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2:1 in Freiburg : Quadratisch. Taktisch. Mainz.

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Freud und Leid: Die Mainzer jubeln, Freiburg trauert Bild: dpa

Mainz 05 hatte Respekt vor dem „quadratischen“ Platz in Freiburg. Dann aber machen sie den Gegner rund. Die Rheinhessen erwischen einen perfekten Saisonstart.

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          Trainer Thomas Tuchel hatte sich in den  Tagen vor dem Auswärtsspiel in Freiburg mit Bedenken bezüglich des ungewohnten Platzformats in Freiburg geäußert. Das Feld dort ist mit 100,5 Metern rund fünf Meter kürzer als es die Norm verlangt. „Deshalb haben die Spieler das Gefühl, dass der Platz quadratisch sei.“ Beim 2:1-Sieg ist seinem Team nun aber die Rundung des Quadrats gelungen. Quadratisch. Taktisch. Gut.

          Angesichts der jüngsten Historie hatte es zuvor noch zwei Optionen gegeben: Ein Spiel wie zum Rückrundenauftakt am 19. Januar, als Mainz 05 und der SC Freiburg ein 0:0 zeigten, das Taktik-Fetischisten begeisterte, den erlebnisorientierten Fan aber eher gelangweilt zurückließ. Fünf Wochen später, im Viertelfinalspiel des DFB-Pokals, lag Mainz 05 dank eines Blitzstarts ruckzuck 2:0 in Führung, nach nervenaufreibenden 120 Minuten gewann der SC Freiburg 3:2. Von dieser Partie, so räumte der Mainzer Trainer Thomas Tuchel später ein, habe sich seine Mannschaft nicht mehr erholt. Psychisch und physisch. Der SC Freiburg wurde zum sportlichen Schicksal der Mainzer Profis in der Saison 2012/2013, im Pokal und mittelbar in der Fußball-Bundesliga mit dem Absturz auf Rang 13.

          Insofern war es bemerkenswert, was am Samstagnachmittag in Freiburg passierte. Mainz 05 gewann 2:1, zudem sahen die 23.100 Zuschauer zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten.

          Zwei verschiedene Halbzeiten

          Bis zur Pause allerlei Taktik-Schnickschnack, überwiegend defensiv orientiert im Mittelfeld, derweil in den Strafräumen so gut wie nichts passierte. Anschließend ein von beiden Mannschaften kämpferisch-offensiv geführtes Spiel. Für Mainz 05 trafen der dänische Nationalspieler Niki Zimling (64. MInute) und Nicolai Müller mit seinem dritten Saisontor (68.); Sebastian Freis (71.) für den SC Freiburg. Die drei Tore innerhalb von sieben Minuten unterstreichen den späten Unterhaltungswert der Partie, und auch die Statistik meinte es gut mit Mainz 05. Sechs Bundesligaspiele in Folge hat der Klub gegen Freiburg nun nicht verloren.

          Zu Beginn hatte es nicht danach ausgesehen, als ob den Rheinhessen im Breisgau etwas Positives gelingen könnte. Die Ballbesitzzeit des SC Freiburg näherte sich zwischenzeitlich der 75-Prozent-Marke, und die beiden Angreifer im Mainzer 4-4-2-System, Müller und Christoph Moritz, hatten keine einzige nennenswerte Szene. Tuchel schickte sein Team im Unterschied zum Stuttgart-Spiel, wo er nur einen Stürmer aufgeboten hatte, in dieser anderen Formation aufs Feld. „Wir wollten nicht noch einmal 15 Torschüsse kassieren wie gegen den VfB, wir wollten kompakter auftreten“, erklärte Tuchel. Seine veränderte Taktik fruchtete.

          Führungstor für Mainz: Niki Zimling hat eingeköpft

          In der zweiten Halbzeit zeigte sich der Lern- und Reifeprozess von Mainz 05: Die Mannschaft nutzte ihre Torchancen recht effektiv aus. Den Kopfballtreffer aus kurzer Distanz von Zimling hatte Johannes Geis vorbereitet, unbedrängt konnte der Zugang von Greuther Fürth an seinem 20. Geburtstag vor das Tor flanken. Wie Zimling den Ball direkt an Müller weiterleitete und der Jung-Nationalspieler zum 2:0 abschloss, passte zu seiner derzeitigen Verfassung: cool, konsequent, souverän, perfekte Schusstechnik. Müller hat seit Monaten schlichtweg einen guten Lauf.

          Tuchel mahnt

          Trotz des Gegentores von Freis, bei dem die Mainzer Abwehrreihe unaufmerksam war und Kapitän Nikolce als letzter Mann einen Schritt zu spät kam - der Erfolg hätte noch deutlicher ausfallen können. Denn Zimling mit einem beinharten Schuss (36.), Niko Bungert und Müller mit einer Doppelchance (56.), Eric Maxim Choupo-Moting (66., 81.), Yunus Malli (73.) und Müller (86.) hatten weitere gute Tormöglichkeiten. Wie Malli fünf Minuten nach seiner Einwechslung für den leicht verletzten Zimling allerdings aus kurzer Distanz am Freiburger Torwart Oliver Baumann scheiterte, war schon beinahe fahrlässig.

          Ausgetanzt: Nicolai Müller (r.) und die Mainzer besiegen Freiburg mit Oliver Sorg

          Zwei Spiele, zwei Siege, fünf Tore - die Mainzer Kurzzeitbilanz könnte nicht besser sein. „Zwei Siege aus zwei Spielen sind mehr, als man sich wünschen kann“, sagte Trainer Tuchel. Denn nicht zuletzt war es der erste Bundesliga-Auswärtssieg seit sieben Monaten. Die sanfte Sommerdepression im Umfeld von Mainz 05, die angesichts der enttäuschenden Rückrunde zu beobachten war, ist schon längst wieder der guten Stimmung gewichen. Trotzdem warnte Tuchel vor zu großen Erwartungen: „Das ist nur eine Momentaufnahme“, sagte er.

          SC Freiburg - FSV Mainz 05 1:2 (0:0)

          SC Freiburg: Baumann - Mujdza (72. Günter), Diagne, Ginter, Sorg - Schuster, Fernandes - Schmid, Guédé (72. Mehmedi) - Hanke (86. Kerk), Freis
          FSV Mainz 05: Heinz Müller - Pospech, Svensson (50. Bungert), Noveski, Park - Geis, Baumgartlinger, Zimling (69. Malli) - Nicolai Müller, Moritz (62. Choupo-Moting), Okazaki Schiedsrichter: Hartmann (Wangen)
          Zuschauer: 23.100
          Tore: 0:1 Zimling (64.), 0:2 Nicolai Müller (68.), 1:2 Freis (71.)
          Gelbe Karten: - / Geis (1), Heinz Müller (1), Noveski (1)

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