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3:0 gegen St. Pauli : Zwei Siege für den FC Bayern

  • -Aktualisiert am

Viel Pathos: Schweinsteiger verkündet die Vertragsverlängerung auf dem Rasen Bild: REUTERS

St. Pauli ist für Bayern München nur anfangs ein Gegner auf Augenhöhe. Spätestens nach Kesslers Platzverweis spielen die Münchner mit den Hamburgern Katz und Maus. Fast wichtiger als der Sieg: Bastian Schweinsteiger verlängert bis 2016.

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          Es gibt Menschen, die brauchen für einen großen Auftritt gar keine Bühne. Bastian Schweinsteiger ist so einer. Die Aufbauarbeiten für das Podium, auf dem Leslie Mandoki anlässlich des letzten Heimspiels des FC Bayern im Jahr 2010 ein „Thank you“ trällern sollte, liefen fieberhaft, da ließ sich der Nationalspieler schon mal das Mikrofon reichen. „Liebe Fans“, sagte er, „ich bin jetzt seit zwölf Jahren im Verein...“ Er legte eine bedeutungsschwere Pause ein, ehe er seine Vorweihnachtsbotschaft vollendete: „Ich habe für euch fünf Jahre verlängert.“ Mit diesem Satz war es amtlich: Beim FC Bayern München ist schon Weihnachten. Das von Hamit Altintop, Philipp Lahm und Franck Ribéry herausgeschossene 3:0 gegen St. Pauli rundete das vorgezogene Fest gelungen ab.

          Am Freitag hatte sich Schweinsteiger mit der Klubführung ein letztes Mal zusammengesetzt, um den neuen Kontrakt zu unterzeichnen. Das Papier ist bis 2016 gültig und greift ab kommendem Sommer, ein Jahr vor dem Ende seines aktuellen Arbeitsverhältnisses. Die Gespräche seien fair abgelaufen, erzählte Christian Nerlinger, „beide Seiten waren sehr interessiert, dass Bastian beim Verein bleibt“. Das war nicht selbstverständlich, denn der Sechsundzwanzigjährige hat auf dem ganzen Kontinent Begehrlichkeiten geweckt. „Sämtliche Großklubs in Europa hätten den roten Teppich für ihn ausgefahren“, wusste der Sportchef zu berichten.

          Neben einem stattlichen Salär (Nerlinger: „Wir müssen uns jetzt erst einmal erholen“) gaben die Gefühle den Ausschlag, versicherte Schweinsteiger. Man muss immer ein bisschen vorsichtig sein in dieser diskutablen Branche, doch der junge Mann wirkte äußerst glaubwürdig. Er habe sich gefragt: „Mit welchem Verein ist es schöner, die Champions League zu gewinnen: Mit Real? Mit Manchester? Oder mit dem FC Bayern? Auf diese Frage habe ich mit meiner Unterschrift eine klare Antwort gegeben“, meinte er, „es ist viel schöner, die Champions-League-Trophäe beim FC Bayern im Arm zu halten. Ich habe nun mal ein rotes Herz.“

          Führung für die Bayern: Torschütze Altintop (l.) jubelt mit Schweinsteiger
          Führung für die Bayern: Torschütze Altintop (l.) jubelt mit Schweinsteiger : Bild: dapd

          Entscheidung auch für den Trainer

          Trainer Louis van Gaal ging bei seinem Kommentar zur Personalie des Tages sogar noch einen Tick weiter. Schweinsteigers Herz ist nämlich nicht nur deshalb für den FC Bayern so wichtig, weil es rot ist. „Schweinsteiger hat ein Löwen-Herz“, lobte der Niederländer, der seinen Bossen vor dem Start der Vertragsverhandlungen eine deutliche Weisung mitgegeben hatte: „Das muss klappen, dass er bleibt.“ Wie Philipp Lahm und Thomas Müller hat der Mittelfeldmann nun einen langfristigen Vertrag, das sei wichtig, erläuterte der Coach: „Diese Spieler haben ein deutsches Gesicht. Das ist gut für den ganzen Verein.“

          Schweinsteiger nutzte seinen großen Auftritt schließlich auch, um den in den vergangenen Wochen etwas angezählten van Gaal zu stärken. „Meine Entscheidung ist auch eine für den Trainer“, stellte er klar. „Es gibt Zeiten, in denen es mal nicht so läuft - aber wir Spieler sind von seiner Philosophie voll überzeugt. Ich hoffe, dass er länger als bis 2012 bleibt. Er passt zum FC Bayern, und ich denke, wir können hier eine kleine Epoche starten.“

          Die Bühne ist bereitet

          Das deutliche Bekenntnis zum Trainer wird die Bosse am Abend auf der internen Weihnachtsfeier beschäftigt haben. Nicht immer liegt man mit van Gaal auf einer Linie, ein Hauch Spitze schwang beim Witzchen des Trainers mit, man sei in der Sache Schweinsteiger „eigentlich zum ersten Mal völlig einig gewesen“. Van Gaal lässt sich nun mal keine Chance entgehen, um seine Position auszubauen, doch Uli Hoeneß stand an diesem Tag sowieso der Sinn nach Vorweihnachtsruhe. Schweinsteigers Ja-Wort sei „eine feine Sache“ gewesen. „Wenn sich so ein wichtiger Spieler klar zu seinem Verein bekennt, ist das ein wichtiges Signal für unsere Wirtschaftskraft. Es zeigt, dass der FC Bayern kein Abgeber- sondern ein Käuferverein ist“, sagte der Präsident. „Wir haben die Grundlage gelegt, dass wir auf der Weihnachtsfeier das eine oder andere Glas Wein trinken und insgesamt auf ruhige Weihnachten schauen können.“

          Schweinsteiger formulierte abschließend Wünsche, die über den Heiligen Abend hinausgingen: „Ich will alles dafür geben, um in den nächsten fünf Jahren mit dem FC Bayern die Champions League zu gewinnen. Die Voraussetzungen sind da.“ Mit anderen Worten: Die Bühne ist bereitet.

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