https://www.faz.net/-gtm-77ixx

3:0 in Fürth : Hoffenheim hat wieder Puls

Deutlich obenauf: Hoffenheims Ochs setzt sich gegen Felix Klaus durch Bild: dapd

Die Kraichgauer blicken nach dem 3:0 in Fürth wieder mit mehr Zuversicht in die Zukunft. Für die Spielvereinigung geht es nur noch um einen würdigen Abschied aus der Liga - und um die Suche nach einem neuen Trainer.

          2 Min.

          Vor einer Woche waren es zarte Lebenszeichen, die 1899 Hoffenheim aus dem Tabellenkeller der Bundesliga sendete: ein ordentlicher Auftritt gegen den FC Bayern, der den insgesamt bedrohlichen Zustand des Patienten zumindest nicht  weiter verschlechterte. Seit diesem Samstag ist sogar wieder ein einigermaßen stabiler Pulsschlag spürbar.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Das 3:0 bei der Spielvereinigung Greuther Fürth bedeutete zwar noch nicht den Abschied von den direkten Abstiegsplätzen. Aber mit zwei Punkten Rückstand auf den FC Augsburg auf dem Relegationsrang 16 und dem beruhigenden Gefühl, einen weiteren Konkurrenten los zu sein, lässt sich wieder mit mehr Zuversicht in die Zukunft sehen. 

          Ein schmerzhaftes Ende

          Firmino (10. Minute) und  Joselu (17.) brachten den Erfolg nach zuletzt vier Niederlagen nacheinander früh auf den Weg. Tobias Weis, der die ersten beiden Treffer eingeleitet hatte,  machte mit dem 3:0 (51.) das erfreuliche Ende einer weiteren turbulenten Hoffenheimer Woche perfekt, in der der frühere Nationaltorwart Tim Wiese aus disziplinarischen Gründen ins Einzeltraining verbannt wurde.

          Die Fürther  hingegen dürfen das Abenteuer Bundesliga wohl als beendet betrachten. Nur mit  einem Sieg hätte sich der Aufsteiger eine ernsthafte Hoffnung auf Rettung  erhalten können. So aber wird es nur noch um einen würdigen Abschied geben. Für Interimstrainer Ludwig Preis, der so viel Zuversicht geweckt hatte, war es ein schmerzhaftes Ende seiner knapp drei Wochen als Chef; er muss den Posten mangels Lizenz nun an einen - noch nicht benannten - Fußballlehrer abgeben. Der Fürther Vereinspräsident Helmut Hack kündigte an, dass der Tabellenletzte „in der kommenden Woche“ einen neuen Cheftrainer präsentieren werde, der einen Vertrag erhalten soll, der auch für die zweite Liga gültig ist.

          Frühe gelbe Karte: Firminho jubelt über seinen Treffer zum 0:1
          Frühe gelbe Karte: Firminho jubelt über seinen Treffer zum 0:1 : Bild: dpa

          Letzter gegen Vorletzter, schwächste Heimmannschaft gegen schlechtestes  Auswärtsteam: das verhieß Abstiegskampf in Reinform - und mithin die Frage, ob  die als zart besaitet geltenden Hoffenheimer dazu überhaupt in der Lage sein  würden. Auch wenn es kurios klingen mag: eine Antwort darauf gab es am Samstag  nicht. Noch bevor es des Nachweises von Charakter und Stehvermögen bedurfte,  führten die Kraichgauer 2:0, herzlich eingeladen von einer Fürther Defensive, die erstklassigen Aufgaben nicht im Ansatz gewachsen war.

          Vor Treffer Nummer  eins genügten Weis’ energischer Antritt und der folgende Pass in die Tiefe;  Firmino hatte freie Bahn und feierte seinen Treffer mit einem Oben-Ohne-Sprint  über den ganzen Platz. Tor Nummer zwei hatte noch Volland als Zwischenstation,  ehe Joselu vollendete. So leicht hatte sich das gewiss keiner im Hoffenheimer  Team vorgestellt.

          Für die Fürther wurde es ein Tag zum Vergessen. Der eigentlich gar nicht so  schlecht begonnen hatte: mit einem frechen Freistoß von Geis, der beinahe den  Hoffenheimer Torwart Gomes mit einem Lupfer überlistet hätte. Doch dann musste  der 19 Jahre alte Geis, eine Entdeckung des Interimstrainers Preis, verletzt  vom Platz, und das Unheil nahm seinen Lauf. Zumal sich alles Selbstbewusstsein,  das die Unentschieden gegen Leverkusen und in Hamburg mit sich gebracht hatten,  komplett verflüchtigte. Hoffenheim hatte fortan leichtes Spiel mit einem  hilflosen Team, das ohne Struktur und Glauben an sich und eine Wende keine  Gefahr mehr darstellte. Ein fahrlässiger Ballverlust von Pekovic kurz nach der  Pause leitete das 0:3 ein.

          Auch mit Ludwig Preis an der Seitenlinie bleibt Fürth ohne Heimsieg
          Auch mit Ludwig Preis an der Seitenlinie bleibt Fürth ohne Heimsieg : Bild: dpa

          Was sollte man nun noch erwarten von einer  Mannschaft, die es zu Hause in nun 13 Spielen auf vier Tore und null Siege  gebracht hat? Die Fans antworteten mit schwarzem, und für Team und Klubführung  gewiss sehr schmerzhaftem Humor: Sie bejubelten lautstark imaginäre Tore und  sangen „Oh wie ist das schön!“  Bitterer dürfte ein Abgang selten gewesen sein.

          Spvgg. Greuther Fürth - 1899 Hoffenheim 0:3 (0:2)

          SpVgg Greuther Fürth: Grün - Zimmermann, Sobiech, Mavraj, Baba - Geis (12. Petsos) - Park, Fürstner, Varga (46. Pekovic), Klaus - Djurdic (77. Nöthe)
          1899 Hoffenheim: Heurelho Gomes - Ochs (71. Thesker), Delpierre, Vestergaard, Beck - Weis, Williams - Schröck (61. Advincula), Volland (80. Polanski), Roberto Firmino - Joselu
          Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
          Zuschauer: 15.760
          Tore: 0:1 Roberto Firmino (10.), 0:2 Joselu (16.), 0:3 Weis (50.)
          Gelbe Karten: Pekovic (7), Petsos (2) / Roberto Firmino (6), Volland (4)

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hauptbaustelle Digitalisierung: Der Turm der Commerzbank in Frankfurt

          Geldhaus im Wandel : Die Dauerbaustelle Commerzbank

          In der Commerzbank ist mal wieder Stühlerücken angesagt: Zwei neue Vorstände sollen es nun richten. Ob das hilft, ist völlig ungewiss.
          Das Ziel heißt immer noch Kanzleramt: Annalena Baerbock lässt sich von den Umfragen nicht entmutigen.

          ZDF-Wahlsendung „Klartext“ : Baerbock spielt noch auf Sieg

          Mal pariert die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock geschickt, mal weicht sie aus. Und Peter Frey und Bettina Schausten unterziehen das grüne Wahlprogramm einem harten Praxistest.
          Arbeiter übermalen ein Bild des inhaftierten Kreml-Kritikers Nawalnyj.

          Duma-Wahl in Russland : Doppelgänger für den Sieg

          Russlands Machthaber wollen den Erfolg bei der Duma-Wahl sichern. Mit Tricks und Unterdrückung gehen sie gegen die Opposition vor. Die kann aber doch einen Erfolg vorzeigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.