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2:3 gegen Mainz : Der Kampf des HSV geht weiter

  • -Aktualisiert am

Durchhalteparolen beim Hamburger SV: zwei Spiele Nachschlag haben sie erhalten Bild: AFP

Während der Hamburger SV in der Relegation weiter um den Klassenerhalt kämpfen darf, kann Mainz für Europa planen. Nur das Rätselraten um Trainer Tuchel stört die Stimmung.

          3 Min.

          „Nicht im Ansatz“ dürfe der Hamburger SV das Gefühl haben, die Rettung schon so gut wie sicher zu haben, sagte Oliver Kreuzer – und sah nach dem 2:3 am Samstag beim FSV Mainz 05 doch einigermaßen erleichtert aus. Und auf den ersten Blick so, als seien die Hamburger der Rettung tatsächlich sehr nahe gekommen. Der Sportchef und jeder andere Beteiligte bei den Hamburgern musste nach der Niederlage, der fünften in Serie und gar der achten nacheinander in Auswärtsspielen, den Spagat schaffen zwischen vorläufiger Zufriedenheit und anhaltender Vorsicht. Braunschweig und Nürnberg hatten mitgespielt, weshalb der HSV Platz sechzehn sicher hat – und damit die beiden Spiele in der Relegation gegen den Dritten der zweiten Liga. „Wir haben unsere beiden Endspiele, das war unser Ziel“, sagte Trainer Mirko Slomka. Auch er zufrieden – einerseits. Aber unverändert in Alarmbereitschaft, weil mehr noch nicht erreicht ist als ein Aufschub.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kurios auf Seiten des Mainzer Gegners: Dort will Trainer Tuchel seinen bis 2015 laufenden Vertrag sofort auflösen. Wie der Mainzer Manager Christian Heidel mitteilte, will der Verein diesem Wunsch nicht entsprechen. An diesem Sonntag sollen zu dieser überraschenden Wendung weitere Einzelheiten öffentlich gemacht werden.

          Für den HSV sah es früh so aus, als würde er wieder jenes Häufchen Elend sein, das er zuletzt immer wieder gewesen war, denn schon nach acht Minuten lag er zurück – vor allem, weil Heiko Westermann, ein Hamburger Gesicht der Verzweiflung und der gelähmten Beine, patzte. Der Innenverteidiger wollte eine Flanke zu Keeper René Adler prallen lassen, doch der Mainzer Elkin Soto schnappte sich den verunglückten Ball und schoss ihn aus kurzer Entfernung am armen Adler vorbei ins Tor. Es ging also schon wieder gut los für den HSV.

          Die Mainzer Offensive lässt Heiko Westermann und den HSV im Regen stehen

          Wie hilfsbedürftig der Dauerverlierer der letzten Zeit war, wie wenige Strohhalme ihm in diesem verflixten Jahr noch geblieben waren, zeigte allein schon die leidliche Genesung von Mittelstürmer Lasogga, der sechs Wochen wegen Verletzung gefehlt hatte und, kaum wiederhergestellt, schon zur großen Hamburger Hoffnung erkoren wurde. Der bullige Angreifer brachte aber tatsächlich jenen Schwung ins Spiel , der so oft gefehlt hatte. Lasogga schuftete, stiftete Unruhe und sorgte per Kopf in der 12. Minute für den Ausgleich, als er gegen die für die Europa League qualifizierten Mainzer einen abgewehrten Fernschuss verwertete. Die Ankündigung Slomkas, Hamburg werde auf Sieg spielen und sich nicht darum scheren, was die Konkurrenten zustande bringen, war jetzt mit Händen zu greifen.

