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TSV 1860 München : Es ist zum Brüllen

Warum so traurig? Die Löwen-Maskottchen sollen demnächst aus Fleisch und Blut sein. Bild: dpa

Große Vergangenheit, graue Gegenwart, unklare Zukunft: Der TSV 1860 München steht am Abgrund der zweiten Bundesliga. Das hat Gründe. Nun soll es einer richten, der ein „Löwe“ durch und durch ist.

          6 Min.

          Irgendwas ist doch immer! Das kann, sehr frei nach dem Wortschöpfer Karl Valentin, zweifellos recht reizvoll sein, selbst wenn die Dinge sich keineswegs zum Besten entwickeln und zur Mühsal werden. Anders ausgedrückt: Gar nicht krank ist auch nicht gesund. Das ist die hochdeutsche Variante eines Spruchs des Münchner Komikers Valentin, der vor ziemlich langer Zeit entstanden ist, aber immer noch aktuell ist. Für die Liebenden und die Leidenden zum Beispiel, die sich dem Gebilde TSV 1860 München verschrieben haben, mit Leib und Seele.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Das ist eine Herausforderung für jede Faser im Körper, und so verwundert es nicht, dass mancher eingefleischte Sechziger sich gelegentlich in Ironie, gar Sarkasmus flüchtet. Und sich kurzerhand Valentins Worte auf die Fahne schreibt und sie bei einem Spiel der „Löwen“ demonstrativ unters Volk bringt. Das hat sich tatsächlich ereignet. Kann schließlich schon eine Strapaze sein mit den „Löwen“, mit diesem speziellen Münchner Lebensgefühl in Blau, das der wahre Fan natürlich nie verliert, obwohl seine Zuneigung auf eine harte Probe gestellt wird, immer wieder. Weil die Sache mit den „Löwen“ auch eine Geschichte von Versuch und Irrtum ist, quasi in einer Endlosschleife.

          Ja, treu sind sie und charakterstark, die Anhänger dieses Traditionsvereins, den eine besondere Aura umweht, der in Giesing seine Wurzeln hat, einst ein Münchner Arbeiterviertel. Sagt einer, der Kult ist beim TSV 1860, Karsten Wettberg. War mal einer seiner Erfolgstrainer, gilt bis zum heutigen Tag als „König von Giesing“.

          Nichts da mit Schicki-Micki-Gehabe, sagt Wettberg, „das ist nicht die Welt der Löwen.“ Klare Abgrenzung zu den „Roten“, zum FC Bayern, übermächtig in der Stadt und im Lande. Das war allerdings nicht immer so, es gibt eine Bundesliga-Tabelle, die sich so liest: Meister 1860 München, Zweiter Borussia Dortmund, Dritter Bayern München. Liegt freilich schon ein halbes Jahrhundert zurück. Und just in diesen Tagen, exakt 50 Jahre nach dieser großen Sause, taumeln die „Löwen“ am Abgrund, und Wettberg klagt: „Mir blutet das Herz.“

          Jubiläumstickets zum Preis von 19,66 Euro

          Zweite Liga, Tabellenvorletzter, die Drittklassigkeit vor Augen. Ein Alltag Grau in Grau, ein Klammern an einen Strohhalm. Und ein Stühlerücken, um zu retten, was noch zu retten ist. Der TSV 1860, der unter anderem von dem Finanzexperten Erich Riedl geführt worden war und dennoch in die Schuldenfalle geriet, von dem Millionär Karl Heckl oder dem Großgastronom Karl-Heinz Wildmoser und jetzt Peter Cassalette als Chef hat, besitzt reichlich Erfahrung auf dem Gebiet der Rochaden: ein häufiges Kommen und Gehen, bei Präsidenten, Managern oder Fußball-Lehrern, die mal mehr und mal weniger prominent waren.

          Jetzt soll Daniel Bierofka, ein „Löwe“ durch und durch, auf die Schnelle ein neues Feuer beim TSV 1860 entfachen. Erste Bewährungsprobe an diesem Sonntag gegen Eintracht Braunschweig (13.30 Uhr / Live bei Sky und im 2. Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET). Ein Tag, an dem es um das sportliche Überleben geht. Ein Tag aber auch, an dem Sechzig an seine glorreiche Vergangenheit erinnert, mit Jubiläumstickets zum Preis von 19,66 Euro. Bierofka, der vermutlich nur ein kurzes Intermezzo geben wird, steht vor einer heiklen Aufgabe, und sein Vater Willi Bierofka, eine frühere „Löwen“-Größe, hat vorsichtshalber schon mal gesagt: „Man kann nicht erwarten, dass der Daniel in vier Spielen alles rausreißt, was in zwei Jahren verbockt wurde.“

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