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2:2 gegen Bielefeld : Nürnberg verschludert den Sieg

  • Aktualisiert am

Verpasste Chance auf einen Dreier: Jan Koller kann es nicht fassen Bild: AP

Unentschieden in Nürnberg: Das 2:2 zwischen „Club“ und Bielefeld hilft keinem der beiden Abstiegskandidaten weiter. Und doch können sich die Arminia-Spieler wie Sieger fühlen: sie sahen schließlich eine Halbzeit lang wie die klaren Verlierer aus.

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          Der 1. FC Nürnberg hat den Sprung ans rettende Ufer verpasst. Mit dem 2:2 (2:0) im Keller-Krimi am Samstag gegen Arminia Bielefeld erlitt die Mannschaft von Trainer Thomas von Heesen nach einer 2:0-Führung wieder einen Rückschlag im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga und vergab die große Chance, erstmals seit dem 16. Spieltag auf einen Nicht-Abstiegsplatz zurückzukehren.

          Dagegen machte von Heesens Ex-Club nach Toren von Artur Wichniarek (47.) und Markus Bollmann (52.) mit dem wichtigen Punktgewinn gegen einen direkten Konkurrenten einen weiteren Schritt auf dem Weg zum Klassenverbleib. Marek Mintal (29.) und Iwan Saenko (38.) hatten den „Club“ vor 46 300 Zuschauern in Führung gebracht.

          „Wie eine Niederlage“: Nürnberg hadert

          „Natürlich ist das wie eine Niederlage, der Punkt ist einfach zu wenig“, haderte „Club“-Abwehrspieler Andreas Wolf mit dem nach der Pause leichtfertig vergebenen zweiten Heimsieg binnen sechs Tagen. „Aber wir müssen jetzt weiter kämpfen, wir haben immer noch alle Möglichkeiten.“

          Bielefelds Trainer Michael Frontzeck zollte seinen Profis nach einer Standpauke in der Halbzeit Respekt: „Ich war da ein bisschen laut. Aber die Mannschaft hat richtig gute Moral bewiesen, in einer richtig schwierigen Situation so zurückzukommen.“ Arminia- Vorstand Roland Kentsch sah nach dem Auswärtspunkt sogar die Rettung in Sichtweite: „Wenn wir unsere beiden Heimspiele gewinnen, haben wir gute Chancen, die Klasse zu erhalten.“

          Arminia-Trainer Frontzeck wechselt den Ausgleich ein

          Die Nürnberger mussten lange zittern, um zumindest die erste Heimpleite nach acht Spielen ohne Niederlage vor eigenem Publikum zu vermeiden. In der Schlussphase der dramatischen Partie scheiterten die nur in der ersten Halbzeit überzeugenden Gastgeber mehrfach an Arminia-Torwart Rowen Fernandez. Mintal traf in der Nachspielzeit nur die Querlatte.

          Zur zweiten Halbzeit brachte Arminen-Trainer Michael Frontzeck mit Jonas Kamper und Sibusiso Zuma zwei frische Offensiv-Kräfte und wurde belohnt. Nach Zuspiel von Zuma gelang Wichniarek mit seinem neunten Saisontreffer der Anschluss. Mit der Einwechslung von Bollmann hatte Frontzeck erneut ein glückliches Händchen. Per Kopfball erzielte der lange Abwehrspieler nach Freistoß von Thorben Marx den Ausgleich der wie verwandelt auftretenden Westfalen.

          Bielefeld dreht in der zweiten Hälfte auf

          Nervosität und Fehlpässe prägten in der ersten Halbzeit lange Zeit das Duell der Rekord-Absteiger (je sechs Mal), in dem Nürnberg durch das fünfte Saisontor von „Tor-Phantom“ Mintal verdient in Führung ging. Nach tollem Zuspiel von Jan Koller erzielte der Slowake, der wie beim 1:0 am vorigen Sonntag gegen Wolfsburg den verletzten Zvjezdan Misimovic vertrat, aus kurzer Entfernung sein erstes Bundesliga-Tor seit mehr als einem halben Jahr.

          Nach einem missglückten Kopfballversuch von Koller (31.) legten die Franken entschlossen nach. Saenko feierte nach einem perfekten 30-Meter-Pass von Marco Engelhardt seinen ersten Saisontreffer. Nürnbergs Schlussmann Daniel Klewer, der erneut den verletzten Jaromir Blazek vertrat, blieb bis zum Halbzeitpfiff nahezu arbeitslos. Bielefeld strahlte bei seinen wenigen Vorstößen keinerlei Gefahr aus. Das änderte sich grundlegend in der zweiten Halbzeit, in der die Gäste das verloren geglaubte Spiel noch aus dem Feuer rissen.

          Beide Teams „fantastisch“ - die einen in der ersten, die anderen in der zweiten Hälfte

          „Wir sind keinen Meter weiter“, stellte „Club“-Trainer Thomas von Heesen fest, nachdem seine Mannschaft beim 2:2 im Kellerduell der Fußball-Bundesliga den Sieg regelrecht verschlafen hatte. Den Franken droht nun der siebte Abstieg in der Vereinsgeschichte. „Bielefeld darf sich freuen, Nürnberg muss heulen“, fasste der enttäuschte FCN-Stürmer Iwan Saenko seine Gefühle treffend zusammen.

          Arminen-Coach Michael Frontzeck dagegen war „überglücklich. Nach einer katastrophalen ersten Halbzeit hat sich die Mannschaft nach der Pause fantastisch präsentiert“, schwärmte Frontzeck. „Das war kein Fußball von uns im ersten Durchgang, aber jetzt haben wir weiter alles selbst in der Hand“, sagte Thorben Marx. „Wir waren in der ersten Halbzeit fantastisch und haben Bielefeld teilweise an die Wand gespielt, dann aber nach dem Wechsel zweimal geschlafen. Dieses Unentschieden ist umso ärgerlicher, wenn man bedenkt, dass Arminia nur zwei Torschüsse hatte“, sagte von Heesen frustriert.

          27:2 Torschüsse, 2:2 Tore

          Der Blick auf die Statistik - 27:2 Schüsse insgesamt und 10:2 Schüsse aufs Tor - tat dem Trainer weh, doch äußerlich ließ er sich seinen Frust über die „nicht wesentlich verbesserte“ Situation vor den restlichen vier Partien nicht anmerken. Seine Spieler dagegen waren geschockt. „In der Kabine ist kaum ein Wort gefallen, alle wollten schnell nach Hause“, berichtete Saenko, „das Remis tut verdammt weh. Ich habe keine Erklärung für diese Schlafmützigkeit, es ist ja nicht das erste Mal.“

          Dass die Konkurrenz aus Duisburg und Rostock ebenfalls Punkte liegen ließ, konnte die Franken ein wenig trösten. „Aber wir müssen jetzt in Dortmund das beste Ergebnis holen, und das sind drei Punkte“, forderte Mintal, der den verletzten Zvjezdan Misimovic erneut gut vertrat. „Wir hoffen und glauben, dass es mit dem Klassenerhalt noch klappt. Und in Dortmund ist was drin, die haben Probleme und stehen unter Druck.“ Ein Nickerchen wie gegen Bielefeld darf dem „Club“ dann aber nicht mehr passieren. Mintal: „Im Fußball muss man sich nicht nur 45, sondern 90 Minuten konzentrieren.“

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