtung, und welchen Fuß er dazu benutzen muss, ist ihm offenbar schnurz: Das 1:2 mit links, das 1:3 mit rechts - also einfach her mit dem Ball, er wird es schon richten.

          Labbadia sieht eiskalte Hamburger

          „Das war ein schöner Nachmittag“, sagte van Nistelrooy, was zumindest für HSV-Anhänger vorbehaltlos stimmte. Die durften wie der Trainer aufatmen. „Nach dem 1:1 sind wir etwas unter Druck gekommen, aber wir sind phänomenal zurückgekommen und haben das eiskalt abgeschlossen“, sagte Labbadia hinterher. Das kann man, muss man aber nicht so sehen. In der vergangenen Woche hatte sich Mittelfeldspieler Marcell Jansen gewundert, dass der HSV nach 70 Minuten in Köln so nachgelassen hatte, dass aus einer 3:1-Führung noch ein 3:3 geworden war.

          Vielleicht ist an diesem durch die Blume geäußerten Zweifel mehr dran, als man denkt - und wer über ein halbwegs gutes Gedächtnis verfügt, mag sich daran erinnern, dass auch Bayer Leverkusen in der Rückrunde der vergangenen Saison dieses Problem mitunter hatte. Auch da hieß der Trainer Labbadia, auch da spielt die Mannschaft mitunter sehenswerten Fußball, aber irgendwann ging ihr verlässlich die Kraft aus.

          Voller Elan

          Soweit kam es in Stuttgart diesmal nicht, weil van Nistelrooy mit seinem spektakulären Neunzig-Sekunden-Doppelschlag der Partie jede Grundlage für eine spannende Schlussphase entzog. Unmittelbar nach seinem zweiten Treffer hätte Schiedsrichter Aytekin die Partie auch sofort abpfeifen können, denn der Rest war nur noch Quälerei für die Stuttgarter. Denen hatte zunächst hauptsächlich der 36 Jahre alte HSV-Torhüter Frank Rost im Weg gestanden und am Ende eben der drei Jahre jüngere van Nistelrooy. Bei allem Elan, ständig auf den Einbau junger Spieler zu pochen, hilft es manchmal auch, das Alter zu achten.

          Bei lauter Hamburger Siegern gab es aber auch einen weit entfernten und dazu noch verletzten Verlierer. Paolo Guerrero ist zwar trotz seiner Flugangst irgendwie nach Peru gekommen, aber wegen seiner Flugangst bislang eben nicht mehr zurück. Der sichere Platz auf der Tribüne ist angesichts der neuen Entwicklung in Hamburg allerdings auch keine verlockende Aussicht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Demokratin Nancy Pelosi gerät im Weißen Haus mit Präsident Donald Trump aneinander.

          Trump gegen Pelosi : Da oben ist was nicht in Ordnung

          Syrien, Ukraine – und die eigene Partei: Donald Trump kämpft an mehreren Fronten. Das geht an die Substanz des amerikanischen Präsidenten. Das zeigt auch der heftige Streit mit Nancy Pelosi. Unterdessen verschärft sich die Konfrontation mit dem Kongress.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.