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Bundesliga-Kommentar : Was für ein Spieltag!

Begehrt: Einen besseren Spieler als Robben (links) hat die Liga lange nicht gesehen Bild: Imago

Der 21. Spieltag der Bundesliga zeigt viele faszinierende Seiten und die unwiderstehliche Kraft, die im Fußball steckt. Unterhaltungsstoff und Erregungspotential produziert und liefert so verlässlich keine andere Branche.

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          Was für ein Spieltag! Der FC Bayern schlägt den Hamburger SV 8:0. Solch eine Niederlage hat das einzig verbliebene Bundesliga-Gründungsmitglied in über einem halben Jahrhundert zuvor noch nicht erleiden müssen – und einen besseren Spieler als Arjen Robben hat die Liga auch lange nicht gesehen.

          Und dann erst das 4:5-Wahnsinnsspiel zwischen Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg. Erst 0:3, dann 4:4 – und in der Nachspielzeit schließlich doch der Wolfsburger Sieg durch das vierte Tor von Bas Dost. Oder die Wiederbelebung von Borussia Dortmund nach dem Reus-Deal – aus dem 0:1 zur Halbzeit machen die Verzweifelten der Hinrunde ein 4:2 gegen Mainz. Oder das 3:2 von Werder Bremen gegen Augsburg, die Fortsetzungsgeschichte eines für unmöglich gehaltenen Aufstiegs des einstigen Tabellenletzten und vermeintlichen Absteigers.

          Die Fans formieren sich zum Widerstand

          An diesem Wochenende ging es in der Bundesliga sportlich fast auf allen Plätzen hoch her. Und nicht zu vergessen: Das rheinische Derby zwischen Gladbach und Köln mit dem Siegtor der Borussen in der Nachspielzeit – und dem anschließenden Platzsturm von verkleideten Fußballrandalierern. All diese faszinierenden wie erschreckenden Seiten dieses 21. Spieltags sind Tages- und Stadtgespräch, Fortsetzungen folgen garantiert.

          „Nein zu neuen Anstoßzeiten“: In den Stadien, wie hier in Dortmund, formiert sich Widerstand
          „Nein zu neuen Anstoßzeiten“: In den Stadien, wie hier in Dortmund, formiert sich Widerstand : Bild: Imago

          Schnitt. Beim Blick hinter die Kulissen des Fußballs geht es immer häufiger um Millionen und Milliarden, um Käuflichkeit und Korruption. In diesen Tagen wirft schon der neue Fernsehvertrag in England mit 6,9 Milliarden Euro für drei Jahre seine Schatten auf den Profifußball und die Bundesliga voraus. Die Fans formieren sich zum Widerstand gegen kommerziell getriebene Spielplanveränderungen. Und wie kein anderer Skandal beschädigt die WM-Vergabe nach Qatar mit all ihren Querelen den Sport und seine Organisationen nun schon seit Jahren – und das sicher auch noch für lange Zeit.

          Freude über Robben, Staunen über Dost

          Wenn man jedoch nach Gründen sucht, warum der Fußball und seine Fans bisher all diese Exzesse wegstecken, ist man schnell wieder an diesem 21. Spieltag der Bundesliga an einem kühlen Februar-Wochenende. Die enorme Kraft, die im Fußball steckt und in den Stadien von München, Wolfsburg oder Dortmund auf faszinierende sportliche Weise sicht- und spürbar wurde (aber eben auch in Gladbach, wenn auch auf verquere Weise), ist für seine Anhänger und diejenigen, die ihn als Bühne für ihre Zwecke nutzen, einfach unwiderstehlich.

          Unterhaltungsstoff und Erregungspotential produziert und liefert der Fußball so verlässlich wie keine andere Branche. Die Freude an den unwiderstehlichen Dribblings von Robben. Das Staunen über Tore im Viererpack von Dost. Das packende Auf- und Abstiegsdrama um Klopp, Reus und alle Dortmunder. Die Aggressionen von Fußballrandalierern und die Wut der anderen auf sie, dass sie sich nicht stoppen lassen. All diese Episoden aus dem wirklichen und prallen Fußballleben sind ein unwiderstehlicher Treibstoff. Es ist das Lebenselixier des Fußballs, das einfach nicht zu versiegen scheint, egal, was aus dem Fußball gemacht wird.

          Michael Horeni
          (hor.), Sport

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