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2:4 gegen Schalke : Dortmunder Debakel im Derby

  • -Aktualisiert am

Der Anfang vom Ende: Rot für Reus Bild: AFP

Schalker Coup beim Erzrivalen: Borussia Dortmund kassiert im Derby zwei Platzverweise binnen fünf Minuten für Reus und Wolf und verspielt mit der 2:4-Heimniederlage wohl seine Titelchancen.

          Wenn irgendwann Ende Mai noch einmal auf die Schlüsselmomente dieser Bundesligasaison zurück geblickt wird, dann gebührt jenen denkwürdigen Szenen zwischen der 60. und der 65. Minute im Revierderby ein besonders prominenter Platz. Es waren die Minuten, in denen der BVB wohl seine Titelchancen verspielte, weil Kapitän Marco Reus und Marius Wolf jeweils Rote Karten sahen und Daniel Caligiuri zum 3:1 für die Fußballprofis aus Gelsenkirchen traf, während der FC Schalke mit diesem packenden Sieg beim Erzrivalen einen großen Schritt in Richtung Klassenverbleib geschafft hat. Am Ende gewann der Abstiegskandidat 4:2 beim Meisterschaftsaspiranten, dessen Chancen auf den Titel nun schwinden. „Ja, klar“, antwortete der Trainer Lucien Favre im TV-Sender Sky auf eine entsprechende Frage.

          Bundesliga
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          Dabei hatte eigentlich alles begonnen wie erwartet. 13 Minuten waren gespielt, als die Partie den vom bisherigen Saisonverlauf vorgezeichneten Weg einzuschlagen schien. Jadon Sancho spielte einen prachtvollen Lupfer in die Tiefe vor das Tor, wo der einlaufende Mario Götze in der Nähe des Elfmeterpunktes das 1:0 köpfte – ein wunderschönes Tor. Beim Jubel wurde Sancho dann auch noch von einem aus dem königsblauen Fanblock geworfenen Feuerzeug am Kopf getroffen, die Krisenschalker aus dem Tabellenkeller waren auf dem besten Weg, sich in die Rolle des ungeliebten Außenseiters aus der Verliererstadt einzufinden. Während die jungen Künstler in schwarzgelb in der Blitztabelle am FC Bayern vorbei zogen. Doch schon kurz nach der Führung war mal wieder der problematische Umgang mit der Handspielregel Gegenstand der Debatten.

          Intervention des Videoassistenten

          Caligiuri hatte aus einem Meter Entfernung im Strafraum an den Arm von Julian Weigl geschossen, der deutlich vom Körper abgestreckt war. Nach Intervention des Videoassistenten Guido Winkmann entschied Felix Zwayer auf Elfmeter – eine Szene, die mal wieder Diskussionen über Eindeutigkeit einer Fehlentscheidung nach sich ziehen wird. Favre grollte: „Das ist so lächerlich. Die Leute, die diese Regel erfunden haben, können nicht mehr in den Spiegel sehen. Sie haben keine Ahnung vom Fußball. Das ist der größte Skandal. Das ist eine große Schande für den Fußball", sagte Favre und fragte, ob die Spieler sich „die Hände abschneiden“ sollten. Auch Huub Stevens äußerte sich kritisch: „Ich sehe oft die Verteidiger mit den Händen auf dem Rücken. Das ist doch kein Verteidigen. Da muss eine klare Linie kommen“, sagte der Schalker Coach. Caligiuri verwandelte den Strafstoß und versetzte den BVB in einen Schockzustand.

          Das Dortmunder Team ist ja immer noch eher unerfahren mit den emotionalen Extremen, in die eine Mannschaft im Verlauf solch eines Derbys hinein geraten kann. Das war nun immer deutlicher zu sehen, das Team wirkte äußerst mitgenommen nach diesem Rückschlag. Am deutlichsten wurde das Gefühl der Lähmung nach einer Ecke, als Weigl, Axel Witsel und Thomas Delaney viel zu zaghaft gegen Salif Sané verteidigten, der den Treffer zum 1:2 mit dem Kopf erzielte (28.).

          Spätestens jetzt war die Erinnerung an das Jahr 2007 wach, als der FC Schalke kurz vor dem Gewinn der Meisterschaft stand, während der BVB eine Saison voller Schwermut und mit diversen Trainerwechseln zu verkraften hatte. Damals gewannen die Dortmunder 2:0, der VfB Stuttgart wurde Meister. Nun lag der Gedanke an eine Revanche für diese Demütigung nahe, und entsprechend hingebungsvoll kämpfte der Abstiegskandidat aus Gelsenkirchen gegen ein Team, das vorige Woche noch eine brillante zweite Halbzeit in Freiburg gespielt hatte.

          War es das mit den Meisterschaftschancen: „Ja, klar“, meint BVB-Trainer Favre Bilderstrecke

          BVB-Trainer Lucien Favre hatte erstmals in dieser Saison die gleiche Startelf wie im Spiel zuvor nominiert, aber die Mannschaft traf diesmal auf äußerst zähe Widerstände. „Ich habe den Jungs vermittelt, dass sie Spaß haben müssen und dass sie Mut zeigen sollen“, hatte Huub Stevens, der alte Derbyfuchs von der Schalker Trainerbank vor der Partie erklärt, was zunächst reichlich verwegen geklungen hatte angesichts der schwachen Auftritte zuletzt.

          Nun hatten sie immer mehr Spaß an der eigenen Stabilität und dann folgten die Minuten des Dortmunder Untergangs. Zunächst flog BVB-Kapitän Marco Reus nach einem ziemlich üblen Tritt an das Fußgelenk von Suat Serdar mit einer roten Karte vom Platz (60.), den anschließenden Freistoß verwandeldte Caligiuri zum 1:3 (62.). Und kurz darauf sah auch noch Marius Wolf nach einem bösartigen Frustfoul an Serdar Rot (65.). Zwar flammte die Dortmunder Hoffnung für einen kurzen Moment noch einmal auf, als Witsel trotz Zwei-Mann-Unterzahl auf 2:3 verkürzte (84.), doch praktisch im Gegenzug entschied Breel Embolo die Partie mit seinem 4:2 endgültig (86.).

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