https://www.faz.net/-gtm-10bzl

2:5 gegen Bremen : Bayern wie eine Wiesn-Mannschaft

  • -Aktualisiert am

Ob nach dem Spiel zwei Maß reichen? Bild: REUTERS

So haben sich die Münchner die Lederhosen noch selten selbst ausgezogen. Mit einem unfassbaren 2:5 - nach 0:5-Rückstand - wurden die Buddhas aus Bayern zu Hause von Werder Bremen vorgeführt - und das auch noch zum Auftakt des Oktoberfestes.

          3 Min.

          Der FC Bayern München begann die Oktoberfestzeit nicht, wie es fast schon Tradition ist, mit einer kleinen Fußballparty, sondern erlebte ein in der Bundesliga eher seltenes Desaster. 2:5 verlor der Meister das Duell mit Werder Bremen. Die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf, die ohne die lädierten Kräfte Torsten Frings, Clemens Fritz, Daniel Jensen und Hugo Almeida beim Rekordmeister hatte antreten müssen, konterte die Bayern vor 69.000 Zuschauern in der Münchner Arena klassisch aus.

          Bayern München erlitt damit am fünften Spieltag einen herben Dämpfer und präsentierte sich in keiner Phase wie der erste Anwärter auf den deutschen Meistertitel. Für die Bremer trafen vor der Pause Rosenberg (30. Minute) und Naldo (45.), in der zweiten Halbzeit machten Özil (54.), Pizarro (59.) und wieder Rosenberg (67.) die höchste Bayern-Niederlage in der WM-Arena perfekt. Die beiden Bayern-Treffer erzielte der eingewechselte ehemalige Bremer Tim Borowski (71. und 85.). „Es schmerzt natürlich, das ist ganz klar. Aber wir müssen anerkennen, dass wir heute die schlechtere Mannschaft waren“, sagte der Münchner Trainer Jürgen Klinsmann.

          Von selbstbewussten Münchnern war nicht viel zu sehen

          Die Bremer waren nicht mit der besten Referenz nach München gereist. Das fade 0:0 in der Champions League gegen Famagusta unter der Woche war eher ein Rückschritt gewesen für die zu Saisonbeginn etwas kriselnde Mannschaft. Die Bayern hingegen traten mit breiter Brust nach der erfolgreichen Rückkehr in die europäische Königsklasse an. Die Zeit schien reif für den ersten Heimspielsieg gegen Bremen seit drei Jahren und für den Angriff auf die Tabellenspitze in der Bundesliga.

          Klinsmann heute: So was hat man lange nicht geseh'n
          Klinsmann heute: So was hat man lange nicht geseh'n : Bild: REUTERS

          Aber von selbstbewussten Münchnern war nicht viel zu sehen an diesem Nachmittag. Die Bayern, die in den vergangenen beiden Heimspielen gegen den Bremen nicht über ein Unentschieden hinaus gekommen waren, dominierten zwar die Partie, erlaubten sich aber reichlich Ungenauigkeiten im Passspiel. Der Drang nach vorne fehlte, viel zu pomadig traten die Münchner an, bei denen Lukas Podolski den verletzten Miroslav Klose ersetzte und damit zum zweiten Mal in dieser Bundesligasaison in der Anfangsformation stand. Die Bremer verlegten sich zunächst darauf, früh zu stören und die Defensive zu stärken.

          „Das tut weh, da müssen wir nicht drumherum reden“

          Nach einer knappen halben Stunde wurde das Spiel endlich munterer. Luca Toni war am Strafraum zu Boden gegangen, und im Gegensatz zum Münchner Publikum sah Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer kein Foul vom Bremer Mesut Özil am Italiener. Die Zuschauer in der Arena pfiffen fortan, wenn Werder in Ballbesitz war, aber das schien die Bremer nur anzustacheln. Einen langen Pass von Özil in der 30. Minute nahm Markus Rosenberg an, setzte sich im Laufduell gegen den Münchner Abwehrchef Martin Demichelis durch und schoss den Ball an Rensing vorbei zur 1:0-Führung der Bremer ins Tor.

          Die Bayern bemühten sich zwar, die Scharte auszuwetzen, aber die wenigen Chancen wurden auch noch vergeben. So waren es noch vor der Pause die Bremer, denen auch das zweite Tor des Spiels gelangen: In der 45. Minute kann Rensing einen Freistoß von Özil nicht festhalten, klatscht den Ball nach vorne ab, da steht Naldo und trifft zum 2:0. „Das tut weh, da müssen wir nicht drumherum reden“, sagte Klinsmann.

          „Das gibt einem Selbstvertrauen“, sagte Schaaf

          In der Pause reagierte der Bayern-Trainer und löste die Dreierkette auf. Er brachte Tim Borowski für van Buyten, und außerdem durfte Massimo Oddo auf der rechten Seite sein Heimspieldebüt für die Bayern geben. Aber die Umstellungen von Klinsmann, der bei Einwechslungen bisher ein sehr glückliches Händchen gehabt hatte, brachten dieses Mal nicht die erhoffte Verbesserung des Bayern-Spiels. Im Gegenteil: Der Meister agierte in Zweikämpfen wie bei einem munteren Trainingsspielchen, ließ jegliche Aggressivität vermissen und auch die Leidenschaft, den Rückstand aufzuholen.

          Werder sorgte in der 54. Minute mit dem 0:3 für die Vorentscheidung. Özil ließ nach Vorarbeit von Diego auf der linken Seite Lucio und Oddo stehen und wuchtete den Ball aus 15 Metern in die kurze Ecke. Der Gegner war schockiert, und die Bremer nutzen diese bayerische Lethargie für weitere Tore: In der 59. Minute erzielte Claudio Pizarro gegen seine früheren Kollegen das 4:0 und Rosenberg acht Minuten später das 5:0. „Natürlich ist es gut, wenn man sic gegen so eine starke Mannschaft durchsetzt. Das gibt einem Selbstvertrauen“, sagte Schaaf.

          „Das sind Erlebnisse, die muss man mitnehmen“, sagte Klinsmann

          Die Revanche für die 0:4-Niederlage zu Beginn der vergangenen Saison, als der FC Bayern die Bremer im Weserstadion vorgeführt hatte, war vollbracht. Dass Borowski mit dem 1:5 und dem 2:5 noch eine leichte Ergebniskorrektur schaffte, änderte daran nichts mehr. Die kleine Gruppe Werderfans feierte ihre Mannschaft noch lange nach dem Schlusspfiff - und vermutlich später auf dem Oktoberfest weiter. Und Klinsmann sagte: „Das sind Erlebnisse, die muss man mitnehmen. Aber wenn man am Boden liegt, dann muss man aufstehen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Wahlplakat der Grünen

          #Allesistdrin : Die schöne Welt mit Lastenrad

          Ein Wahlplakat der Grünen zeigt eine vierköpfige Familie, die mit einem Lastenfahrrad durchs Grüne fährt. Und es zeigt ein Problem, das die Partei in ihrer Ansprache hat.
          Am 17. Februar im libyschen Benghazi: Frauen halten Landesfahnen hoch, um den 10. Jahrestag des Arabischen Frühlings in Libyen zu feiern, der zum Sturz des damaligen Gewaltherrschers Gaddafi führte.

          Hilfe für Libyen : Zwischen Wahl und Warlords

          Bisher hält der Waffenstillstand in Libyen. Nun soll eine weitere Konferenz in Berlin die Stabilisierung des Landes voranbringen. Doch nicht jeder Akteur hat daran ein Interesse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.