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2:1 in Stuttgart : Das späte Glück des FC Bayern

  • -Aktualisiert am

Das sieht nicht nach Routine aus: Der FC Bayern freut sich über den Erfolg in Stuttgart Bild: AFP

Lange führt Stuttgart im Nachholspiel der Bundesliga und kann hoffen, den trägen Bayern die erste Niederlage der Saison beizubringen. Doch Pizarro und Thiago mit einem Traumtor in letzter Sekunde drehen die Partie für die Münchner.

          3 Min.

          Das fast schon Undenkbare wäre am Mittwochabend beinahe passiert. Der FC Bayern München, seit 42 Bundesligaspielen ungeschlagen, wandelte im Nachholspiel vom 17. Spieltag beim VfB Stuttgart am Rand der ersten Saisonniederlage.

          Daraus wurde aber nichts, weil die Münchner nach lange schwachem Spiel in der Schlussphase aus einem 0:1-Rückstand nach Ibisevics Treffer (29. Minute) einen 2:1-Sieg machten. Der eingewechselte Pizarro (76.) und Thiago (90.+2) drehten eine Partie, die fast schon verloren schien.

          Die Bayern bauten damit ihre Tabellenführung weiter aus und besitzen nun schon einen mit dreizehn Punkten fast uneinholbaren Vorsprung vor Bayer Leverkusen. Davon aber war am Mittwoch kaum die Rede.

          Eher führte der VfB Stuttgart der Bundesliga-Kollegenschaft vor Augen, wie man die Bayern in Not bringen kann. Keine schlechte Erkenntnis für die Konkurrenz nach einem erinnerungswürdigen Bundesligaduell unter beinahe Gleichen.

          Ungewohntes Gefühl: Vedad Ibisevic überwindet Bayern-Torwart Manuel Neuer
          Ungewohntes Gefühl: Vedad Ibisevic überwindet Bayern-Torwart Manuel Neuer : Bild: dpa

          „Jedes Spiel ist ein guter Test für uns, um uns weiter zu verbessern.“ Was Bayern-Trainer Pep Guardiola zuvor leichthin und vielleicht auch mangels feinerer Kenntnisse der deutschen Sprache gesagt hatte, wurde in den ersten 45 Minuten eher für künftige Münchner Gegner zum Anschauungsunterricht.

          Anders nämlich als zuletzt Borussia Mönchengladbach dachte der VfB Stuttgart von vornherein nicht daran, ehrfürchtig zum Triple-Champion, Tabellenführer und Inhaber fast sämtlicher Bundesliga-Rekorde aufzuschauen.

          Der eingewechselte Pizarro ist zur Stelle und sorgt für den Ausgleich
          Der eingewechselte Pizarro ist zur Stelle und sorgt für den Ausgleich : Bild: AFP

          Die furchtlosen Schwaben machten den Bayern das Leben schwer: mit einer cleveren Kontertaktik, mit zwei Viererketten, die sich stets zeitig genug verschoben, mit mehr Härte als die meisten Widersacher des Meisters und mit zwei Stürmern, Ibisevic und Abdellaoue, die sich frontal vor den Münchner Innenverteidigern aufbauten und so schon die ersten Ansätze des Bayern-Kurzpassspiels oft genug unterbanden.

          Die Münchner, ohne die leicht verletzten Robben und Ribéry, litten trotz einer Ballbesitzquote von achtzig Prozent 45 Minuten unter erheblichen Rhythmusstörungen bei ihren oft nach Endloskombinationen ausschauenden Aufbauversuchen. Der vermeintliche Test unter Wettkampfbedingungen war unverhofft zum Ernstfall geraten.

          Und dann kommt Thiago: Der Neuzugang aus Barcelona mag es kunstvoll - 1:2
          Und dann kommt Thiago: Der Neuzugang aus Barcelona mag es kunstvoll - 1:2 : Bild: dpa

          Um so mehr, als die Stuttgarter viel eher als der große Gegner Fuß fassten und die erste große Gelegenheit besaßen, als Harnik geflankt, Ibisevic weitergeleitet und der 17 Jahre alte Werner ein wenig nervös über das Tor geschossen hatte (8.).

