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Zweite Bundesliga : Darmstadt 98 verfällt in alte Muster

  • -Aktualisiert am

Schreck, lass nach – der Darmstädter Serdar Dursun Bild: dpa

Nach dem schönen Freistoßtor von Tobias Kempe sah es gut aus. Doch in einer turbulenten Schlussphase verlieren die „Lilien“ in Bochum noch. Die Art und Weise spricht dabei nicht für die Reife des Teams.

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          Wie nah Hoch(-gefühl) und Tief(-schlag) im Fußball zusammenliegen können, hat Tobias Kempe am Samstag auf besondere Weise erfahren. Der „Lilien“-Offensivspieler bewies in der 80. Minute sein außergewöhnliches Gefühl im rechten Fuß, als er einen Freistoß butterweich zur 1:0-Führung in den Torwinkel schlenzte. Keine 120 Sekunden später gab Kempe im eigenen Fünfmeterraum dann aber nicht gerade eine gute Figur ab. Nach einem Freistoß wäre der Bochumer Kopfball am Tor vorbeigegangen, doch Kempe bugsierte ihn unglücklich ins eigene Netz.

          2. Bundesliga

          Dass der SV Darmstadt 98 zwei weitere Minuten später gar noch ein zweites Tor kassierte und 1:2 beim VfL Bochum verlor, setzte der finalen „Lilien“-Pannenserie die Krone auf. Nach drei überzeugenden Pflichtspielsiegen in Serie ist der Darmstädter Höhenflug an der Ruhr zu Ende gegangen. Auf „extrem bittere“ Art und Weise, wie Abwehrspieler Immanuel Höhn beklagte. Die Chance, sich nach Monaten im Tabellenmittelfeld nach vorne zu arbeiten, wurde vertan.

          Nun war bei den heim- und formstarken Bochumern ein Auswärtssieg nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Doch der durchgehend gute Darmstädter Auftritt über 80 Minuten erhielt die Hoffnungen auf einen Coup. SVD-Cheftrainer Markus Anfang bescheinigte seiner Mannschaft ein „ordentliches, ja sogar ein gutes Spiel“. Doch den späten Knockout erlebte er mit Schaudern. „Wir hätten etwas holen müssen. Aber nun müssen wir uns an die eigene Nase fassen, weil wir nicht in der Lage waren, es hinten heraus zu verteidigen.“

          Darmstädter Fahrlässigkeiten in der Schlussphase waren ein Phänomen, das die Mannschaft im Herbst so manchen Punkt gekostet hatte. In dieses Muster fielen die „Lilien“ nun in Bochum zurück, als im entscheidenden Moment Ruhe, Übersicht und Zutrauen verlorengingen. Die entscheidende Szene: Nicolai Rapp wurde auf der rechten Darmstädter Abwehrseite zum wiederholten Male überlaufen, und die Hereingabe verwertete der eingewechselte Bochumer Pantović (84.) frei stehend zum entscheidenden Treffer.

          VfL-Trainer Thomas Reis hatte vor dem Match beobachtet, dass die Südhessen ihr früher in dieser Saison zu sehendes „Harakiri“ in der Defensive abgelegt hätten. Doch in der Schlussphase am Samstag kam es in Abwesenheit des angeschlagenen Linksverteidigers und Kapitäns Fabian Holland doch wieder zum Vorschein. „Das war extrem unnötig“, sagte SVD-Profi Höhn. Zumal die Darmstädter zuvor mit der in dieser Saison bislang treffsicheren Offensive des Aufstiegsanwärters gut zurechtgekommen waren. Nur Blum (8. und 71.) und Zulj (55.) kamen aussichtsreich zum Abschluss.

          Der SVD war sogar über weite Strecken das stärkere Team mit der besseren Raumaufteilung, mit einem besseren Passspiel. Es haperte bei den „Lilien“ nur daran, sich zu adäquaten Abschlussgelegenheiten zu manövrieren. Kurz nach der Pause machten die „Lilien“ dann richtig Druck. Erst hatte Kempe eine sehr gute Gelegenheit, als ein Bochumer noch ein Bein in die Schussbahn bekam (47.), dann wurde das Tor von Dursun (48.) wegen Abseits korrekterweise nicht anerkannt. Und anschließend flog ein wuchtiger Distanzschuss von Tim Skarke knapp über das Bochumer Tor (50.).

          Bis der Torreigen begann, lieferten sich zwei technisch gewandte Teams ein Duell auf Augenhöhe. Dann kam Kempe. „Wenn du in der 80. Minute in Führung gehst, dann darfst du das Spiel nicht mehr verlieren“, sagte der Kunst- und Eigentorschütze, der mit nunmehr acht Toren und sieben Vorlagen das Scorer-Ranking der Liga anführt. Wie sich die „Lilien“ ihr scheinbar spätes Glück noch aus der Hand nehmen ließen, spricht nicht für eine ausgeprägte Reife des Teams. Und das tat den Darmstädtern am Samstag wahlweise „extrem weh“ (Kempe) oder „wahnsinnig weh“ (Anfang).

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