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3:1 bei Bayern München : Ein Dortmunder Meisterstück

Textilliebe: Torschütze Barrios küsst, was er in die Finger bekommt Bild: REUTERS

Beim 3:1 in München entzaubert die bissige Borussia die Bayern. Der Spitzenreiter baut den Vorsprung vor dem Rekordmeister nach dem 24. Spieltag auf 16 Punkte aus. Barrios, Sahin und Hummels treffen für die souveränen Dortmunder.

          3 Min.

          So früh wie nie seit Jahrzehnten hat der FC Bayern den Meistertitel abschreiben müssen - am Abend des 26. Februar um zehn vor acht. In dieser Minute köpfte Mats Hummels das 3:1 für Borussia Dortmund in der Münchner Arena. Der Rest war ein Schaulaufen in Gelbschwarz gegen ratlose Münchner.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die bissigeren, besser organisierten Borussen waren durch Lucas Barrios früh in Führung gegangen (9. Minute) und hatten den Ausgleich durch Luiz Gustavo (15.) prompt mit der abermaligen Führung durch Nuri Sahin (18.) beantwortet, ehe Hummels nach einer Stunde letzte Zweifel am verdienten Sieg beseitigte. „Sie haben in den richtigen Momenten die Tore gemacht“, sagte Bayern-Trainer Louis van Gaal. „Dortmund hat verdient gewonnen. Für uns war die Meisterschaft schon weg.“

          Es war von den Voraussetzungen ein Duell wie aus dem Bilderbuch der Bundesliga: das beste Heim- gegen das beste Auswärtsteam, das bisher beste Rückrunden- gegen das beste Hinrundenteam. Und dazu das Aufeinandertreffen der mit jeweils 49 Toren besten Angriffsreihen der Liga. Das Spiel erfüllte von Beginn an die Erwartungen und brauchte nur eine Viertelstunde, um das gemeinsame Torkonto von Bayern und Borussen auf hundert zu bringen.

          Die Nummer eins: Trainer Klopp feiert den Sieg beim Titelverteidiger

          Das giftige Pressing der Dortmunder setzte den Bayern von Beginn an zu, und es dauerte nicht lang, bis sich diese Verunsicherung auch auf der Anzeigetafel auswirkte. Der schwache Bastian Schweinsteiger verlor den Ball in der Mitte der eigenen Hälfte an den heranstürmenden Kevin Großkreutz. Der Dortmunder zog Richtung Tor, spielte am Strafraumrand zwischen den Innenverteidigern durch auf Barrios, und der Torjäger schob den Ball lässig zum 1:0 an Torwart Kraft vorbei.

          Sahin und sein 60-Meter-Spurt zu Trainer Klopp

          Kurz darauf rauschte ein Distanzschuss von Sven Bender knapp am Tor der Münchner vorbei, die sich nur langsam von dem Druck erholten und selbst vor das gegnerische Tor kamen. Nach 15 Minuten konnte Neven Subotic knapp vor Thomas Müller klären, verursachte aber in der Folge mit einem Querschläger eine Ecke, die Folgen hatte. Ribérys Hereingabe landete beim unbedrängten Gustavo, der volley zum Ausgleich einschoss.

          Die Dortmunder brauchten nur drei Minuten, um wieder in der Spur zu sein. An der Mittellinie spielte Barrios den Ball durch die Beine von Badstuber, spurtete aufs Tor zu, verfolgt von Arjen Robben, der den Dortmunder zwar rechtzeitig erreichte, doch über Götze kam der Ball im Rückraum zu Sahin. Der Dortmunder Kapitän legte sich die Kugel auf den linken Fuß und zirkelte sie aus 18 Metern kunstvoll und unerreichbar für Kraft in die linke Torecke. Es folgte ein 60-Meter-Spurt in die Arme von Trainer Jürgen Klopp, um den sich eine Jubeltraube bildete.

          Borussia Dortmund - jung und unangenehm

          Aber auch die Bayern blieben vorerst gefährlich. Nach 26 Minuten traf Torjäger Mario Gomez ins Netz, der Treffer wurde von Schiedsrichter Manuel Gräfe aber wegen Abseits nicht gegeben - eine äußerst knappe Entscheidung. Kurz danach ging Ribéry links durch, der Ball kam über Gomez auf Müller, dessen Schuss aus sieben Metern von Piszczek in letzter Not übers Tor gelenkt wurde.

          Der zuletzt überragende Robben blieb in der Offensive fast ohne Wirkung, weil er von den flinken Dortmundern schon bei Ballannahme gedoppelt wurde - seine auffälligste Szene blieb eine Schwalbe im Strafraum, für die er nach 75 Minuten die Gelbe Karte erhielt. Der Tabellenführer bestätigte die Worte seines Trainers: „Wir sind die am unangenehmsten zu spielenden Mannschaft der Liga.“ Die jüngste überdies.

          Weidenfeller-Ersatz macht seine Sache tadellos

          Durch den Ausfall von Roman Weidenfeller stand der 22 Jahre alte Australier Mitchell Langerak im Tor, der bisher in Deutschland nur ein einziges Spiel bestritten hatte, für die zweite Mannschaft der Dortmunder in der Regionalliga - und der seine Sache tadellos machte, vor allem bei einem Gomez-Schuss in der 74. Minute. Dadurch hatte die Borussia einen Altersschnitt von nur noch 22,3 Jahren - die jüngste Mannschaft, mit der Dortmund in der Geschichte der Bundesliga je aufgelaufen ist.

          Hatte es die Bayern-Abwehr beim 1:0-Sieg am Mittwoch bei Inter Mailand meist nur mit Eto'o zu tun, und das mehr als genug, gelang es der Borussia immer wieder, den gegnerischen Strafraum im Eiltempo mit fünf oder sechs Spielern zu „besetzen“, wie Klopp das nennt. Kollege van Gaal versuchte zur Pause, Abhilfe zu schaffen, und ersetzte den überforderten Badstuber in der Innenverteidigung durch Breno.

          In dieser Form kann keiner die Borussia aufhalten

          Kurz nach Wiederanpfiff war es dafür Torwart Kraft, der nun patzte, so dass Schweinsteiger retten musste. Nach 59 Minuten war Kraft wieder auf der Höhe, als er einen 18-Meter-Schuss von Götze über die Latte lenkte. Doch bei der folgenden Ecke war er machtlos, als sich Hummels hochschraubte und den Ball zum 1:3 in den Winkel köpfte - einen Vorsprung, den die Dortmunder ohne große Mühe ins Ziel brachten.

          Es war die logische Folge einer besseren, schnelleren Spielanlage. Vor dem Spiel hatte Großkreutz getönt: „Die Bayern sind einfach fällig.“ Er behielt Recht. In dieser Form kann die Dortmunder keiner daran hindern, Meister zu werden - auch nicht der Rekordmeister.

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