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2:4 gegen Köln : Die Eintracht rutscht immer tiefer in die Krise

Im Netz: Eintracht-Torhüter Felix Wiedwald sieht das Unheil aus nächster Nähe. Bild: Jan Huebner

Nicht einmal eine 2:0-Führung reicht der Eintracht zum Sieg: Gegen den 1. FC Köln kippt die Partie sogar noch komplett zu Gunsten der Gäste. Köln befreit sich aus den Abstiegsrängen. Für die Frankfurter wird die Lage bedrohlicher.

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          Schon wieder kein Erfolgserlebnis. Für die Fußballprofis der Frankfurter Eintracht gab es im Kerngeschäft Bundesliga den nächsten bitteren Tiefschlag. Am Donnerstagabend musste sich die Mannschaft von Trainer Adi Hütter dem Aufsteiger 1. FC Köln 2:4 geschlagen geben. Die Eintracht war zwar durch die Tore von Martin Hinteregger (6.) und Goncalo Paciencia (30.) 2:0 in Führung gegangen. Doch Jonas Hector (44.), Sebastian Bornauw (72.), Dominick Drexler (82.) und Ismail Jakobs (90.+4) mit ihren Treffern drehten die Partie zum verdienten Erfolg des „Effzeh“. Für die Eintracht, mit weiterhin 18 Punkten noch auf Platz zwölf liegend, verschärft sich nach dieser neuerlichen Niederlage die Lage in der Liga. Nach Spielschluss, als sich die Eintracht-Profis bei ihren Fans bedanken wollten, wurden sie lautstark ausgepfiffen.

          „Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um mich vor die Mannschaft zu stellen“, sagte Eintracht.Trainer Adi Hütter. “Man sieht, dass viele Spieler falsche Entscheidungen treffen, weil eine unglaubliche Müdigkeit da ist. Der Knackpunkt war dieser abgefälschte Schuss vor der Pause. Hinten raus hat Köln dann verdient gewonnen. In Summe gesehen, ist das natürlich enttäuschend.“

          Bundesliga

          Für das schon 30. Pflichtspiel dieser Saison hatte sich Jubilar Hütter einiges vorgenommen. Der österreichische Fußballlehrer, der gegen den 1. FC Köln seinen 50. Einsatz als Bundesligatrainer erlebte, mischte seine Mannschaft wieder einmal ordentlich durch. Im Gegensatz zur 0:1-Niederlage beim FC Schalke 04 fanden sich gegen den 1. FC Köln mit Felix Wiedwald, Dominik Kohr, Makoto Hasebe, Daichi Kamada und Paciencia gleich fünf neue Spieler in der Startelf wieder. Frische Kräfte, neue Power: Das Spiel startete flott, und es war die Eintracht, die im letzten Heimspiel des Jahres sofort das Kommando übernahm und ihr Glück in der Offensive suchte.

          Engagiert, kämpferisch, leidenschaftlich

          Schon nach zwei Minuten hätte die Hütter-Elf durch Hinteregger in Führung gehen können. Nach einer Ecke des wieder glänzend aufgelegten Filip Kostic hatte der aufgerückte Verteidiger mit einem Kopfball Pech. Besser machte es der torgefährlichste Defensivspieler der Bundesliga mit dem Fuß. Wieder von Kostic nach einer Ecke bestens bedient, stoppte Hinteregger den Ball mit dem Oberschenkel, nahm den Ball volley aus der Luft – und schoss unhaltbar für FC-Keeper Timo Horn zum umjubelten und verdienten 1:0 ein (6.).

          Engagiert, kämpferisch, leidenschaftlich – es sah gut aus, wie sich die Frankfurter Fußballprofis sechs Tage vor dem Heiligen Abend ihrem Anhang in diesem Spielabschnitt präsentierten. Und nach einer kleinen Phase, in der nicht viel passierte, schlugen die Hessen ein zweites Mal zu. Wieder war eine Standardsituation Ausgangspunkt, wieder war Kostic so frei, eine Ecke mit Präzision in den Strafraum zu schlagen. Diesmal war es Paciencia, der mit dem Kopf kurzen Prozess machte und zum 2:0 vollendete (30.). Eine schöne Geste. Weniger schön, dass Hütter notgedrungen in der 33. Minute zum ersten Mal wechseln musste. Sebastian Rode ging angeschlagen vom Platz, Djibril Sow rückte für den Frankfurter Dauerrenner ins Mittelfeld. In der 38. Minute versuchte es der quirlige Kostic zur Abwechslung mit rechts. Den Abpraller verzog Kamada.

          Die Kölner können ihr Glück kaum fassen: Sebastiaan Bornauw (rechts) nach seinem Tor zum 2:2.

          Das 2:0 war zu diesem Zeitpunkt hochverdient – und höchst überraschend war, dass der Tabellenvorletzte ein Tor erzielte. Verantwortlich dafür zeichnete in erster Linie Kapitän Hector, der aus 30 Metern Maß nahm und Glück hatte, dass der Frankfurter Verteidiger Almamy Touré mit dem Kopf der Flugbahn des Balles den entscheidenden Dreh ins Tor ermöglichte. Ersatztorhüter Wiedwald war chancenlos, der FC schöpfte nach diesem glücklich zustande gekommenen Anschlusstreffer zum 2:1 in der 44. Minute wieder Hoffnung.

          Köln immer besser

          Und tatsächlich: Nach der Pause wurden die Kölner von Minute zu Minute deutlich besser. Zwischenzeitlich bot sich der Eintracht zwar noch die Gelegenheit, einen Konter besser abzuschließen, doch Bas Dost fehlte es bei seinem Vorstoß an der finalen Geschwindigkeit und Kaltschnäuzigkeit (69.). Drei Minuten später war es dann soweit: Der „Effzeh“ erzielte den Ausgleich. Bornauw war gegen eine immer schlechter werdende Eintracht mit einer Flankenverlängerung erfolgreich.

          Ansehnliche Angriffe der Eintracht? Fehlanzeige. Es gab sie nicht. Es war im Gegenteil der weiter munter drauf losstürmende Aufsteiger aus Köln, der sein Glück suchte. Der Lohn: Das 3:2 in der 82. Minute durch den freistehenden Dominick Drexler, der den Ball aus zwei Metern einschob, sowie auch noch das 4:2 für den 1. FC Köln, für den Jakobs traf (90.+4) und dadurch die Frankfurter Krise verschärfte. Die Eintracht steht jetzt nur noch aufgrund der besseren Tordifferenz vor den punktgleich vorgerückten Berlinern und Mainzern auf Rang zwölf.

          „Wenn man die zweite Halbzeit gesehen hat, war es verdient. Köln hat sich nie aufgegeben, da muss man dem Gegner auch mal gratulieren“, sagte Frankfurts Dominik Kohr beim TV-Sender Sky. Kölns Torschütze Jakobs äußerte: „Ich bin sehr glücklich, das Tor gemacht zu haben. Alles geil grade. Wir haben alle gekämpft und daran geglaubt.“

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