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3:1 auf Schalke : Dortmund dominant unter Druck

  • -Aktualisiert am

Garant Dortmunder Überlegenheit: Roman Weidenfeller Bild: REUTERS

Weder Störenfriede noch ein Elfmeter bringen Borussia Dortmund aus dem Tritt beim verdienten Sieg auf Schalke. Immer wenn es spannend zu werden scheint, wird der Klassenunterschied am deutlichsten.

          3 Min.

          Das Ruhr-Derby endete mit einer bitteren Erkenntnis für die Königsblauen. Der FC Schalke 04 vermag auch an besseren Tagen den alten Rivalen Borussia Dortmund nicht ernsthaft zu gefährden. Die Mannschaft von Trainer Keller konnte sich keine großen Vorwürfe machen – und verlor doch 1:3. Spannend wurde es in dieser Begegnung nur in den Phasen, in denen die Dortmunder die Zügel locker ließen: Nach dem 1:0 durch Aubameyang (14. Minute) und dem 2:0 durch Sahin (51.). Als Max Meyer in der 63. Minute das 1:2 glückte, führte das aber nicht zu einer Wende, sondern nur zur Bestätigung der herrschenden Kräfteverhältnisse: Blaszczykowski stellte in der 74. Minute den Endstand her.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Das Derby begann mit fünf Minuten Verspätung, weil sich Provokateure im Dortmunder Zuschauerblock unmittelbar vor dem Anpfiff auf gefährliche Art unbedingt ins Szene setzen wollten. Sie brannten, offensichtlich koordiniert, verschiedene Sorten von Pyrotechnik ab – Böller, Rauchkerzen und Leuchtfeuerwerk. Als dann auch noch ein paar Leuchtspurraketen zum Einsatz kamen, entschloss sich Schiedsrichter Kircher, die auf den Anpfiff wartenden Spieler wieder zurück zur Außenlinie zu beordern. 21 Profis zogen sich zurück, BVB-Kapitän Weidenfeller ging zum Dortmunder Fanblock, um beruhigend einzuwirken. Er wurde mit einer Leuchtrakete empfangen.

          Als dann noch offensichtlich Leuchtspurmunition unter Schalker Zuschauern landete, war die Austragung der Partie gefährdet. Es fehlte nicht viel, und das ganze Stadion hätte nach dem gelben Rauch Rot gesehen, im übertragenen Sinne: Feierabend vor der ersten Ballberührung. Doch dann beruhigte sich die Lage. Nach ein paar Minuten entschloss sich Schiedsrichter Kircher anzupfeifen, sein über den Stadionsprecher verbreiteter Hinweis, beim nächsten Einsatz von Pyrotechnik die Begegnung abzubrechen, wirkte bis zum Schlusspfiff.

          Er hatte wohl auf die Profis eingewirkt, die Stimmung nicht durch besonders aggressives Verhalten noch weiter anzuheizen. Es ging kämpferisch zu auf dem Rasen, doch in heiklen Situationen zogen die Spieler beider Teams zurück. Die Dortmunder waren konstruktiver, reifer, Schalke kompensierte vieles über Laufbereitschaft und den Willen zum Einsatz bis zur Erschöpfung. Dass die Begegnung sich früh zugunsten der Dortmunder neigte, hatte auch ein klein wenig mit Glück zu tun. Denn bis zum letzten Akt des Spielzuges in der 14. Minute Aubameyang einen Querpass von Reus ins leere Tor schob, hatten zwei Schalker den Ball in Richtung eigenes Tor weitergeleitet.

          Ungehalten: Weidenfeller muss sich mit Feuerwerkskörpern herumschlagen

          Nach der Führung verlor der BVB ein wenig seinen Biss. Ein genialer Angriffszug über Reus und Mchitaryan, den Lewandowski mit einem nicht ganz so genialen Schuss auf Schalke-Torwart Hildebrand abschloss, bildete den einsamen Höhepunkt Dortmunder Fußballkunst bis zur Pause. Schalke vermochte sich länger in der BVB-Spielhälfte festzusetzen, ohne allerdings spielerische Glanzpunkte zu setzen.

          Aber manchmal reicht auch schon ein beherzter Sprint in den gegnerischen Strafraum, um zum Erfolg zu kommen. Der Schalker Fuchs wurde beim Dribbling vom Dortmunder Nationalspieler Hummels zu Fall gebracht, Referee Kircher gab Elfmeter, eine diskutable, aber durchaus vertretbare Entscheidung. Die Ausführung oblag Kevin-Prince Boateng, dem Schalker Führungsspieler. Da stand er, gelassen, wirkte selbstbewusst. Was ist daran so schwer, aus elf Metern? Ein Treffer könnte neuen Schwung geben, das Spiel vielleicht kippen. Auf Boateng richteten sich alle Augen und die Hoffnung: Ein kurzer Anlauf, ein unplatzierter Schuss, den Weidenfeller abwehren konnte, und dahin war die Chance, dem Spiel eine Wende zu geben.

          Gehalten: Weidenfeller wehrt den Strafstoß von Boateng ab

          Als der BVB nach dem Seitenwechsel die Zügel wieder etwas fester anzog und durch Sahin in der 51. Minute schnell mit dem 2:0 belohnt wurde, schien das 161. Derby gelaufen zu sein. Aber Schalke ließ nicht locker und nutzte es aus, dass die Dortmunder wiederum in einen Verwaltungsmodus verfielen. Trainer Keller brachte den 18 Jahre alten Max Meyer ins Spiel - und die Entscheidung sollte sich lohnen. Nachdem Szalai zweimal dem ersten Tor für Schalke sehr nahe gekommen war, erzielte Meyer das 1:2. Nicht die Arrivierten, der junge Mann gab den Schalker Fans das Gefühl: Hier ist noch was drin.

          Aber in dem Moment, in dem es noch mal richtig spannend zu werden schien, wurde der Klassenunterschied zwischen den beiden Mannschaften am deutlichsten. Der BVB wirkte plötzlich wieder hoch konzentriert und es kostete ihn wenig Mühe, die Angriffsversuche der Schalker zu durchschauen und abzuwehren. Angefeuert von ihren Fans drängten die Königsblauen auf den Ausgleich, das Risiko für Konter empfindlich zu sein, nahmen sie in Kauf. Und so kam es, wie es sich abgezeichnet hatte. Kaum drei Minuten für Aubameyang im Spiel, erzielte Blaszczykowski in der 74. Minute das 3:1 für den BVB - herrlich freigespielt von Mchitaryan. Der Rest war redliches Schalker Bemühen, was aber den Dortmundern kaum einmal gefährlich wurde. Am Ende war es ein Derby-Auswärtssieg der leichteren Sorte.

          FC Schalke 04 - Borussia Dortmund 1:3 (0:1)

          FC Schalke 04: Hildebrand - Uchida, Höwedes, Matip, Kolasinac (76. Jones) - Neustädter, Aogo - Draxler, Boateng (82. Clemens), Fuchs (61. Meyer) - Szalai
          Borussia Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Subotic, Hummels, Schmelzer (46. Durm) - Bender, Sahin - Aubameyang (71. Blaszczykowski), Mchitarjan, Reus (89. Hofmann) - Lewandowski
          Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg) -
          Zuschauer: 61 973 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Aubameyang (14.), 0:2 Sahin (51.), 1:2 Meyer (62.), 1:3 Blaszczykowski (74.)
          Besonderes Vorkommnis: Boateng (FC Schalke 04) scheitert mit Foulelfmeter an Weidenfeller (30.)
          Gelbe Karten: Aogo (1), Jones (2), Szalai (1) / Schmelzer (1)

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