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2:2 in Hamburg : Schalke 04 nutzt die Steilvorlage auch nicht

  • -Aktualisiert am

Innenansichten aus Hamburg: Manuel Neuer muss hinter sich greifen Bild: REUTERS

Auch der dritte Klub des Spitzentrios gewann nicht: Schalke kam beim 2:2 in Hamburg nach den Niederlagen von Bayern und Bayer nur zu einem Punkt. Van Nistelrooy und Pitroipa trafen für den HSV, Kuranyi und Rakitic für die Gäste.

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          Der Ansturm des FC Schalke 04 auf die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga war am Ende doch nicht von Erfolg gekrönt. 2:2 trennten sich am Sonntagnachmittag in einem nach der Halbzeit grandiosen Spitzenspiel der Hamburger SV und die Westfalen, die als Tabellenzweite bis auf einen Punkt an den FC Bayern München herangerückt sind. Für den Ligafünften schossen van Nistelrooy (40. Minute) und Pitroipa (77.) die Tore; für Schalke trafen Kuranyi mit seinem fünfzehnten Saisontor (62.) und Rakitic per Foulelfmeter (68.).

          „Meine Mannschaft hat eine Riesenmoral bewiesen“, lobte der Hamburger Trainer Bruno Labbadia sein Team, „und mit ein bisschen mehr Glück hätten wir auch das 3:2 machen können.“ Enttäuscht zeigte sich der HSV-Coach über den Strafstoß für die Schalker, der sehr umstritten war. Der nach Ansicht von Schiedsrichter Stark von van Nistelrooy gefoulte Schalker Baumjohann sagte: „Für mich war es ein klarer Elfmeter.“ Wirklich unzufrieden war er dennoch nicht. „Es war ein tolles Spiel für alle Beteiligten“, sagte Baumjohann. Sein Teamkollege Kuranyi zeigte sich „ein bisschen traurig, denn heute war die Möglichkeit da, zu gewinnen“.

          Ohne Druck gingen die Gelsenkirchener ins Spitzenspiel - so sah es zumindest der Trainer. „Bis zum Saisonende kann noch so viel passieren“, hatte Felix Magath gesagt, „ich bin aber guter Dinge, dass wir in Hamburg punkten können.“ Aus der bekannt und gewohnt guten Abwehr heraus wollte Schalke kommen. „Wir müssen das Spiel nicht machen“, meinte Magath, „der HSV steht ja unter Druck und muss unbedingt gewinnen.“

          Abgehoben: Ruud van Nistelrooy macht nach seinem Treffer blau

          Schalke arbeitet sich Stück für Stück nach vorne

          Den Hamburgern war zunächst nicht anzumerken, dass die Mannschaft mit Rückenwind aus der Anderlecht-Partie am Donnerstag ausgestattet war. Sehr zurückhaltend begannen die Hamburger drei Tage nach dem 3:4 in der Europa League bei den Belgiern, gewarnt auch davor, dass ein Gegentreffer der Schalker nur sehr schwer aufzuholen ist, stellt Magaths Mannschaft doch die beste Defensive der Bundesliga.

          Nachdem Werder Bremen und Borussia Dortmund am Samstag vorgelegt hatten, wollte der HSV im Kampf um Platz fünf unbedingt gewinnen, allerdings auch geduldig sein und im Tempo nicht überziehen - beim 2:4 in Leverkusen am vergangenen Sonntag war das Kraftproblem der Hamburger nach dem Anderlecht-Hinspiel für jedermann offensichtlich gewesen. Ab der 20. Minute arbeitete sich Schalke Stück für Stück näher an das Hamburger Tor heran. Fast alle Zweikämpfe im Mittelfeld gewannen die Schalker, sie wirkten wacher und energischer als ihre Hamburger Gegenspieler.

          Nur vor dem Tor fehlte Schalke die zündende Idee oder Durchsetzungskraft; Kuranyi und Farfan waren bei Rozehnal und Mathijsen zunächst in guten Händen. Der HSV sah sich in die eigene Hälfte gedrängt, Schalke wurde stärker und hatte in der 20. Minute eine erste richtig gute Möglichkeit: Kuranyi nahm Rozehnal den Ball ab und passte auf Farfan, der Peruaner gab zurück auf Kuranyi, der aber an Rost hängen blieb (27. Minute). Schalke war jetzt eindeutig überlegen und schien dem ersten Tor des Nachmittags sehr nahe.

          Die erste gute Szene van Nistelrooys führt zum 1:0

          Der HSV wirkte müde, er reagierte nur noch. Allenfalls lange Bälle auf Ruud van Nistelrooy fielen den Hamburgern ein, nach dem Motto: Ruud wird es schon richten. Für Schalke schob Rakitic das Spiel an und hatte selbst die Führung auf dem Fuß - Rozehnal rutschte in den Ball, nachdem der starke Westermann ihn im Grunde perfekt angespielt hatte (32.). Wie es aber manchmal so ist im Fußball, nicht Schalke beendete die Phase druckvollen Fußballs mit einem Tor, sondern der HSV kam zum völlig überraschenden Führungstreffer.

          In der 40. Minute drosch Piotr Trochowski den Ball aufs Schalker Tor, Neuer faustete das Spielgerät in größer Not direkt van Nistelrooy vor die Füße - solche Chancen lässt sich der Niederländer nicht entgehen: 1:1. Es war die erste gute Szene van Nistelrooys. Für Schalke war es unglücklich, mit einem Rückstand in die Kabine zu gehen. Direkt nach der Pause wäre Trochowski beinahe das 2:0 gelungen; Neuer wehrte seinen Schuss aber ab. Auch die nächste Möglichkeit gehörte dem HSV. Einen Konter schloss van Nistelrooy mit einem Schuss neben das Tor ab.

          Pitroipa macht Schalke einen Strich durch die Rechnung

          Die Hamburger Möglichkeiten waren das eine, die anhaltende Schalker Dominanz das andere - je länger das Spiel dauerte, desto besser wurden die Gelsenkirchener. Hamburg merkte man nun doch die Müdigkeit an. Der Treffer zum Ausgleich in der 62. Minute fiel dann aber nach einem Fehler des Hamburgers Rozehnal - die Flanke Baumjohanns verlängerte er unglücklich direkt auf den Kopf Kuranyis, der am langen Pfosten stehend schneller reagierte als Rost und Mathijsen und zum 1:1 einköpfte.

          Schalke machte vom Ausgleich beflügelt weiter und hatte in der nächsten Szene ein bisschen Glück, dass Schiedsrichter Wolfgang Stark das Einfädeln Baumjohanns bei van Nistelrooy im Strafraum als Foul wertete und auf den Elfmeterpunkt zeigte. Schon den ersten Versuch verwandelte Rakitic, doch einige Spieler waren zu früh in den Strafraum gelaufen. Nervenstark setzte der Kroate auch den zweiten Versuch ins Hamburger Tor. „Spitzenreiter, Spitzenreiter“, riefen die mitgereisten 5000 Schalker Fans nach diesem 2:1 in der 68. Minute. Doch Pitroipa machte den Schalkern mit seinem Treffer zum 2:2 einen Strich durch die Rechnung.

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