https://www.faz.net/-gtm-8da08

Leipzig-Trainer Ralf Rangnick : „Wir spielen nicht Monopoly, wenn wir aufsteigen“

Sie halten die enorm gestiegene Bedeutung der Trainer, die neuen Helden des Fußballs, offenbar für gerechtfertigt?

Der moderne Coach, der eine Mannschaft im Griff hat, muss herausragende Führungsqualitäten besitzen. Das Ansehen des Trainers in Deutschland ist gestiegen, aber es ist immer noch nicht da, wo es sein sollte. Im Ausland ist das anders. Ich mache diesen Unterschied schon am Namen fest. In England sagt jeder zum Trainer: Boss. In Italien: Mister. In Deutschland bestenfalls: Coach. Aber manche nennen ihn auch immer noch: Übungsleiter. Immerhin hat man in Deutschland inzwischen erkannt, dass die Berufe Fußballspieler und Fußballtrainer außer der Sportart wenig bis nichts miteinander zu tun haben. Um im Bild zu bleiben: Niemand würde doch ernsthaft glauben, dass ein Solist, der herausragend Violine, Bratsche oder Posaune spielt, auch automatisch das Zeug zu einem Dirigenten hätte. Im Fußball war das leider zu lange so.

RB Leipzig setzt auf junge Talente - so wie Yussuf Poulsen (links)
RB Leipzig setzt auf junge Talente - so wie Yussuf Poulsen (links) : Bild: dpa

Welchen Namen wünschen Sie sich für Ihren Beruf?

 Zumindest mal Fußball-Lehrer. Und nicht: temporäre Erscheinung.

Wie haben Sie sich denn nach Ihrer Pause als Trainer weiterentwickelt?

Ich sehe Trainer, aber auch Sportdirektoren, als Dienstleister. Wir müssen den Spielern jeden Tag die Chance geben, sich zu verbessern. Das ist mein Selbstverständnis. Und dann geht es um die Werkzeuge, die einem dafür zur Verfügung stehen. Für mich ist vollkommen klar, dass die Videoanalyse eines der wichtigsten Tools ist, um Spieler zu verbessern. Denn das funktioniert unabhängig von Sprache, Nationalität und Kultur. Die eigene Spielidee über Video zu verbessern – das ist eine entscheidende Komponente. Wir haben beim Training mittlerweile einen Monitor direkt neben dem Platz. Und ein moderner Coach braucht als Werkzeuge auch die passende, regelmäßige und authentische Kommunikation und Führungsstärke für eine junge, aufgeschlossene, intelligente Spielergeneration.

Was ist Ihnen noch wichtig?

Nehmen wir das Thema Ernährung und, damit verbunden, die Belastungs- und Regenerationsfähigkeit. Thomas Tuchel hat das in Dortmund extrem entwickelt. Man muss sich nur Mats Hummels und Ilkay Gündogan anschauen – die sehen gar nicht mehr so aus, als ob sie noch dieselbenSpieler wie in der letzten Saison wären. Fußball ist ein Hochleistungssport geworden, der den Namen inzwischen auch verdient. Heute ist man ohne hochqualitatives Training, ohne die richtige Ernährung und ausreichend Schlaf nicht mehr wettbewerbsfähig. Das war vielleicht vor zehn Jahren noch nicht so.

Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

Mehr erfahren

Und wenn alles so professionell ist - woher kommen dann die vielen Muskelverletzungen bei Topklubs wie Bayern und Real Madrid?

Das ist aus der Ferne sehr schwer zu beurteilen. Aus fachlicher Distanz betrachtet, kann ich nur sagen: Spieler, die sich mit Haut und Haaren ihrem Beruf verschreiben, sind in aller Regel selten verletzt. Wir haben bei RB kaum Muskelverletzungen, obwohl unsere Spielweise hochintensiv ist. Entscheidend dabei ist aber auch das enge Zusammenspiel zwischen dem Trainer und seinem gesamten Stab.

Bei Ihren Ansprüchen: Viele Kandidaten für den Trainerjob bei RB werden Sie da kaum finden.

Ich bin überzeugt, dass wir im Sommer den Richtigen finden.

Und wenn nicht, machen Sie dann auch in der Bundesliga weiter?

Ein neuer Trainer wäre sehr wichtig für die Gesamtentwicklung des Vereins. Ich hatte ja auch im letzten Jahr nicht vor, wieder Trainer zu sein. Einige hatten mich auch vor der Doppelaufgabe gewarnt. Aber das war für mich eine Frage der Verantwortung. Dass dieser Fall im Sommer noch einmal eintritt, schließe ich aus. Für mich ist klar, dass ich dann wieder ausschließlich Sportdirektor sein werde.

Weitere Themen

Topmeldungen

Fertigungsstrecke von Geely in der chinesischen 6-Millionen-Einwohner-Metropole Ningbo.

Autos aus Fernost : Chinas Einheitsfront gegen VW und Tesla

Wie von Peking gewünscht, knüpft Milliardär Li Shufu ein Netzwerk mit chinesischen Technologiegiganten, um das Auto der Zukunft zu bauen. Auch Daimler darf helfen beim Projekt Welteroberung.
Demonstranten auf dem Puschkin-Platz in Moskau am Samstag

Demonstrationen für Nawalnyj : „Putin ist ein Dieb!“

Zehntausende Menschen protestieren am Samstag gegen den russischen Staatspräsidenten und für die Freilassung Alexej Nawalnyjs. Die Staatsmacht geht hart gegen die friedlichen Demonstranten vor.
Die Maske als Modeaccessoire

Maßnahmen gegen Corona : Das Problem mit dem Lockdown

In Museen, Friseursalons oder Fußballstadien steckt sich kaum jemand mit Corona an. Trotzdem bleibt alles zu. Was haben die Ministerpräsidenten gegen gezielte Maßnahmen?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.