          Aber was war dem taumelnden Traditionsverein auch geblieben nach all den Niederschlägen, als auf Angriff zu setzen und auf Lasogga zu hoffen? Die vermeintlichen Führungsspieler Adler und Westermann waren ja selber erschüttert worden vom freien Fall, diese desaströse Spielzeit hatte die beiden Nationalspieler zwei Tage vor der Partie in Mainz bei der Berufung des Bundestrainers auch die Teilnahme an der WM im Sommer gekostet. Dafür schlug der starke van der Vaart Flanke um Flanke in den Mainzer Strafraum, mal als Eckball, mal als Flanke, mal aus dem Spiel heraus. Eine davon kratzte der Mainzer Torschütze Soto in der 24. Minute von der Linie. Es war meistens wuchtig und sehr durchdacht, was der HSV anstellte – er wollte sein Schicksal augenscheinlich selbst in die Hand nehmen.

          Zwischenzeitliches Aufbäumen: Pierre-Michel Lasogga trifft per Abstauber zum 1:1

          Die Mainzer wehrten sich erst in der zweiten Halbzeit vehementer gegen diesen Verlauf, bedrängten den HSV jetzt stärker und kamen durch einen Fernschuss von Yunus Malli in der 65. Minute zum 2:1. Der HSV blieb aber, beruhigt durch die anderen Ergebnisse, gelassen, ließ noch das 3:1 durch Shinji Okazaki zu (82.) und kam zwei Minuten später durch Ivo Ilicevic zu seinem zweiten Treffer. Es spielte ja am Ende doch keine Rolle, was hier noch passierte. Die Einwechselspieler hätten die beruhigenden Ergebnisse aus Hoffenheim und Schalke aufs Spielfeld getragen, sagte Slomka, aber der Leistungsabfall danach habe ihm gar nicht gefallen.

          Historisch einmalige fünfzig Jahre und 259 Tage standen am Samstag auf der berühmten Anzeigetafel im Hamburger Stadion, auf diesem Symbol des Beharrungsvermögens, aber auch der verführerischen Selbstgewissheit. Länger war keine Mannschaft in der ersten Liga – seit Samstag steht fest, dass der HSV in der Relegation am 15. Und 18. Mai noch eine Chance bekommt, seine Verweildauer unter den besten deutschen Mannschaften weiter zu verlängern, dann warten entweder Fürth, Paderborn oder Kaiserslautern als Gegner. Das entscheidet sich an diesem Sonntag.

          Den Kampf um die Lizenz wird Hamburg parallel führen müssen, denn die Deutsche Fußball Liga hat zusätzliche zehn Millionen Euro an Sicherheiten gefordert. Es geistert schon das Szenario durch Hamburg, allein der Verkauf des auch von den Bayern umworbenen Talents Hakan Calhanoglu könnte diese Summe sichern – eine Variante, die Sportchef Kreuzer munter befeuerte, indem er den begabten Türken geradezu ins Schaufenster stellte. Erste Aufgabe aber bleibt die Rettung. Teil eins des Unternehmens ist gelungen. Demnächst hat noch ein anderer Klub ein Wörtchen mitzureden – einer aus der zweiten Liga. Lasogga und van der Vaart wurden gegen Mainz sogar noch vorzeitig ausgewechselt, um sie für diese beiden, jetzt alles entscheidenden Partien noch etwas zu schonen. „Jetzt kommt es nur noch auf uns an“, sagte Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow zur Aussicht in den beiden Relegationsspielen. Mehr konnte der HSV an diesem Tag nicht erreichen.

          FSV Mainz 05 - Hamburger SV 3:2

          FSV Mainz 05: Karius - Pospech, Bell, Noveski, Júnior Díaz - Geis, Soto (84. Baumgartlinger) - Moritz, Koo (83. Nicolai Müller), Malli (90.+1 Bungert) - Okazaki
          Hamburger SV: Adler - Diekmeier, Westermann, Mancienne, Jiracek - Tesche (74. Arslan), Badelj - Rincón, van der Vaart (83. Jansen), Calhanoglu - Lasogga (67. Ilicevic)
          Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)
          Zuschauer: 34.000 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Soto (7.), 1:1 Lasogga (12.), 2:1 Malli (65.), 3:1 Okazaki (82.), 3:2 Ilicevic (84.)
          Gelbe Karten: - / -

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