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Zweite Bundesliga : Hannover 96 will zurück

  • -Aktualisiert am

Nach oben, bitte: Daniel Stendel will mit Hannover 96 zurück in die Bundesliga Bild: dpa

Nach dem Abstieg aus der Bundesliga peilt Hannover 96 mit Trainer Stendel die direkte Rückkehr an. Ist das zu vermessen?

          Der erste Eindruck von ihm täuscht. Wenn Daniel Stendel, seit April Cheftrainer von Hannover 96, öffentlich auftritt, wirkt er einsilbig und recht zurückhaltend. Bei der täglichen Arbeit dagegen wählt er laute und deutliche Töne. „Männer, wir wollen vorne Druck machen. Wir wollen Tore schießen“ - im Trainingsalltag sind von Stendel immer wieder kräftige Sätze wie diese zu hören. Nach dem Abstieg von Hannover 96 in die zweite Fußball-Bundesliga arbeitet der 42 Jahre alte Übungsleiter voller Elan an einer taktischen Neuausrichtung. Die Niedersachsen möchten so schnell wie möglich in die erste Liga zurückkehren. Damit diese Zielvorgabe erfüllt werden kann, soll von heute an tüchtig gerannt und geschuftet werden. Hannover 96 eröffnet an diesem Freitag (Anpfiff 20.30 Uhr) mit der Partie beim 1. FC Kaiserslautern die Zweitliga-Saison.

          Stendel schwebt vor, dass sein Sturm-und-Drang-Team vor allem mit Angriffslust überzeugen soll. Die Offensive von Hannover 96 ist mit Profis wie Artur Sobiech, Niclas Füllkrug (vom 1. FC Nürnberg), Martin Harnik (vom VfB Stuttgart) tatsächlich außergewöhnlich gut besetzt. „Wir wollen zurück. Darauf waren alle Transferaktivitäten und vieles mehr im Hintergrund ausgerichtet“, sagt Geschäftsführer Martin Bader. Er soll gemeinsam mit Stendel, der als früherer 96-Torjäger für einen gehörigen Schuss Lokalkolorit sorgt und eine echte Identifikationsfigur für die Fans ist, einen Stimmungsumschwung schaffen. Rund 20 000 Dauerkarten hat der Verein bereits für eine Spielzeit verkauft, die unbedingt mit dem Wiederaufstieg enden soll. Was sich nach einer Last für die Mannschaft anhört, sorgt in Wahrheit für eine nicht zu übersehende Aufbruchstimmung. Die Atmosphäre ist locker und gelöst. Hannover 96 festigt seinen Ruf, zu den mit Abstand fröhlichsten Absteigern in der Geschichte des deutschen Profifußballs zu gehören.

          Leistung zählt, nicht Etablierte

          Um das Gestrampel für das große Ziel, das Vereinspräsident Martin Kind unmissverständlich ausgegeben hat, sind nicht alle zu beneiden. Einem jungen Trainer wie Stendel, der von der Interimslösung zum - erhofften - Heilsbringer befördert worden ist, bleibt zu wünschen, dass er seiner Philosophie möglichst lange treu bleiben kann. Als ehemaliger Nachwuchstrainer von Hannover 96 möchte er nicht auf etablierte Namen sondern vornehmlich auf Leistung setzen. Bestes Beispiel mit schlechtem Ende für den Spieler: Mit Christian Schulz ist der bisherige Kapitän und Abwehrroutinier aussortiert worden. Für diesen und so manchen anderen Wandel im Verein zeichnet vor allem Bader als Geschäftsführer verantwortlich. Er zieht an den Fäden für ein neues Nachwuchsleistungszentrum. Das Scouting wird grundlegend neu sortiert. Vieles von dem, was Bader neu anstößt, ist für die bisher Zuständigen mit der Botschaft verbunden, dass sie einen ganz schön schlechten Job gemacht haben.

          Hannover 96 ist sein Lebenswerk: Martin Kind

          Für die ganz normale Konkurrenz in der zweiten Liga muss Hannover 96 wie ein viel zu selbstbewusster Verein daherkommen, der einen kräftigen Tritt gegen das Schienbein verdient hat. Der Personaletat der „Roten“ soll bei rund 40 Millionen Euro liegen. „So, wie sich Hannover verstärkt hat, gehört der Verein zu den ersten Aufstiegskandidaten“, sagt Marc Arnold. Der Mann ist Manager des Lokalrivalen Eintracht Braunschweig - ein Verein, der nicht gerade dafür bekannt ist, vor Hannover 96 den Hut zu ziehen. Aber die aktuellen Zwischentöne und Zahlen belegen, wie gut in Hannover in den vergangenen Jahren gewirtschaftet worden ist. Man will es sich sogar leisten, den von mehreren Erstligavereinen umworbenen Defensivspieler Salif Sané unbedingt zu halten. Präsident Kind, inzwischen 72 Jahre alt, sind auf kurze Sicht die sportlichen Ziele wichtiger als die monetären. Für ihn ist Hannover 96 ein Lebenswerk, das nach vierzehn Jahren Erstliga-Fußball in Folge nicht mit einem Makel belastet bleiben soll. „Herr Kind ist weiterhin sehr aktiv und ganz dicht an der Mannschaft“, berichtet Bader als sein wichtiger Zuarbeiter.

          Auf den ersten Blick klingt es ein wenig vermessen, was sich Hannover 96 da vorgenommen hat. Mit Stendel führt ein Trainer eine stark verjüngte Mannschaft an, dem es an Erfahrung im Profibereich mangelt. Aber er bringt einfach den nötigen Schwung und eine mitreißende Art mit, die seinen Vorgängern Michael Frontzeck und Thomas Schaaf in Hannover nicht vergönnt war. Die Spieler folgen ihm willig. Im Trainingsalltag, der ständig auf möglichst viele Torschüsse ausgelegt ist, fliegen nicht gerade wenige Bälle über diesen hohen Zaun zwischen Trainingsgelände und Stadion. Aber selbst darüber wird bei einem Verein, der in der vergangenen Spielzeit in 34 Punktspielen gerade einmal 25 Punkte sammeln konnte, mehr gelacht als geflucht.

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