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Darmstadt besiegt Bremen : „Siehst Du, Markus, so wird das gemacht“

  • -Aktualisiert am

Die Darmstädter bejubeln den Führungstreffer, auf den noch zwei weitere folgten. Bild: Picture-Alliance

Die „Lilien“ gewinnen gegen Werder Bremen und ihren früheren Trainer Markus Anfang mit 3:0 – und orientieren sich in der Tabelle nach oben. Die Zuschauer am Böllenfalltor sind begeistert.

          3 Min.

          Die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte liegt nur ein paar Monate zurück. Unter Cheftrainer Markus Anfang eilten die „Lilien“ damals von Erfolgserlebnis zu Erfolgserlebnis in der zweiten Liga. Am Sonntag durfte sich der Fußballlehrer in Dauerschleife „Siehst Du, Markus, so wird das gemacht“ anhören. Weil die Begleitumstände seines Wechsels zu Werder Bremen das Darmstädter Publikum vergrätzt hatten und weil sein Nachfolger Torsten Lieberknecht im Schnelldurchlauf auf dem Weg zu einem echten Volkstribun am Böllenfalltor ist. Und weil das Publikum den Moment genoss.

          2. Bundesliga

          Der SVD besiegte den großen SV Werder Bremen in überzeugender Manier 3:0, kann mittlerweile seine Heimstärke als Fundament begreifen und kletterte auf Zweitligarang sechs. Die Aufstiegsränge sind nur noch drei Zähler entfernt. „Ich hatte das ganze Spiel das Gefühl, dass uns nichts passieren kann“, sagte der zweifache Torschütze Luca Pfeiffer. Aus dessen Sicht waren „eine extrem entschlossene Abwehrleistung, Effizienz und ein bisschen Glück“ die Grundlagen für den Coup gegen die Grün-Weißen.

          Noch wird das Spielfeld im Stadion am Böllenfalltor nur von drei Tribünenseiten aus beschallt, die Haupttribüne befindet sich noch im Rohbau. Doch die 13.000 Zuschauer, die wieder zugelassen waren, machten ordentlich Lärm. Mitgerissen von einer „Lilien“-Elf, die von Beginn an Tempo machte, Zweikämpfe in Serie gewann und passagenweise auch spielerisch überzeugte.

          Ein Treffer wie ein donnernder Tusch 

          Lieberknecht hatte die Mittelfeldzentrale mit zwei offensiv denkenden Profis bestückt: Tobias Kempe und Fabian Schnellhardt (Stammkraft Jürgen Gjasula befindet sich nach seiner Länderspielreise in Corona-Quarantäne in Albanien). Die beiden halfen aber auch zupackend mit, dass Werder in der ersten Halbzeit nicht einen gefährlichen Torabschluss zustande brachte. Im Bremer Strafraum fehlte es den Darmstädtern zunächst an Durchschlagskraft.

          Ein aussichtsreicher Konter (23.) führte ebenso nicht zum Ziel wie Kopfbälle von Philip Tietz (28. und 36.) und der Versuch von Pfeiffer (31.). Doch als sich alles mit einem torlosen Remis zur Pause abgefunden zu haben schien, trat Fabian Holland auf der halblinken Seite auf den Plan. Das Spiel des Kapitäns war zuvor durchsetzt gewesen von ungewohnten Flüchtigkeitsfehlern. Doch in der Nachspielzeit fiel ihm eine zu kurze Abwehr des ehemaligen Darmstädters Lars Lukas Mai vor die Füße. Holland fasste Vertrauen in seinen linken Fuß und beförderte den Ball aus über 20 Metern auf die perfekte Flugbahn ins lange Eck: ein Treffer wie ein donnernder Tusch.

          Bremer Gastgeschenke

          Nach dem Wechsel jedoch veränderten sich die Kräfteverhältnisse, Der Erstligaabsteiger fand eine spielerische Linie und drängte die Südhessen mitunter tief in die eigene Hälfte. SVD-Torhüter Marcel Schuhen verhinderte im Flug spektakulär den Ausgleich (59.), nachdem seine Vorderleute im Strafraum erstmals die Kontrolle verloren hatten. Wenn man von einem Treffer zum richtigen Zeitpunkt sprechen kann, dann bei dem von Luca Pfeiffer in der 65. Minute.

          Auch das zweite „Lilien“-Tor kam als Gastgeschenk von einem früheren Darmstädter daher. Nicolai Rapp, wie Mai und Coach Anfang im Sommer nach Bremen abgewandert, leistete sich einen Blackout. Sein fataler wie letztlich spielentscheidender Rückpass landete am Fuß von Pfeiffer, der frei vor dem Tor einschoss.

          Die Leiden des Markus Anfang

          Doch das Leiden von SVW-Trainer Anfang an alter Wirkungsstätte hatte noch kein Ende. Kurz darauf segelte ein Kempe-Freistoß weit in den Bremer Fünfmeterraum – und erreichte Pfeiffer, der technisch wertvoll seinen zweiten Treffer (71.) erzielte. Mit nunmehr sieben Saisontreffern ist er seinem Sturmpartner Tietz (acht) im internen Schützenranking auf den Fersen. Dass Schlussmann Schuhen noch gegen SVW-Stürmer Marvin Ducksch prächtig parierte, sorgt dafür, dass die Darmstädter nach fünf Heimspielen bei imposanten zwölf Punkten und (14:3 Toren) stehen.

          Das Böllenfalltor geriet in prächtige Feierlaune. Als die Mannschaft auf die Ehrenrunde ging, schallten wieder „Lieberknecht“-Sprechchöre durch das Rund. Es bedurfte aber noch ein paar Schubsern vom Sportdirektor Carsten Wehlmann, ehe der sich zierende SVD-Cheftrainer dann ebenfalls die Parade vor den applaudierenden Fans annahm. Lieberknecht ist dreieinhalb Monate auf seinem Posten und schritt solo zur Ehrenrunde, Vorgänger Anfang hatte in seiner einjährigen Darmstädter Zeit kein einziges Heimspiel mit Publikum erleben dürfen.

          Nun bekam er die volle Breitseite an Pfiffen und Sprechchören gegen sich zu hören. Anfang sagte, dass er Verständnis habe, wenn „Emotionen kanalisiert werden müssen“ und er seine Zeit in Darmstadt dennoch „in guter, positiver Erinnerung behalten werde“. Lieberknecht empfand den Moment als „schwierig“, als die Fans seinen Namen skandierten. „Der Respekt vor Markus‘ Arbeit ist sehr ausgeprägt. Er hat hier eine extrem gute Trainerleistung erbracht“, sagte Lieberknecht. Doch weil er ja „nahbar“ sei, wie er sagte, ist er schließlich losmarschiert – zu den Rängen am Böllenfalltor, von wo den „Lilien“ derzeit viel Zuspruch und Wohlwollen entgegenschlägt.

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