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3:0 gegen St. Pauli : Almeida schießt Bremen zum Sieg - und fliegt

  • -Aktualisiert am

Da war die Werder-Welt noch in Ordnung: Hugo Almeida schoss drei Tore - und sah dann Rot Bild: REUTERS

Hugo Almeida prägt das Nordduell zwischen Bremen und St. Pauli: Erst schießt der Stürmer Werder mit einem Dreierpack zum 3:0-Sieg. Dann lässt er sich zu einer Tätlichkeit hinreißen. Auch der Hamburger Thorandt sieht die Rote Karte.

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          Vom Ergebnis her war der FC St. Pauli genau der richtige Aufbaugegner für den verunsicherten SV Werder Bremen. Aber der Weg zum 3:0-Sieg am Sonntagnachmittag war viel beschwerlicher, als es das deutliche Resultat vermuten lässt. St. Pauli spielte wieder einmal gefällig mit, hatte sehr gute Chancen gegen wacklige Bremer, machte jedoch einfach die Tore nicht - dieses Problem tragen die Profis des Aufsteigers schon seit Wochen mit sich herum.

          Im Mittelpunkt stand der Bremer Stürmer Hugo Almeida: dem Portugiesen gelangen zwar alle drei Treffer beim ersten Bremer Sieg seit dem 23. Oktober, dann aber brachte er sich mit seinem Nachtreten gegen Carlos Zambrano (80.) um das Lob seines Trainers Thomas Schaaf und sah die Rote Karte. „Ich bin im ganzen Spiel viel gefoult worden. In dieser Situation sind mir einfach die Nerven durchgegangen“, sagte Almeida nach. „So was darf einfach nicht passieren. Ich möchte mich bei der Mannschaft entschuldigen.“ In der hektischen Schlussphase wurde auch der Hamburger Markus Thorandt nach einem groben Foul an Werder-Kapitän Torsten Frings des Feldes verwiesen.

          Almeidas Tore in der 1., 20. und 64. Minute lassen Werder nach zuletzt vier sieglosen Bundesligaspielen etwas entspannter in die Zukunft schauen. Allerdings hatten die Bremer gegen die mutigen Hamburger einige Male beträchtliches Glück, bis sie ihren fünften Saisonsieg erkämpft hatten. Dreimal traf St. Pauli in der ersten Halbzeit die Latte, hätte zudem einen Elfmeter in der 70. Minute bekommen können.

          Mann des Tages - in positiver wie in negativer Hinsicht: Hugo Almeida
          Mann des Tages - in positiver wie in negativer Hinsicht: Hugo Almeida : Bild: dapd

          Nach 53 Sekunden profitiert Bremen schon

          Werder war anzumerken, dass die erfolglosen letzten Wochen Spuren hinterlassen haben - allerdings hatte Trainer Thomas Schaaf auch abermals eine Mannschaft zur Verfügung, die so noch nie zusammengespielt hat. Die jungen Felix Kroos und (vor allem) Verteidiger Dominik Schmidt machten ihre Sache aber gut.

          Der Hamburger Manager Helmut Schulte war schon in der Hälfte bedient, als ahnte er den Ausgang. „Wir haben nicht nur Geschenke verteilt, wir haben auch die Bremer Geschenke nicht angenommen.“ Es dauerte nur 53 Sekunden, ehe Werder zum ersten Mal von St. Paulis Schläfrigkeit profitierte: viel zu weit standen die Verteidiger des Aufsteigers auseinander, der Pass von Clemens Fritz fand genau die Nahtstelle der Defensive und erreichte Hugo Almeida. Der nach seiner Verletzung zurückkehrende Portugiese schoss überlegt das 1:0.

          Viermal war Werder zuletzt in Pflichtspielen torlos geblieben, da war der Treffer Almeidas eine große Erleichterung für Mannschaft und Fans. Bremen war voll da und erspielte sich einen Haufen bester Chancen. Zwischendurch gab es eine Schrecksekunde, als Asamoah auf die Latte köpfte.

          Almeida verdirbt sich den Abend selbst

          St. Pauli fand danach besser in die Partie und profitierte von der Bremer Verunsicherung. Lehmanns Schuss in der 19. Minute lenkte Tim Wiese im Bremer Tor auf die Latte. St. Pauli war die überlegene Mannschaft, aber den zweiten Treffer erzielte der SV Werder nach einem ähnlichen Muster wie beim Führungstreffer: Wieder durfte Almeida (20.) allein auf Kesslers Tor zulaufen, wieder schloss er den Angriff überlegt ab.

          Auch Hugo Almeida war einer der Gescholtenen der Vorwochen - er mache verlässlich zu wenig aus seinen Möglichkeiten, ist die Kritik des Bremer Geschäftsführers Klaus Allofs an ihm. Als einzige Spitze rackerte Hugo Almeida vorbildlich, er war auch die einzige Bremer Idee eines Angriffsspiels. Ordentlich gespielt, deutlich zurückliegend, St. Pauli musste das irgendwie bekannt vorkommen. Richtig bitter wurde es danach für den Aufsteiger. Bartels stand nach Ebbers' verunglücktem Fallrückzieher frei vor Wiese, konnte den Ball aber aus drei Metern nicht im Tor unterbringen (21.).

          Die Bremer zogen sich weit zurück, St. Pauli machte das Spiel und versuchte es weiter mit Steilpässen auf Almeida. Nach der Pause hatte St. Pauli das Spiel im Griff, war aber mal zu umständlich, mal unglücklich im Abschluss und musste in der 64. Minute den dritten Treffer Hugo Almeidas hinnehmen Dann aber verdarb sich der Portugiese selbst den Abend. „Er darf sich nicht provozieren“, kritisierte Trainer Schaaf, für den der Sieg „ein kleiner Schritt“ aus der Krise war: „So geht es voran.“

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