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Wiesbaden in zweiter Liga : Mit Anstand verabschieden

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Das war es wohl: Tobias Schwede und der SV Wehen Wiesbaden müssen sich mit dem Abstieg arrangieren. Bild: dpa

Für den SV Wehen Wiesbaden geht es gleich wieder runter in die dritte Liga. Nach dem letzten Saisonspiel steht die schonungslose Analyse an. Dabei wird es auch um den Trainer gehen.

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          Die so stark gebeutelten Wiesbadener machen sich nichts vor: Am Abstieg in die dritte Liga wird kein Weg mehr vorbeiführen. Das war nach dem 1:3 in Darmstadt auch die von ihnen gewonnene Erkenntnis, die bitterer nicht sein könnte. Die Chance, nach Austragung des finalen Durchgangs am kommenden Sonntag (15:30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur zweiten Bundesliga und Sky) doch noch länger als nur diese eine Saison in der Liga zu verbleiben, sei „weniger als ein Prozent“, räumte Sportdirektor Christian Hock am Montag ein. Denn um ein sportliches Wunder vollbringen zu können, sind die Hürden sehr hoch.

          2. Bundesliga

          Die Mannschaft von Trainer Rüdiger Rehm müsste ihr Heimspiel gegen St. Pauli gewinnen, der Karlsruher SC in Fürth verlieren. Zusätzlich müssten die Wiesbadener den Zehn-Tore-Vorsprung des KSC wettmachen. Und das ohne Torjäger Manuel Schäffler, der 19 der 40 Saisontreffer erzielt hat, aber aufgrund seiner zehnten Gelben Karte gesperrt sein wird. Nahezu ein Ding der Unmöglichkeit also, und der Aufsteiger will sich nun mit Anstand aus der Spielklasse verabschieden.

          „Wir müssen schauen, das Spiel gegen St. Pauli professionell über die Bühne zu kriegen“, sagte Hock. Bis dahin die Frustbewältigung über die kurze Verweildauer in der zweiten Liga abgeschlossen zu haben wird für alle zur Herausforderung werden.

          „Achterbahnfahrt der Gefühle“

          Von „Totenstille und absoluter Niedergeschlagenheit“ berichtete der Sportdirektor aus der Wiesbadener Kabine nach dem sportlichen Knock-out am Böllenfalltor. Die Dramaturgie des vorletzten Spieltages hatte ihnen emotional alles abverlangt. Angesichts ihrer 1:0-Führung und des 0:3-Rückstands des KSC gegen Bielefeld wähnten sich die Wiesbadener im Abstiegskampf schon obenauf. Ihr Traum vom Nichtabstieg hatte mächtig Auftrieb bekommen. Als dementsprechend heftig empfanden sie ihren finalen Aufschlag in der Realität, nachdem sich die Spielstände – der KSC schaffte noch den Ausgleich – mit weitreichenden Folgen zu ihrem Nachteil verändert hatten. Hock erlebte das Wechselbad der Stimmungen als „Achterbahnfahrt der Gefühle“.

          Typisch Wehen Wiesbaden: Der gesamte Saisonverlauf des Vereins war von einem Auf und Ab geprägt. Auffällig waren die großen Schwächephasen zu Rundenbeginn und im Endspurt des Wettbewerbs: Von den zurückliegenden sieben Begegnungen verloren die Wiesbadener, die Torhüter Heinz Lindner und den Offensivspieler Daniel-Kofi Kyereh wohl nicht werden halten können, sechs und gewannen nur eine. Noch schlechter waren sie in die Saison gestartet mit nur einem Punkt aus den ersten sieben Partien.

          „Es sind sicher Fehler in allen Bereichen gemacht worden. Davon, glaube ich, kann sich keiner frei machen. Jedem ist klar, dass das jetzt eine Delle und ein absoluter Tiefpunkt ist“ – so lautet die Bestandsaufnahme von Hock, der viele Gesprächsrunden und allerhand Analysen der Vereinsverantwortlichen ankündigte. Man müsse nun „schauen und aufarbeiten, was für den Verein das Beste ist in der kommenden Saison und in den kommenden Jahren“, sagte er.

          Trainer Rehm verfügt noch über einen Einjahresvertrag. Er schaffte es nicht, die Mannschaft aus der Underdog-Rolle heraus dauerhaft in der zweiten Liga zu positionieren. Ein Makel, der schwer wiegt, weil der sofortige Wiederabstieg ohne die Fernsehgelder aus der zweiten Liga den Verein in seiner Entwicklung wirtschaftlich enorm zurückwerfen wird.

          Bei ihrer Analyse würden die Verantwortlichen „nicht nur die Spiele bewerten, sondern auch das komplette Umfeld“, sagte Hock. „Wir setzen uns zusammen, schließen uns ein und werden eine Entscheidung treffen.“ Nach einem absoluten Treubekenntnis zum Trainer hörte sich das nicht an. Dem trat er jedoch energisch entgegen. „Es geht nicht um den Trainer, den Sportdirektor, die Spieler oder den Zeugwart. Es geht darum, was für die Zukunft des Vereins das Wichtigste ist. Der momentane Stand ist der, dass unser Trainer Vertrag hat.“ Und im Hinblick auf den Begriff Treuebekenntnis fügte Hock hinzu: „Mehr Treuebekenntnisse, als sie der Verein Rüdiger Rehm in der kompletten Saison ausgestellt hat, kann wohl kein anderer Verein in Deutschland vorweisen.“

          Der Sportdirektor ist in Besitz eines unbefristeten Vertrags. „Ich bin mit Herz und Seele bei diesem Verein. Wenn es gewollt ist, werde ich weiter all meine Kraft in den Klub stecken.“ Im vergangenen Jahr, erinnert er sich, „hatten wir die guten Zeiten. Da hat dir jeder auf die Schulter geklopft und gesagt, wie toll du bist.“ Und heute? „Jetzt hast du die schlechten Zeiten. Und da kommen die Heckenschützen wieder ein Stück weit zum Vorschein.“

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