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3:0 gegen Hamburg : Zirkus Hoffenheim bietet eine Sondervorstellung

  • -Aktualisiert am

Kein Zuckerschlecken im Hoffenheimer Angriffswirbel: HSV-Torwart Rost Bild: REUTERS

Dieses Spiel wird auch Bundestrainer Löw inmitten der Ballack-Krise gefallen haben. Hoffenheim entzauberte Hamburg und ist nun Spitzenreiter. Nach dieser Partie wird der Aufsteiger zu einer echten Gefahr für die Größen der Liga.

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          Wenn es überhaupt eines Beweises bedurfte, dass man 1899 Hoffenheim zu den besonderen Mannschaften der Bundesliga zählen muss, dann lieferte ihn der Aufsteiger im Spitzenspiel gegen den Hamburger SV am Sonntagabend. Es war nicht irgendein knappes, mühevolles Spiel, das man mit viel Kampfkraft würzte, es war eine Demonstration der spielerischen Macht und Überlegenheit, die das Team von Trainer Ralf Rangnick beim 3:0 über den völlig überforderten HSV zum Besten gab.

          Die Hanseaten wurden vor allem in der ersten Hälfte regelrecht überrollt. Diese Vorstellung wird auch Joachim Löw gefallen haben, der Bundestrainer fand nach dem Nerven zehrenden Streit mit Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack in der Kurpfalz Zerstreuung auf hohem fußballerischem Niveau. Der Zirkus Hoffenheim bot im Carl-Benz-Stadion dem badischen Gast eine Sondervorstellung.

          Hoffenheim setzte Hamburg sofort unter Druck

          Der Liga-Neuling erklomm vor 26.500 Zuschauern mit inzwischen 24 erzielten Toren, den meisten aller 18 Klubs, wieder die Tabellenspitze und wird nach dieser Partie auch für die etablierten Vereine zu einer ernsten Gefahr. „Die Mannschaft hat 1:1 so gespielt, wie ich es von ihr verlangt habe“, lobte der Hoffenheimer Trainer Ralf Rangnick sein Team.

          Au backe: HSV-Trainer Jol sah keine guten Hamburger in Mannheim
          Au backe: HSV-Trainer Jol sah keine guten Hamburger in Mannheim : Bild: REUTERS

          Er hat mit seinen drei Stürmern, Demba Ba, Vedad Ibisevic und Obasi, ein Trio, das vor der Spitzenpartie mit 15 Treffern ebenso zielsicher war wie der gesamte HSV. Und die Offensive setzte auch gegen den Konkurrenten im Kampf um die Tabellenführung ihr Können erfolgreich ein. Hoffenheim setzte die Hanseaten sofort unter Druck. Bas Schusschance wegen eines Fouls wurde noch abgepfiffen.

          Das Powerplay fing schon im Mittelfeld an

          Doch als in der siebten Spielminute Obasi das Zuspiel von Eduardo aus dem Mittelfeld erreichte, war die Führung fällig. Der Nigerianer ließ die Hamburger Abwehr ganz schlecht aussehen. Es war der zweite Saisontreffer von Obasi, der im Sommer mit seinem Heimatland Silber bei den Olympischen Spielen in Peking gewonnen hatte.

          Der Aufsteiger ließ nicht locker und die Hamburger kamen kaum aus ihrer Spielhälfte heraus. Das Powerplay fing schon im Mittelfeld mit intensiven Attacken an. Und es trug schnell Früchte. So war es Obasi, der kurz vor dem 2:0 in der 13. Minute David Jarolim den Ball abnahm und zwar in der eigenen Hälfte. Sejad Salihovic spielte den Ball ins Sturmzentrum zu Ba, dessen Schuss Frank Rost noch abwehren konnte. Gegen Ibisevics Nachschuss war er jedoch machtlos. Der Bosnier erzielte bereits seinen zehnten Saisontreffer und führt damit die Torschützenliste der Liga an.

          „Er ist so etwas wie ein Neuzugang für uns“

          Sein Trainer Rangnick hatte die fast unheimliche Erfolgsserie des Stürmers, der in der zweiten Liga weit weniger Tore erzielen konnte, vor der Partie mit einem Lächeln quittiert und meinte: „Er ist so etwas wie ein Neuzugang für uns.“

          Die Hamburger Hintermannschaft schien lange regelrecht überfordert und reagierte zuweilen mit panikartigen Befreiungsschlägen. HSV-Trainer Martin Jol musste gleich vier namhafte Spieler ersetzen. Nigel de Jong hatte sich bei einem Länderspieleinsatz für die Niederlande gegen Island einen Innenbandriss zugezogen. Dazu fehlten Thimothee Atouba (Achillessehnenriss), der sich im Uefa-Cup am Donnerstag verletzte, Marcel Jansen (Oberschenkel) sowie der Peruaner Paulo Guerrero (Wadenverhärtung).

          Erst in der zweiten Hälfte stabilisiert sich der HSV

          In der 40. Minute traf Salihovic mit einem Freistoß noch den Pfosten. Aber auch das war nur ein Höhepunkt unter vielen in einer atemraubenden Vorstellung, die wiederum Obasi in der 36. Minute nach einem Pass von Salihovic mit dem 3:0 krönte. Hoffenheim spielte den HSV in den ersten 45 Minuten an die Wand. Nicht nur in den Kombinationen offenbarte sich ein Klassenunterschied, auch körperlich war 1899 den Hanseaten überlegen. Der HSV gewann kaum einmal einen Zweikampf und lief fast immer hinterher.

          In der zweiten Hälfte konnten die Hamburger ihr Spiel stabilisieren, was auch daran lag, dass Hoffenheim etwas Tempo aus der Partie nahm. Nach der berauschenden ersten Hälfte leistete sich der sichere Sieger Hoffenheim den Luxus, den Vorsprung zu verwalten. Wie unterschiedlich die Spielanteile bis dahin verteilt waren, aber zeigt die erste Chance des HSV überhaupt. Die 57. Spielminute war angebrochen als der frühere Dortmunder Mladen Petric auf das Tor von 1899-Torwart Daniel Haas schoss.

          Rost: „Jetzt muss das Gesabbel aufhören“

          Die Hamburger mühten sich nun wenigstens, den katastrophalen Eindruck etwas zu korrigieren. Bastian Reinhardt scheiterte in der 65. Minute an Haas. Mehr als Schadenbegrenzung gelang jedoch nicht. In der 74. Minute ordnete 1899-Coach Ralf Rangnick die Abkehr vom Drei-Mann-Angriff an und der Stürmer Demba Ba verließ unter tosendem Applaus für den defensiven Mittelfeldspieler Isaac Vorsah.

          Sicherer aber konnten sich die Hanseaten deshalb nicht fühlen. Hoffenheim ging jetzt nur eine Spur zu leichtsinnig mit seinen Chancen um. Die Niederlage hätte noch höher ausfallen können. „Jetzt muss das Gesabbel aufhören. Wir müssen uns wieder darauf konzentrieren, was auf dem Platz geschieht“, muffelte HSV-Torwart Frank Rost.

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