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2:2 bei Eintracht Frankfurt : Spätes Eigentor verdirbt BVB den Abend

  • -Aktualisiert am

Betretene Mienen bei den Gästen: das 2:2 ergibt zwei Punkte zu wenig Bild: dpa

„Geht mir nicht auf die Eier mit der Mentalitätsfrage“: Der Ärger von Marco Reus nach dem Remis in Frankfurt macht deutlich, was Borussia Dortmund weiterhin in die Quere kommt.

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          Nach Spielende musste Marco Reus seinen Frust los werden. Auf die Frage eines Sky-Reporters, ob es Borussia Dortmund beim 2:2 gegen Eintracht Frankfurt an der nötigen Mentalität gefehlt habe, reagierte der Kapitän des BVB beleidigt. „Geht mir nicht auf die Eier mit der Mentalitätsfrage, das ist doch nicht euer Ernst mit dem Scheiß.“

          Die Frage aber war nicht unberechtigt, da die Borussen am Sonntagabend gleich zweimal mit einem Übermaß an Passivität ihren Vorsprung in Frankfurt verspielten. Das frühe 1:0 durch Witsel (11. Minute) konterten die Hessen mit Silvas 1:1 kurz vor der Pause (43.); das 2:1 durch Sancho (66.) egalisierte der Dortmunder Delaney mit einem Eigentor (88.). Die Mannschaft, die am Ende nach einer beinahe ängstlichen ersten halben Stunde mehr wollte, hatte sich das Remis gegen einen nur spielerisch besseren, aber in puncto Haltung verbesserungsbedürftigen Gegner verdient. Der Tabellenneunte ging aus einer Woche mit zwei Niederlagen (1:2 in Augsburg, 0:3 in der Europa League gegen den FC Arsenal) gestärkt heraus, während der Tabellendritte der Bundesliga nach dem 4:0 über Bayer Leverkusen und dem starken 0:0 in der Champions League gegen den FC Barcelona in Frankfurt wieder einmal die bekannten Schwächesymptome verriet.

          Bundesliga

          Die Frankfurter wollten vor allem Lehren aus ihrem allzu offenherzigen Auftritt bei der 0:3-Niederlage gegen den FC Arsenal zum Auftakt der Europa-League-Gruppenphase ziehen. Mit einer auf vier Positionen veränderten Elf sollte vor allem die defensive Stabilität der Hessen gestärkt werden. Der Meisterschaftsmitfavorit aus Dortmund trat mit derselben Elf an, die am Dienstagabend in der Champions League mehr als ein 0:0 gegen den FC Barcelona verdient gehabt hätte. Dabei beherrschte der BVB seinen erkennbar verunsicherten Gegner lange deutlich, ohne aber die letzte Vehemenz zu offenbaren. Zur 1:0-Führung durch Witsels Volleytreffer reichte es auch so nach der einzig gefährlichen Dortmunder Szene vor der Pause, als zunächst Sanchos Schuss von Trapp pariert wurde und der Belgier zum zweiten Versuch von seinem Landsmann Hazard in Szene gesetzt wurde.

          Doch anstatt nachzusetzen, verfielen die Schwarz-Gelben in eine Art Schlummerzustand. Das sollte sich kurz vor der Pause rächen, als Sow bei einem der wenigen zielstrebigen Angriffe der Frankfurter der perfekte Rückpass zu Silva glückte. Der Portugiese, zu spät attackiert von Akanji, nutzte seine Gelegenheit zum Ausgleich zu seinem ersten Pflichtspieltor für seinen neuen Arbeitgeber. „Das Tor musste früher oder später fallen“, sagte der in sich gekehrte Stürmer danach, „ich konzentriere mich auf meine Arbeit, damit ich der bestmögliche Spieler für die Mannschaft bin.“ Für Torhüter Bürki gab es bei dem Schuss, der vom rechten Innenpfosten ins Netz abprallte, nichts zu halten.

          Nach der Pause wurden beide Mannschaften im Vergleich zur ersten Hälfte aktiver. Nun war zumindest der Ehrgeiz der Westfalen spürbar, dieses Spiel mit mehr Tatkraft gewinnen zu wollen. Wenige Minuten, nachdem der leicht angeschlagene Hummels durch Zagadou ersetzt worden war, bot sich dem BVB eine verheißungsvolle Freistoßgelegenheit 17 Meter vor dem Frankfurter Tor. Guerreiros wuchtiger Schuss wurde von Torhüter Trapp zur Seite abgewehrt – und fiel Witsel vor die Füße. Der verschaffte Jadon Sancho den Freiraum, den er zum 2:1 für die Borussia brauchte.

          Am Ende jubelt die Eintracht dank Delaneys Eigentor.

          Die dann wieder nachlassenden Dortmunder brachten die Eintracht danach aufs Neue ins Spiel, nachdem Reus bei einer hundertprozentigen Schusschance mit seinem Schüsschen an Trapp gescheitert war (79.). Ein Signal für die Eintracht, noch intensiver auf das 2:2 zu drängen. Und tatsächlich brachten die Dortmunder ihren Vorsprung nicht über die Zeit, weil Delaney kurz vor Schluss nach Hintereggers Flanke und Kamadas Schuss ein Eigentor unterlief. „Ich muss das Tor verteidigen“, klagte sich der Däne selbst an, „wenn der Ball reingeht, ist das mein Tor.“

          Es war der gerechte Lohn für die harte Arbeit, die die spielerisch unterlegene Eintracht nach dem Wechsel geleistet hatte, als sie endlich merkte, wie verwundbar Borussia Dortmund an diesem Abend war.

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