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Start der zweiten Bundesliga : Lieberknecht ist Braunschweigs Trumpf

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Braunschweiger durch und durch: Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht Bild: dpa

Erstliga-Absteiger Braunschweig muss namhafte Abgänge verkraften – und auf seinen begehrten Trainer bauen. Mit der Eintracht startet Torsten Lieberknecht an diesem Freitag (20.30 Uhr) gegen Düsseldorf in die neue Zweitligasaison.

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          Die vielen Fragen nach der Wehmut, den Wunden und einem möglichen Wiederaufstieg wehrt er souverän ab. Torsten Lieberknecht ist drei Monate nach dem Abstieg von Eintracht Braunschweig schon wieder mit viel Fleiß dabei, frischen Optimismus zu schüren.

          „Die Spieler, die wir neu an Bord haben, sind hungrig und entwicklungsfähig“, sagt der Cheftrainer der Niedersachsen, die am Freitag (20.30 Uhr / Live bei Sky und im 2. Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) zum Saisonstart der zweiten Fußball-Bundesliga bei Fortuna Düsseldorf antreten. Dass Lieberknecht angesichts des Verlustes von fünf Leistungsträgern vor einer äußerst schwierigen Aufgabe steht, ist ihm nur bedingt zu entlocken. „Die zweite Liga hat auch ihre eigene Wucht“, sagt der 40-Jährige, wenn es darum geht, ob die Eintracht gleich wieder zu den Aufstiegskandidaten zählen könnte.

          Eine Saison lang, als es noch gegen München, Dortmund und Co. ging, war das minimalistische Prinzip der Eintracht ein Vergnügen. Die Freude daran, von Spiel zu Spiel der krasse Außenseiter gewesen zu sein und um das pure Überleben kämpfen zu müssen, ist aber längst Historie. Jetzt gilt es, herauszufinden, wie die Mannschaft um Kapitän Dennis Kruppke die Rückschläge in Serie verkraftet hat. Der Trainer war wegen des Abstiegs nach eigenem Bekunden mental leer und völlig urlaubsreif. Seine jüngste Vorbereitung ist bewusst von neuen Impulsen geprägt gewesen, um mit der Vergangenheit abzuschließen.

          Die Eintracht-Profis sind zum Beispiel im benachbarten Harz durch die Berge gekraxelt und haben den Medien dabei die kalte Schulter gezeigt. Sie wollten unter sich sein, als dem stark veränderten Team eine neue Struktur und Hierarchie gegeben worden ist. Die abgewanderten Leistungsträger Domi Kumbela (Kardemir Karabükspor), Daniel Davari (Grasshopper Club Zürich) Ermin Bicakcic (TSG Hoffenheim), Omar Elabdellaoui (Olympiakos Piräus) und der zu Bayer Leverkusen zurückgekehrte Leihspieler Karim Bellarabi hinterlassen eine große Lücke. Sie wird mit den sieben eher unbekannten Neuzugängen, von denen drei nur ausgeliehen sind, kaum zu schließen sein. Zumindest mit dem vom FC Brügge geholten, norwegischen Stürmer Mushaga Bakenga sind große Hoffnungen verbunden.

          „Die Leistungsdichte ist enorm gestiegen“

          Die bisherigen Leistungen in der Saisonvorbereitung bringen die Verantwortlichen der Eintracht zu der Erkenntnis, dass man zu den „üblichen Verdächtigen“ (Manager Marc Arnold) gehören könnte. Greuther Fürth, St. Pauli, Düsseldorf, Union Berlin, Kaiserslautern und eben Braunschweig werden zu jenen Klubs gezählt, die sich um die oberen Tabellenplätze streiten könnten. „Die Leistungsdichte ist enorm gestiegen“, findet Arnold, dem selten bis nie große Töne zu entlocken sind.

          Eine stabile Saison spielen, der eigenen Philosophie treu bleiben, den Verein weiterentwickeln: Eine solche Reihe der Untertreibungen stellen sie in Braunschweig gerne auf, um am Ende doch zu glänzen. Die Vorfreude der Fans auf ihre Eintracht ist trotz der Rückkehr auf die etwas kleinere Bühne des bezahlten Fußballs enorm groß. Mehr als 14.000 Dauerkarten sind abgesetzt worden. „Wir haben viele Fans gewonnen. Den Leuten hier geht es nicht in erster Linie darum, in welcher Liga wir spielen. Hauptsache, es ist Braunschweig und ehrlich“, sagt Lieberknecht, der als pfiffiger Trainer, Motivator und Liebling der Massen in Personalunion agiert.

          Und was passiert, wenn es nicht nochmal klappt?

          Es hat sich bei der Eintracht so eingespielt, dass Lieberknecht die volle Aufmerksamkeit auf sich lädt und damit den Druck von der Mannschaft nimmt. Die Folge dieser Hauptrolle ist: Es hat sich bei der Konkurrenz in Liga eins und zwei herumgesprochen, dass dieser kleine, emotionale Mann wirklich Großes bewirken kann. Lieberknecht hat sich wie Arnold bis 2017 an die Eintracht gebunden und bildet mit Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt ein Erfolgstrio.

          Wer den so charmant plaudernden Cheftrainer ein wenig in Verlegenheit bringen will, befragt ihn aber nach seinen persönlichen Zielen und der eigenen Karriereplanung. Dann kommt sein Redefluss ins Stocken, er weicht aus und gesteht nur ganz kleinlaut ein, wie gut ihm die Auftritte im Oberhaus gefallen haben. „Erste Liga - klar habe ich den Ehrgeiz und will da noch einmal hin“, sagt Lieberknecht. Und wenn das mit Eintracht Braunschweig nicht noch einmal klappen sollte? „Ich bin hier. Und da, wo ich bin, verschreibe ich mich mit Haut und Haaren.“

          Der vielleicht größte Trumpf der Eintracht

          Trainer, Mannschaft und Verein scheinen an der Hamburger Straße auf sonderbare Weise miteinander verheiratet zu sein. Hinter Lieberknecht liegt eine Abstiegssaison, in der die Eintracht mit gerade einmal 29 geschossenen Toren und nur 25 erkämpften Punkten ein zwar tapferes Bild, aber unter dem Strich unzureichende Leistungen abgegeben hat. Trotzdem wird Lieberknecht in seinem Job überhaupt nicht in Frage gestellt. Die Hoffnung, dass es mit ihm möglichst erfolgreich und stimmungsvoll weitergeht, will einfach nicht versiegen. Sie ist der vielleicht größte Trumpf, den Eintracht Braunschweig in der neuen Zweitligasaison ausspielen kann.

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