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2:1 in Nürnberg : Eintracht stürmt die Tabellenspitze

Volltreffer: Kaum eingewechselt, trifft Hoffer (2.v.r.) ins Tor Bild: dapd

Nach dem vierten Sieg im vierten Spiel ist der Aufsteiger zumindest für eine Nacht ganz oben angekommen. In Nürnberg gelingt der Frankfurter Eintracht ein umkämpfter 2:1-Sieg.

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          Eintracht Frankfurt hat sich bei seinem spektakulären Sturmlauf an die Tabellenspitze auch vom 1. FC Nürnberg nicht bremsen lassen. Der überzeugende Aufsteiger gewann zum Auftakt des vierten Spieltags 2:1 bei den Franken, feierte damit seit seiner Rückkehr in die Bundesliga den vierten Sieg und stellte mit dieser eindrucksvollen Erfolgsserie zugleich einen neuen Vereinsrekord auf. Mit zwölf Punkten stehen die Hessen mindestens bis zu diesem späten Samstagnachmittag auf dem ersten Platz des Klassements.

          Zum Auftakt der Fußballpartie hatten zunächst einige Unverbesserliche unter den Eintracht-Anhängern dafür gesorgt, dass einem Teil des Publikums auf den Oberrängen des Stadions sprichwörtlich schwarz vor Augen wurde. Kurz vor dem Anpfiff zündelten wieder einmal mehrere Hitzköpfe im Frankfurter Fanblock mit bengalischen Feuern, Rauchbomben und Silvesterfeuerwerk und das Spielfeld verschwand vorübergehend unter einer Rauchwolke.

          Es war der „Club“, der, als sich die dunklen Schwaden verzogen hatten, in der Anfangsphase den besseren Überblick bewies: Pekhart fehlte nur Zentimeter, um einen Freistoß von Kiyotake mit dem Kopf ins Netz zu verlängern (3. Minute). Der Frankfurter Schlussmann, Kevin Trapp, war auch klärend zur Stelle, als es der Japaner kurz darauf auf eigene Faust versuchte (9.).

          Dass die Eintracht einige Anlaufzeit benötigte, um vollständig in Tritt zu kommen, hatte auch mit zwei verletzungsbedingten Ausfällen zu tun, die kurzfristig die Ordnung ordentlich durcheinander brachten, aber nicht nachhaltig negativ ins Gewicht fielen. Erst musste Kapitän Pirmin Schwegler mit einer klaffenden Platzwunde an am Kopf ausgetauscht werden (15.), nachdem er bei einem Duell in der Luft mit Hanno Balitsch zusammengeknallt war; für ihn brachte Armin Veh auf der Sechserposition Martin Lanig. Ebenfalls mit schmerzverzerrtem Gesicht humpelte danach auch Oliver Occean mit einer Oberschenkelzerrung vorzeitig in die Kabine, nachdem er bei einem Zweikampf einen Schlag gegen das Bein erlitten hatte und von Erwin Hoffer ersetzt wurde (21.).

          Auch sie waren wieder da: Frankfurter Zündler auf der Tribüne

          Die ins Rotieren geratene Eintracht konnte von Glück sagen, dass sie überhaupt noch in voller Teamstärke zu Werke gehen konnten. Denn der früh verwarnte Innenverteidiger Carlos Zambrano hatte sich eigentlich gegen den enteilten Pekhardt schon den zweiten folgenschweren Fehltritt erlaubt, doch Schiedsrichter Zwayer wertete die Rettungsaktion zum Verdruss der Nürnberger nicht als „Notbremse“, die eine Rote Karte hätte nach sich ziehen müssen (20.), sondern beließ es bei einer Ermahnung.

          Hoffer im Stile eines Goalgetters

          In einem temporeichen Aufeinandertreffen, in dem Alexander Esswein (22.) und Pekhart (31.) für die Nürnberger die Führung auf dem Fuß hatten und Kiyotake mit einem Fernschuss nur den Pfosten traf (38.), lag die Eintracht zur Halbzeitpause vorne, weil sich Hoffer im Stile eines Goalgetters in die Begegnung eingefunden hatte. Der Österreicher kam nach einem Eckstoß auf der rechten Außenbahn nach Pass des aufmerksamen Bamba Anderson an die Kugel, zog mit viel Geschwindigkeit in den Strafraum und erzielte aus rund 15 Metern das 1:0 (26.) - auch die Entstehungsgeschichte des Treffers verriet einiges über die aktuell so couragiert agierenden Senkrechtstarter, die mit Lust und Leidenschaft ihre Aufgabe erstklassig erledigen.

          Verleiht der Eintracht-Offensive eine lange vermisste Qualität: Takashi Inui (l.), Torschütze zum 2:0

          Im zweiten Abschnitt ging es nicht weniger aufregend zur Sache. Hoffer lief unmittelbar nach Wiederanpfiff alleine auf Torwart Raphael Schäfer zu, verzog aber knapp. Die Frankfurter gaben nun ihre zuvor sehr stürmische Ausrichtung ein wenig auf und zogen sich mehr in die eigene Hälfte zurück, um jedoch nach jeder Balleroberung über das flotte Quartett um Takshi Inui, Sebastian Rode, Stefan Aigner und Sebastian Jung immer wieder zu Kontern anzusetzen. In die Verteidigung des Vorsprungs waren nun bis auf Hoffer alle anderen Feldspieler in den weißen Trikots eingebunden. Rode klärte so auf der Linie bei einer Hereingabe von Tim Klose (58.), als Trapp schon geschlagen war.

          Damit nicht genug der gelungenen Eintracht-Aktionen: Inui, der auch an diesem Abend der Frankfurter Offensive eine vor dieser Runde lange vermisste Qualität verlieh, erzielte nach exakt einer Stunde das 2:0. Nach seinem Solo quer zur Strafraumgrenze, das er mit einem Schlenzer ins Netz krönte, versank der kleine Mittelfeld-Wirbler unter einer Jubeltraube seiner Kollegen, die gut dreißig Minuten darauf nach einigem Zittern endgültig in den Armen lagen. Denn mehr als der Anschlusstreffer durch Polter (76.) glückte dem „Club“ nicht mehr.

          1. FC Nürnberg - Eintracht Frankfurt 1:2 (0:1)

          1. FC Nürnberg: Schäfer - Chandler (70. Polter), Nilsson, Klose, Pinola - Balitsch, Simons - Mak (60. Gebhart), Kiyotake, Esswein (60. Frantz) - Pekhart
          Eintracht Frankfurt: Trapp - Jung, Zambrano, Anderson, Oczipka - Rode, Schwegler (15. Lanig) - Aigner, Meier, Inui - Occean (21. Hoffer - 86. Matmour)
          Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
          Zuschauer: 45 033
          Tore: 0:1 Hoffer (25.), 0:2 Inui (60.), 1:2 Polter (76.)
          Gelbe Karten: Polter (1) / Jung (1), Meier (1), Zambrano (1)

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