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2:1 in Dortmund : Hoffenheimer Märchenstunde

  • -Aktualisiert am

In der Relegation: Sead Salihovic trifft in Dortmund doppelt Bild: dpa

Die TSG Hoffenheim darf doch noch auf den Klassenerhalt hoffen: In den Schlussminuten verwandelt Salihovic zwei Elfmeter zum Sieg in Dortmund. Beim zweiten Strafstoß ist Not-Torwart Großkreutz machtlos.

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          Andreas Beck, der Kapitän der TSG 1899 Hoffenheim, sprach von einem „kleinen Wunder“ und davon, dass man „so ein Drehbuch nicht schreiben kann“. Der eingewechselte Sven Schipplock bekannte, er habe „noch nie so viel Adrenalin in meinem Körper“ gespürt. Und Trainer Markus Gisdol hatte ein Saisonfinale erlebt, das er als „extremst emotional“ empfand.

          Die Kraichgauer schafften am Samstagnachmittag die Wende des Jahres am 34. und letzten Bundesligaspieltag, als nichts mehr darauf zu deuten schien. Mit dem 2:1 beim Champions-League-Finalisten Borussia Dortmund durch zwei Foulelfmetertore von Sejad Salihovic (77./82. Minute) landeten sie im großen, beinahe unfassbaren Glück, nachdem zuvor alle Zeichen auf Abstieg gestanden hatten. Hoffenheim aber drehte eine denkwürdige Partie nach dem frühen Rückstand durch Lewandowskis 24. Saisontor (6.) und erreichte so die beiden Qualifikationsspiele gegen den Zweitligadritten 1. FC Kaiserslautern am 23. und 27. Mai.

          „Wir haben noch nichts erreicht“, sagte Gisdol, „aber die Euphorie sollen meine Spieler ruhig mitnehmen.“ Die feierten den unverhofften Sieg in Dortmund wie lange keinen Erfolg mehr, bot er doch den Nordbadenern die Gelegenheit, nun doch noch eine fast vollends verkorkste Saison zu retten. „Ich glaube, nur der Fußball ist so“, hob der vor Begeisterung fast glühende Beck hervor, „deshalb lieben wir diesen Sport auch so sehr.“

          Dass die Hoffenheimer mit dem vierten Trainer in dieser Saison endlich mal wieder einen Glücksgriff gelandet haben, sah man der Mannschaft auch am Samstag an, als sie dem Dauerdruck des Ligazweiten und vorjährigen Meisters mit viel Glück und einem herausragenden Torwart Koen Casteels widerstanden und dann selbst zur Attacke übergegangen war. „Wir wussten, dass wir unsere Chance bekommen würden, je länger das Spiel dauerte“, sagte der erleichterte, aber nicht euphorische Gisdol zum glücklichen Ende einer aufregenden Dienstfahrt. Der Klub, der seit dem 23. Spieltag nicht mehr von den Abstiegsplätzen weggekommen war, nahm die allerletzte Gelegenheit wahr, das zu korrigieren.

          Ungewöhnliches Duell: Nottorwart Großkreutz ist gegen Salihovic chancenlos
          Ungewöhnliches Duell: Nottorwart Großkreutz ist gegen Salihovic chancenlos : Bild: AP

          Wie es dazu kam, ist eine aufregende Geschichte in drei Kapiteln. Zuerst trat Nationalspieler Hummels seinen Gegenspieler Volland im Strafraum gegen das Schienbein. Zu Recht entschied Schiedsrichter Drees auf Strafstoß. Danach brachte Torhüter Roman Weidenfeller den auf ihn zulaufenden Schipplock zu Fall. Wieder Elfmeter - plus Platzverweis für Weidenfeller. Beide Male schritt Salihovic zur Tat und donnerte den Ball zweimal unter die Latte. Weidenfeller war chancenlos, und auch der aus der Personalnot nach drei Auswechslungen ins Tor gestellte Feldspieler Kevin Großkreutz.

          Der ultimative Glücksfall in der Nachspielzeit

          Das letzte Kapitel des Dramas von Dortmund wurde zum ultimativen Glücksfall für die Hoffenheimer. Marcel Schmelzer hatte in der Nachspielzeit den Treffer zum vermeintlichen 2:2 erzielt, doch Drees beriet sich nach dem kollektiven Verzweiflungsprotest der Hoffenheimer mit seinem Assistenten Tobias Christ. Der hatte zwar keine Abseitsposition angezeigt, eine solche aber bei Lewandowski richtigerweise gesehen. Die TSG 1899 Hoffenheim konnte aufatmen und durchatmen.

          Der nächste Krimi steht am Donnerstag auf dem Spielplan. Es winkt in dem Zweiteiler gegen Kaiserslautern der große Preis: Klassenverbleib und damit ein weiteres Jahr Erste Bundesliga. „Ende gut, alles gut - vorerst“, sagte Sven Schipplock nach dem turbulentesten und schönsten Hoffenheimer Bundesliga-Samstag dieses Jahres.

          Borussia Dortmund - 1899 Hoffenheim 1:2 (1:0)

          Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek (69. Schieber), Subotic, Hummels (78. Felipe Santana), Schmelzer - Bender (60. Kehl), Gündogan - Blaszczykowski, Reus, Großkreutz - Lewandowski
          1899 Hoffenheim: Casteels - Beck, Abraham, Vestergaard, Johnson - Polanski, Rudy (46. Szarka) - Ochs (58. Schipplock), Salihovic, Volland - Roberto Firmino (85. Süle)
          Schiedsrichter: Drees (Münster-Sarmsheim)
          Zuschauer: 80 645 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Lewandowski (6.), 1:1 Salihovic (77./Foulelfmeter), 1:2 Salihovic (82./Foulelfmeter)
          Gelbe Karten: Reus (4) / Roberto Firmino (9), Rudy (7), Schipplock (4), Vestergaard (6)
          Rote Karten: Weidenfeller (80./Notbremse) / -

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