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3:0 gegen Hannover : Gomez spielt Super-Mario für Bayern

  • -Aktualisiert am

Erlöst: Mario Gomez Bild: dpa

Mario Gomez sorgt im Alleingang für Bayerns Sieg gegen Hannover 96. In einer mäßigen Partie trifft der Stürmer drei Mal. Hannover kann nicht zeigen, warum die Mannschaft von Tabellenplatz drei in die Partie ging.

          3 Min.

          Wahrscheinlich fand der Anfang vom Ende der Krise beim FC Bayern München schon vier Tage zuvor in Kasachstan statt. Da hatte sich Mario Gomez mit seinem Tor im Trikot der Nationalmannschaft wohl reichlich Selbstvertrauen geholt - und damit die Voraussetzungen geschaffen, um seinen Klub gegen Hannover 96 den erhofften Befreiungsschlag zu verschafft. Ausgerechnet Gomez, der acht Monate nicht mehr für seinen Klub getroffen hatte, gelangen beim 3:0-Sieg am Samstag in der Münchner Arena alle drei Treffer.

          „Ich habe immer gesagt, dass ich meine Tore mache, wenn ich von Anfang an spiele. Ich bin kein Spieler, der in fünf Minuten glänzen kann“, sagte Gomez in Anspielung auf seine Kurzeinsätze, die ihm Trainer van Gaal gewöhnlich nur zubilligt. Der glückliche Stürmer hofft nun auf eine Trendwende - auch in der Beurteilung seines Leistungsvermögens: „Bei mir wird nur über das letzte halbe Jahr auf der Bank geredet - und nicht über die 15 Spiele davor, als ich zehn Tore erzielte.“

          Die Bayern, die auf elf verletzte Profis verzichten mussten, haben nicht nur den höchsten Sieg in dieser bisher für sie bisher nicht glänzend verlaufenden Saison geschafft, sondern auch einen ersten Schritt zurück zur alten mentalen Stärke getan. Spielerisch ließ das Rumpfteam noch einiges vermissen, aber der Erfolg am Samstag war ja vielleicht nur der Anfang.

          In Schwung gekommen: Mario Gomez schießt das erste Münchner Stürmertor der Bundesliga-Saison

          Bayern zunächst spürbar nervös

          Trotz der Verletztenmisere hatte Trainer van Gaal noch die Wahl - welchen der elf gesunden Feldspieler er neben den angeschlagenen Schweinsteiger und zwei Akteuren aus der zweiten Mannschaft auf die Bank setzt. Ottl vielleicht, oder Timoschtschuk, weil im Mittelfeld die Personalsituation am wenigsten angespannt ist. Aber getroffen hat es schließlich Martin Demichelis. Ottl durfte neben Pranjic im Zentrum spielen und Timoschtschuk für den verletzten van Buyten in der Innenverteidigung. Demichelis scheint mit seinem unglücklichen Auftritt gegen Dortmund Anfang Oktober, als er an beiden Gegentoren beteiligt war, den letzten kleinen Kredit bei van Gaal verspielt zu haben. Timoschtschuk machte seine Sache auf ungewohnter Position gut, besser als Demichelis vor zwei Wochen, auch besser als van Buyten, der sich in dieser Saison auch schon ein paar Patzer erlaubt hatte.

          Im Mittelfeld fehlte den Bayern mit den braven Pranjic und Ottl zwar der Esprit, aber gegen Hannover kam es weniger auf Kreativität an, sondern auf Kampfkraft, Leidenschaft und den Willen, den erhofften Befreiungsschlag zu schaffen. Den Bayern half dabei, dass der Gegner zunächst nicht viel Initiative ergriff, sondern abwartete, wie der angeschlagene Meister reagiert. Die Münchner mussten zunächst die spürbare Nervosität in den Griff bekommen, versuchten, Ballsicherheit zu bekommen. Das Angriffsspiel war in der Anfangsphase sehr übersichtlich, die einzige Sturmspitze Mario Gomez war bemüht, nicht aufzufallen. Mal abgesehen von zwei langen Diagonalpässen musste die Abwehr der Niedersachsen deshalb kaum eingreifen. Dann beendete Gomez urplötzlich seine lange Leidensphase, in der 21. Minute reagierte er bei einer Flanke von Altintop goldrichtig, weg von seinem Gegenspieler Avevor und hin zum Ball. Aus neun Meter erzielte er per Kopf das 1:0, sein erstes Bundesligator seit Februar. Aber nicht nur für Gomez war es eine Premiere in dieser Saison, sein Treffer war auch der erste eines Bayern-Stürmers.

          Der Treffer war eine Befreiung für den FC Bayern, der zum ersten Mal seit dem Saisonauftaktspiel gegen Wolfsburg wieder das erste Tor in einer Bundesligapartie erzielt hat. Anders als in den meisten der sieben Spiele hatte der Rekordmeister eine bis dahin optimale Chancenverwertung. Im Laufe der Partie näherten sich die Münchner allerdings wieder ihrer üblichen Quote an, ehe Gomez doch noch zweimal zuschlug. Vor der Pause vergab Timoschtschuk, danach verstolperte Gomez nach einem Konter über Altintop vor Hannovers Torhüter Fromlowitz. Auch der dieses Mal sehr engagiert auftretende Toni Kroos verpasste ein paar Mal das Ziel und muss weiter auf seinen ersten Treffer für Bayern nach der Rückkehr aus Leverkusen warten.

          Wenig Gegenwehr bei Hannover

          Bis auf einen kleinen Zwischenspurt am Ende der ersten Halbzeit und zu Beginn der zweiten Hälfte leistete Hannover, das Geburtstagskind Pinto durch eine Sprunggelenksverletzung verlor, nicht viel Gegenwehr. Mike Hanke und Didier Ya Konan beschäftigten in dieser Phase die Bayern immer wieder mal, scheiterten aber entweder am wieder sicher agierenden Butt oder wurden von der soliden Abwehr erfolgreich und auch mit etwas Glück gestört.

          Nach einer guten Stunde durfte der gerade von einer Kapselverletzung genesene Schweinsteiger doch noch ein bisschen mitspielen, und mit der Einwechslung des Nationalspielers kam auch etwas mehr Kreativität ins Spiel der Bayern. Den zweiten Münchner Treffer in der 77. Minute bereitete allerdings nicht Schweinsteiger vor sondern Kroos - mit einem feinen Pass in die Spitze. Gomez ließ Christian Schulz stehen, hatte dann noch kurz Probleme, den Ball unter Kontrolle zu bringen, ehe er doch noch souverän zum 2:0 einschoss. In der 90. Minute gelang per Kopf auch noch das 3:0. „Man muss einem Spieler auch mal den Glauben vermitteln, dass er wichtig ist“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge über jenen Glücksbringer, der vor Monaten schon vor dem Absprung gestanden hatte. Gomez könnte damit wohl nicht nur seine persönliche Krise, sondern auch die der gesamten Mannschaft beendet haben. Darauf setzen zumindest die siegreichen Bayern.

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