          Vier Minuten später hätte der Berliner Schiedsrichter Gräfe auch auf Elfmeter für den VfB entscheiden können, als Rafinha, wie es regeltechnisch heißt, seine Körperfläche in dem Moment vergrößerte, da ihm Werners Kopfball gegen den linken Arm prallte (12.).

          Die Bayern liegen lange zurück, holen in Stuttgart aber spät doch noch drei Punkte
          Die Bayern liegen lange zurück, holen in Stuttgart aber spät doch noch drei Punkte : Bild: AFP

          In der 29. Minute aber gab Gräfe dann doch das Tor für die Stuttgarter, als Ibisevic nach Werners Schuss an den zwischen ihm und Stürmerkollege Abdeallaoue herumflippernden Ball kam und aus freier Schussbahn mit rechts flach ins rechte Eck schoss. Dass Abdellaoue in diesen Momenten der Münchner Verwirrung knapp im Abseits stand, hatten der Unparteiische und seine Assistenten nicht bemerkt.

          Die Bayern brachten auch danach nur wenig zustande. Mehr als ein Shaqiri-Heber knapp übers Tor (11.) und ein von Ulrich parierter Thiago-Schuss (41.) stand bei Halbzeit nicht zu Buche. Die Frage war: Wie würde Guardiola reagieren? Etwa indem er den in Mönchengladbach nicht einmal für den 18er Kader nominierten besten Bayern-Angreifer Mandzukic ins Spiel brachte, zumal Mario Götze diesmal im Wortsinn wie ein falscher Neuner angemutet hatte?

          Noch immer weiß Trainer Pep Guardiola nicht, wie Münchner Niederlagen schmecken
          Noch immer weiß Trainer Pep Guardiola nicht, wie Münchner Niederlagen schmecken : Bild: REUTERS

          Fürs erste aber verharrte der schmollende Kroate als Sitzenbleiber auf der Bank. Der Trainer, ein Freund technisch ausgereifter Spielernaturen, hatte dem bulligen echten Neuner vor der Reise nach Stuttgart nicht mehr bescheinigt, als „ganz okay“ trainiert zu haben.

          Nach 59 Minuten – der VfB war bis dahin näher am zweiten Treffer als die Bayern am ersten – hatte der Katalane ein Einsehen und schickte nach einer Stunde anämischen Bayern-Fußballs gleich zwei Vollblutstürmer auf den Platz: Mandzukic und Pizarro kamen, Kroos, leicht angesäuert, weil bis dahin bester Münchner, und Shaqiri mussten gehen.

          Die Abwehr der Bayern hatte alle Hände voll zu tun
          Die Abwehr der Bayern hatte alle Hände voll zu tun : Bild: AP

          Es war ein Wechsel auf ein halbwegs glückliches Ende. Pizarro, nicht Mandzukic, erlöste die Münchner von der Furcht vor der ersten Bundesliga-Niederlage nach 42 unbesiegten Meisterschaftsspielen. Einen Freistoß Thiagos lenkte der beste ausländische Torschütze der Ligageschichte (168 Tore in 358 Spielen) per Kopf zum 1:1 ins Netz (76.).

          Ein Gleichstand, auf den sich die Münchner nicht viel einbilden konnten, zumal der VfB danach noch einmal alles versuchte, aus dem Remis einen vollen Erfolg zu machen. Er wäre nicht unverdient gewesen. So aber schlugen die Münchner in der Nachspielzeit doch noch einmal zu, als Thiago mit einem phantastischen Fallrückzieher das Tor zum 2:1-Sieg schoss.

          VfB Stuttgart - Bayern München 1:2 (1:0)

          VfB Stuttgart: Ulreich - Sakai (65. Boka), Schwaab, Rüdiger, Rausch - Leitner, Khedira - Harnik, Werner (86. Traoré) - Ibisevic, Abdellaoue (90.+2 Sararer)
          Bayern München: Neuer - Rafinha, Boateng, Dante, Alaba - Lahm - Müller, Thiago, Kroos (60. Mandzukic), Shaqiri (59. Pizarro) - Götze (88. Contento)
          Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
          Zuschauer: 60.449 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Ibisevic (29.), 1:1 Pizarro (76.), 1:2 Thiago (90.+3)
          Gelbe Karten: Boka (4), Harnik (3), Leitner (3), Rüdiger (2), Sakai (3) / Boateng (6), Dante (2), Kroos (3)

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