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2:1 in Köln : Sahin schießt Dortmund an die Spitze

Klare Ansage: Sahins Zeichen an Podolski Bild: dapd

Im Mittelpunkt stehen beim Dortmunder 2:1-Sieg Nationalkicker, die sich auf dem Kieker haben. Später spielen Podolski und Sahin ihr Duell herunter. Die Borussen freuen sich trotz Schrecksekunde vor der Partie über Platz eins.

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          Barfuß wie ein Büßer kehrte Lukas Podolski aus der Mannschaftskabine zurück, trottete über die kalten Kacheln in den Katakomben und den regennassen Stadionrasen und reichte seinen Dortmunder Gegenspielern reihenweise die Hand. Nach den Animositäten im Nieselregen wollte der Nationalstürmer des 1. FC Köln nach Spielende wieder gut Wetter machen bei den BVB-Profis, die er in den neunzig vorangegangenen Bundesligaminuten bis aufs Blut gereizt hatte.

          Thomas Klemm
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vor allem Nuri Sahin hatte der Kölner Kicker auf dem Kieker. „Wir haben uns auf dem Platz gestritten, das passiert mal“, sagte „Prinz Poldi“, der sich am Freitag bei der 1:2-Heimniederlage seines FC verhielt wie Prinz Pöbel persönlich. Der Frust, nach dem Höhenflug mit der Fußball-Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation wieder in den alltäglichen Bundesliga-Abstiegskampf verstrickt zu sein, setzt dem FC-Liebling spürbar zu.

          Nachdem sich Podolski unter der Woche in einem Interview über eine fehlende Strategie seines Klubs und mangelnde Qualität seiner Teamkollegen beklagt hatte, richtete sich sein Ärger am Freitag gegen die Dortmunder. Während des rassigen Westderbys zettelte er erst einen heftigen Wortwechsel mit Sahin an, dann erinnerte er den Borussen mit drei emporgereckten Fingern an das Ergebnis des vorherigen Aufeinandertreffens, das Podolski mit der deutschen Nationalmannschaft 3:0 gegen Sahin und die Türken gewonnen hatte.

          Erfreute Polen in schwarz-gelb: Jakub Blaszczykowski und Lukasz Piszczek (r.) feiern die Dortmunder Führung
          Erfreute Polen in schwarz-gelb: Jakub Blaszczykowski und Lukasz Piszczek (r.) feiern die Dortmunder Führung : Bild: REUTERS

          „Wir sind doch nicht im Zirkus, sondern spielen Fußball

          Der Dortmunder revanchierte sich auf kaum minder provozierende Weise: Nach seinem Last-Minute-Tor zum siebten Dortmunder Sieg nacheinander rannte er über den halben Platz, um in Jubelpose am geschlagenen Podolski vorbeizurutschen. „Emotionen gehören dazu, denn es steht viel auf dem Spiel“, sagte Sahin später, der ebenso wie der Kölner Streithansel bemüht war, die Auseinandersetzungen herunterzuspielen: „Wir haben uns die Hand gegeben, denn wir verstehen uns eigentlich sehr gut.“ Borussia-Torhüter Roman Weidenfeller, der sich in die Reibereien einmischte und auf Podolski mit Gebrüll losging, mochte nicht so klein beigeben: „Wir sind doch nicht im Zirkus, sondern spielen Fußball.“

          Die Kabale der beiden Nationalspieler, die von Schiedsrichter Günter Perl jeweils mit einer Gelben Karte bedacht wurde, konnten das Bundesliga-Duell voller Klasse und Kampf allerdings nur wenig überschatten. Zwar fand BVB-Verteidiger Neven Subotic den glücklichen Sieg „umso schöner, wenn der Gegner so frech ist“.

          Doch im allgemeinen freuten sich die Dortmunder, die durch Jakub Blaszczykowski in Führung gegangen waren (20. Minute), dass sie nach Podolskis Ausgleichstreffer zum 1:1 (82.) noch den Sieg erzwingen konnten. „Die Gier der Mannschaft war beeindruckend“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp nach dem Erfolg, der die Westfalen erstmals seit August 2003 wieder an die Spitze brachte. „Lieber eine Nacht Tabellenführer als nie“, sagte Klopp, als er noch nicht ahnen konnte, dass die Spitzenposition mindestens neun Tage halten wird.

          Schlimmer als Podolskis Rabatz war für die Borussen die Schrecksekunde, als ihr Bus auf dem Weg zum Spiel mit einem Stein beworfen wurde, so dass eine Fensterscheibe zu Bruch ging. „Das war „Wahnsinn“, sagte Weidenfeller nach einer Dienstreise, die in doppelter Weise glücklich endete.

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