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Zweite Bundesliga am Freitag : Darmstadt 98 dampft voraus

  • -Aktualisiert am

Darmstadts Emir Karic zeigt mit seinem Daumen nach oben. Bild: dpa

Nicht schön, aber erfolgreich: Marvin Mehlems „Sensationsschuss“ beschert dem Tabellenführer das 1:0 gegen Hannover 96. Vor der langen WM-Pause gibt es noch zwei weitere Spiele für Darmstadt 98.

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          Es wirkte wie eine liebevoll-herzliche Szene auf einem Bahnsteig, als Marvin Mehlem (1,74 Meter) Patric Pfeiffer (1,96 Meter) in die Arme sprang. Fest umschlang der Kleine den Großen mit Armen und Beinen – die Wiedersehensfreude am Rande des Sechzehnmeterraums nach 63-minütiger recht beschwerlicher Zweitligareise war groß.

          Weil der SV Darmstadt seit diesem Moment am Freitagabend noch ein bisschen zugkräftiger gen Bundesliga-Aufstieg dampft. Beim 1:0-Heimsieg über Hannover 96 lief zwar spielerisch nicht alles nach Fahrplan und doch wirkt der „Lilien“-Express derzeit schier unaufhaltsam. Vierzehn Ligapartien in Serie ungeschlagen; als Tabellenführer sechs Punkte Vorsprung vor Rang vier; 32 Zähler nach 15 Spieltagen als zu diesem Zeitpunkt beste Ausbeute der Vereinsgeschichte.

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          Viel spricht dafür, dass die Südhessen die anstehende WM-Pause aus einer genüsslichen Position der Stärke verleben werden. Dass die Serie trotz Personalknappheit auch diese Woche noch überdauert, in der die Darmstädter beim Tabellensechzehnten Magdeburg (Donnerstagabend) und zum Abschluss daheim gegen den Rangsiebzehnten Fürth (Sonntagnachmittag) antreten müssen, scheint überaus wahrscheinlich.

          Der Erfolg gegen zuvor in der Liga in Serie erfolgreiche Hannoveraner entsprang dem „Sensationsschuss“ (Trainer Torsten Lieberknecht) von Mehlem. Der kleine Mittelfeldmann war ganz groß, als sein 23-Meter-Kracher genau neben dem Pfosten im Netz einschlug (63.) – ehe er in den Armen des Kollegen Pfeiffer wieder auf Normalmaß schrumpfte. Mehlem ist ein Darmstädter Paradebeispiel dafür, dass dieses stabile Kollektiv auch getragen wird von deutlichen individuellen Verbesserungen bestimmter Profis.

          Es wirkt, als ob der 25-Jährige vor Wochen seinem Spiel endlich die größten Flausen ausgetrieben und eine erwachsenere Reife auf dem Feld erreicht hat. Zwei Tore vorbereitet und nun das Tor des Abends erzielt hat Mehlem in den vergangenen vier Spielen, insgesamt steht der enorm ballgewandte Techniker schon bei sieben direkten Torbeteiligungen.

          Darmstadt mit Wucht und Kraft

          Woher nun in dieser Hinserie die Konstanz komme, die seinem Spiel in den vergangenen Jahren so oft abging? Er wisse es nicht, sagte Mehlem nach seinem gewinnbringenden Volltreffer aus der Distanz. Was er aber sehr wohl weiß: „Wir schaffen es, den Schwung Woche für Woche mitzunehmen.“ Gegen Hannover wirkte das Spiel der Südhessen freilich nicht immer schwungvoll, in der langen Überzahl – der 96er Neumann sah schon in der 30. Minute die Rote Karte – auch nicht immer behände und geschickt. Vielmehr rannten die „Lilien“ gegen die beiden weit zurückgezogenen Viererketten der Niedersachsen oft vergeblich an.

          Und doch hat das SVD-Spiel eine Wucht und Kraft, die den Gegnern so zusetzt, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass sie dem Darmstädter Druck nicht 90 Minuten lang standhalten können. „Wir mussten geduldig weiterspielen, Standards herausholen und es auch mal aus der Distanz probieren“, sagte Mehlem. Die stete Gefahr, welche auch die in Serie in den Strafraum fliegenden Eckbälle und Freistöße entwickelten, schien die Hannoveraner irgendwann zermürbt zu haben.

          „Lilien“-Torjäger Philip Tietz vergab in der 76. Minute die glasklare Chance auf die Entscheidung. Natürlich hätte Tobias Kempe dem Spiel per Elfmetertor früher eine Wendung geben können (31.), doch der Mittelfeldmann scheiterte am starken 96-Torhüter Zieler. „Was mir nicht gefallen hat, waren in der Schlussphase die vielen Bälle, die wir nach hinten gespielt haben, statt sie nach vorne zu schlagen“, sagte Coach Lieberknecht. „Trotzdem bin ich massiv stolz, dass wir so einen 1:0-Sieg heimbringen konnten. Solche Siege sind doch oftmals die schönsten.“

          Sieben ihrer neun Saisonerfolge haben die „Lilien“ mit einem Tor Vorsprung erreicht. Nicht auszudenken, hätte sich die Nervenstärke der Südhessen Anfang September nicht eine Auszeit genommen – damals ließen sie sich in drei aufeinanderfolgenden Spielen noch spät im Match einen Vorsprung nehmen. Hätten sie jene sechs Punkte nicht liegengelassen, der Darmstädter Schnellzug wäre schon dieser Herbsttage von der Konkurrenz nur noch mit dem Fernglas auszumachen.

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          Rostock verliert gegen Sandhausen

          Hansa Rostock kann zu Hause nicht mehr gewinnen. Das Team von Trainer Jens Härtel musste am Freitagabend mit einem 0:1 (0:1) gegen den SV Sandhausen die dritte Heimpleite in Folge hinnehmen und verpasste die Gelegenheit, die Distanz zu den Abstiegsrängen zu vergrößern. Christian Kinsombi (45. Minute) erzielte vor 24.000 Zuschauern im Ostseestadion das Tor für die Gäste, die sich mit ihrem ersten Auswärtssieg in dieser Saison vorerst auf den 13. Tabellenrang verbesserten.

          Vor prächtiger Kulisse hätten die in Bestbesetzung angetretenen Hausherren bereits früh in Führung gehen können. Ein Kopfball von Mittelstürmer John Verhoek nach einer Ecke von Svante Ingelsson strich in der fünften Minute jedoch knapp über die Latte. Das blieb lange der einzige Höhepunkt im pomadigen Angriffsspiel der Hanseaten.

          Ein schulbuchmäßiger Konter verhalf Sandhausen zur nicht unverdienten Halbzeitführung. Christian Kinsombi traf nach Vorarbeit seines Bruders David. Hansas Schlussmann Markus Kolke hatte keine Abwehrmöglichkeit. Die Rostocker mühten sich nach dem Wiederanpfiff um den Ausgleich, scheiterten aber immer wieder an den Abwehrspielern des SV Sandhausen. (dpa)

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