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2:1 in Dortmund : Königsblaue Derbysieger

  • -Aktualisiert am

Königsblau feiert in Dortmund: Nach dem Derbysieg gibt es bei den Schalkern kein Halten mehr Bild: dapd

Der FC Schalke 04 gewinnt das Revierderby beim BVB mit 2:1. Nach der Pause lässt sich der deutsche Meister klassisch auskontern. Der Rückstand auf die Bayern beträgt nun zwölf Punkte. Vor dem Stadion kommt es zu Randalen.

          Es war ein Derby-Drama mit Überlänge. Aber auch vier Minuten Nachspielzeit nützten Borussia Dortmund nichts. Diesmal war der Erzrivale zu stark für den deutschen Meister. Der BVB unterlag dem FC Schalke 04 im eigenen Stadion 1:2. Eine Niederlage, die den BVB bis ins Mark treffen dürfte. Nach acht Spieltagen in der Fußball-Bundesliga liegt Dortmund schon zwölf Punkte hinter dem aktuellen Tabellenführer Bayern München, der an der unbeirrt seine Kreise zieht.

          So wie der ersatzgeschwächte BVB sich an diesem Samstag präsentierte, erfordert es geradezu ein Übermaß an Phantasie sich vorzustellen, Dortmund könnte den Titel abermals verteidigen. Die Borussen haben nicht nur in der Tabelle an Boden verloren, sondern offenbar auch die Überzeugung, die Fußballwelt aus den Angeln heben zu können. In ihrer aktuellen Verfassung gehen sie am kommenden Mittwoch als klarer Außenseiter in das Champions-League-Heimspiel gegen Real Madrid. Schalke indes kann die Reise nach London zum FC Arsenal voller Selbstbewusstsein antreten. Mit dem Derbysieg im Rücken scheinen sie für ihr wohl schwerstes Gruppenspiel zumindest gut gerüstet.

          Nach Toren von Ibrahim Afellay (14. Minute) und Marco Höger (48.) mussten die Königsblauen zwar den Anschlusstreffer von Robert Lewandowski (55.) hinnehmen, zeigten sich aber als geschlossene und widerstandsfähige Gemeinschaft.Im 141. Ruhrgebiets-Derby mussten beide Trainer mehrere Stammspieler ersetzen. Beim BVB fehlten Blaszczykowski, Schmelzer und Gündogan. Schalke musste ohne Draxler, Papadopoulos und zunächst auch ohne den offenbar angeschlagenen Jones auskommen, der in der zweiten Hälfte eingewechselt wurde. „Leicht kann jeder. Wir müssen ein bisschen zaubern“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp vor dem Anpfiff. Doch er und sein Spieler brachten an diesem milden Herbstnachmittag nur faulen Zauber zustande. Die Ausfälle wirkten sich auch auf die Grundformation aus. Klopp ließ hinten mit einer Dreierkette beginnen - mit Sven Bender, einem gelernten Mittelfeldspieler, als zentralem Abwehrmann neben Mats Hummels und Neven Subotic. Die Borussen kamen damit nicht zurecht: Ihre hinteren Reihen wirkten unsicher und im Spielaufbau fahrig. Die Heimelf kam nicht in Fahrt, ihren Angriffsversuchen fehlte es an Tempo.

          So blieb Lars Unnerstall, der den Vorzug vor dem wieder einsatzbereiten Hildebrand erhalten hatte, im Tor des FC Schalke lange unbehelligt. Es dauerte fast 37 Minuten, bis er, bei einem Schuss von Marco Reus, eingreifen musste - der einzige Torschuss des BVB in der gesamten ersten Hälfte. Da stand es längst 1:0 für die Königsblauen, die wesentlich mutiger auftraten als im Vorjahr. Bender hatte eine Flanke von Jefferson Farfan zu kurz abgewehrt und den Torschützen Afellay in die Lage versetzt, die Kugel so gegen den Innenpfosten zu kicken, dass sie im Netz landete. Aus Schaden klug geworden, korrigierte Klopp nach etwa einer halben Stunde seinen Systemfehler und stellte auf Viererkette um. Lukasz Piszczek, sonst Rechtsverteidiger, rückte nach links, und Bender übernahm den rechten Außenposten.

          Defektes BVB-System

          Trotz der Rückkehr zur alten Formation misslang auch der Neustart des defekten BVB-Systems. Keine drei Minuten nach dem Seitenwechsel schlug Schalke abermals zu. Mittelfeldspieler Höger erlief einen feinen Steilpass von Lewis Holtby, steuerte zielstrebig Richtung Dortmunder Strafraum und ließ BVB-Torhüter Roman Weidenfeller keine Abwehrchance. Fünf Minuten später hatte Matip das dritte Tor für Schalke auf dem Fuß. Dennoch verdauten die Dortmunder das zweite Gegentor schneller als das erste. Lewandowski verwertete eine Freistoßflanke von Reus zum Anschlusstreffer. Jetzt wurden auf dem Rasen Energie frei, die auf den Rängen auch bei den Dortmundern elektrisierende Derbystimmung erzeugte.

          Schon vor dem Anpfiff hatte einige unverbesserliche Schalke-Sympathisanten eine zündende Idee zu haben. Gegen alle Verbote Fanvertreter hatten sie alles dabei, was ihnen untersagt war: Pyrotechnik und sogar eine offenbar gestohlene BVB-Fahne. Auch rund um die Arena war es zu Unruhen gekommen. Am Stadion, aber auch in der Innenstadt gebe es viele gewaltbereite Fans, teilte die Polizei mit. Die ganze Stadt werde „belagert“. In den vergangenen Jahren habe es weniger Krawalle als diesmal gegeben.

          Erster Schalker Volltreffer: Der Ball schlägt nach einem Schuss Afellays zum 1:0 im Tornetz ein Bilderstrecke

          Auf dem Platz wurde der Nachbarschaftsstreit verbissen und hektisch zu Ende geführt. Dortmund strebte mit viel gutem Willen, aber wenig Geschick den Ausgleich an, Schalke hielt dagegen und wirkte widerstandsfähiger als etwa vor ein paar Wochen in Düsseldorf, wo die Mannschaft ein 2:0 noch leichtfertig verspielt und sich am Ende mit einem Punkt hatte begnügen müssen. Am Ende sangen die Schalker Fans glückselig: „Die Nummer eins im Pott sind wir!“ Das Ergebnis und die Tabelle geben ihnen derzeit recht.

          Borussia Dortmund - FC Schalke 04 1:2 (0:1)

          Borussia Dortmund: Weidenfeller - Subotic, Bender, Hummels - Piszczek, Kehl (55. Bittencourt), Großkreutz - Leitner (89. Felipe Santana), Perisic (52. Schieber) - Lewandowski, Reus
          FC Schalke 04: Unnerstall - Uchida, Höwedes, Matip, Fuchs - Höger (79. Jones), Neustädter - Farfán (70. Barnetta), Holtby (86. Moritz), Afellay - Huntelaar
          Schiedsrichter: Brych (München)
          Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Afellay (14.), 0:2 Höger (48.), 1:2 Lewandowski (55.)
          Gelbe Karten: Leitner (1), Schieber (1) / Fuchs (2), Höger (1), Unnerstall (1)

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