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2:2 bei Hoffenheim : Bayern fehlte der unbedingte Siegeswille

  • -Aktualisiert am

Meisterschaft verspielt? Jupp Heynckes bangt in Hoffenheim Bild: REUTERS

Für Münchens Vier-Wochen-Coach Heynckes war es im vierten Spiel der erste Punktverlust - es könnte der entscheidende gewesen sein. Den Treffern von Ba und Eduardo setzten die Münchner nur Tore von Ribéry und Toni entgegen.

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          Der Herbstmeister hat zwar den Rekordmeister nicht ganz aus dem Titelrennen befördert, aber einen kleinen Achtungserfolg geschafft und dem VfL Wolfsburg in eine noch bessere Ausgangssituation vor dem Bundesliga-Finale gebracht. Der FC Bayern München muss nach dem 2:2 bei der TSG Hoffenheim vor 30.150 Zuschauer in der Rhein-Neckar-Arena auf eine Niederlage des Spitzenreiters am kommenden Samstag hoffen - und selbst sein Spiel gegen den VfB Stuttgart gewinnen, um den Titel noch zu verteidigen. In der über weite Strecken packenden Partie versäumte es die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes, vor allem in der Anfangsphase wieder einmal gute Gelegenheiten zu nutzen. Die Hoffenheimer schafften mit dem Unentschieden immerhin eine kleine Revanche für die Last-Minute-Niederlage in der Vorrunde. „Wir haben nicht mehr viel Hoffnung“, sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, „jetzt müssen wir Platz zwei sichern.“ Interimstrainer Jupp Heynckes äußerte sich deutlich positiver über den Auftritt seines Teams: „Das Spiel war eine Werbung für den Fußball. Beide Mannschaften sind offensiv zu Werke gegangen und wollten gewinnen. Insgesamt bin ich mit dem Spiel meiner Mannschaft, abgesehen von 15 Minuten in der ersten Halbzeit, sehr zufrieden. Die Truppe hat eine super Moral bewiesen.“

          Für Heynckes hatte es vor dem Anpfiff wenig Grund gegeben, die Mannschaft zu verändern. Lucio durfte wie am Dienstag gegen Leverkusen auf der rechten Abwehrseite aushelfen und Podolski trotz der Rückkehr von Klose wieder von Anfang an stürmen. Auch für Zé Roberto war zunächst kein Platz in der Stammelf. Ralf Rangnick hingegen setzte wieder auf Kapitän Marvin Compper und Andreas Ibertsberger. Die Elf, die nun gegen den Noch-Meister auf dem Platz stand, ähnelte sehr derjenigen, die in der Vorrunde so viel Komplimente bekam. Es hatte im Vorfeld wenig Anlass zur Hoffnungen gegeben, dass sich ein ähnlich temporeiches, hochklassiges Spiel wie im Dezember ergeben könnte, denn es gehe, hatte Bayern-Manager Uli Hoeneß wissen lassen, „nicht um einen Schönheitspreise, sondern um drei Punkte“.

          Die Zuschauer verhöhnten den Rekordmeister

          Zunächst sah es ganz danach aus, als ob sich die Bayern vom Herbstmeister nicht abbringen lassen würden von ihrer Titeljagd. Sie wirkten entschlossen und gingen in der Anfangsphase strukturierter vor. Die Hoffenheimer bekamen Franck Ribéry nicht annähernd so gut unter Kontrolle wie im ersten Duell. Vor allem im Zusammenspiel mit Lukas Podolski wirbelte der Franzose die Abwehr immer wieder mal durcheinander. Die beiden waren dann auch für die Münchner Führung in der 16. Minute verantwortlich. Den Querpass von Podolski, der in dieser Szene ausnahmsweise über rechts angriff, verpassten sowohl Bayern-Stürmer Luca Toni als auch Hoffenheims Torhüter Dieter Hildebrandt und Verteidiger Ibertsberger den Ball, dafür traf ihn Ribéry und erzielte das 1:0. Nur fünf Minuten später stand es 1:1, weil die Münchner im Mittelfeld einen Pass von Eduardo in die Spitze zuließen und Lucio den Schuss von Demba Ba noch unhaltbar für Hans-Jörg Butt abfälschte.

          Zwischenzeitliche Freude: Ribery wird von van Bommel (r) und van Buyten zum 1:0 geglückwünscht

          Mit diesem Treffer nahm die Partie Tempo auf, und das lag in erster Linie an der TSG Hoffenheim. Die Mannschaft versuchte im eigenen Stadion, den Gegner auszukontern. Der FC Bayern bot zwar ein paar gefällige Kombinationen und hatte glänzenden Chancen durch Podolski und Martin Demichelis, aber effektiver war der Gegner. In der 28. Minute köpfte Wellington den Ball an den Pfosten, als sich die Münchner Defensive wieder einmal hatte überrumpeln lassen. Der Abpraller landete vor den Füßen des unbewachten Eduardo, der ins leere Tor schoss zur 2:1-Führung. Die Zuschauer in der Rhein-Neckar-Arena verhöhnten nun den Rekordmeister - und feierten jedes Tor der Wolfsburger in Hannover. Toni sorgte dann dafür, dass es keine badisches Halbzeitparty wurde. Der Italiener köpfte den Ball in der 44. Minute nach Ribérys Flanke aus kurzer Distanz zum 2:1 ins Tor - sehr zur Freude seines Trainers Ralf Rangnick: „Ich bin mit der Art und Weise, wie wir das letzte Spiel zu Hause absolviert haben, absolut zufrieden. Alle meine Spieler sind ans Limit gegangen, ein Kompliment gilt dem ganzen Spiel. Die Zuschauer sind voll auf ihre Kosten gekommen.“

          Hoffenheim war aus dem Häuschen

          In der zweiten Hälfte bemühten sich die Münchner um das dritte Tor, Heynckes wechselte mit Zé Roberto und Klose zwei Offensivspieler ein, aber die Mannschaft war mehr damit beschäftigt, einen Gegentreffer zu verhindern. Eine Niederlage hätte wohl das Aus im Titelkampf bedeutet. Sekunden vor dem Abpfiff vergab Toni freistehend vor Torwart Hildebrandt. Es war die beste Bayern-Chance nach der Pause. Er raufte sich die Haare und wusste genau: die Chance war dahin, die Freude in Wolfsburg ein wenig zu dämpfen.

          Den Bayern fehlte am Ende der unbedingte Siegeswille oder die Kraft dazu, die Partie doch noch für sich zu entscheiden. Gejubelt haben am Ende nur die Hoffenheimer. Die Spieler blieben lange auf dem Rasen, die Fans noch länger auf den Tribünen. Am Ende musste sogar Mäzen Hopp noch in die Kurve. Hoffenheim war aus dem Häuschen - nach einer guten Leistung im letzten Heimspiel und einer, trotz einer Schwächephase in der Rückrunde, sehr gelungenen Debütsaison in der Bundesliga.

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