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2:1 in Dortmund : Gladbach ist die bessere Borussia

  • -Aktualisiert am

Wie von Sinnen: Max Kruse trifft für Gladbach Bild: REUTERS

Beim Namensvetter aus Dortmund beendet Gladbach die Krise. Den Gästen genügt ein Doppelschlag in der ersten Halbzeit zum Sieg, obwohl der BVB lange in Überzahl spielt. Sogar Kruse trifft.

          3 Min.

          Während seine Elf gerade die allerletzten Reserven mobilisierte, musste Jürgen Klopp auf der Tribüne verfolgen, wie die Spieler mit dem Mute der Verzweiflung versuchten, doch noch den Ausgleich gegen Borussia Mönchengladbach zu erzielen. Schiedsrichter Deniz Aytekin hatte den Trainer von Borussia Dortmund in der Nachspielzeit der Bank verwiesen, weil er am Spielfeldrand offenbar zu heftig protestiert hatte.  „Ich habe nur reingerufen ’Und da pfeifst du nicht?’ Allerdings mit meinem inzwischen weltbekannten Gesichtsausdruck. Dafür kann er mich nicht wegschicken.“ Er attestierte dem Referee fehlendes Einfühlungsvermögen: „Wenn 80 000 im Stadion emotional aufgewühlt sind und nur einer dafür kein Verständnis hat, dann bist du weg.“

          Viel hat Klopp am Ende nicht mehr versäumt. Die Schlussoffensive des BVB blieb ohne Erfolg, und die andere Borussia ging als Sieger vom Platz – zum ersten Mal nach einer Serie von zehn Bundesligaspielen ohne Sieg. Raffael (31. Minute) und Max Kruse (40.) hatten mit ihren Toren die Grundlage für den Auswärtserfolg geschaffen.

          Nach dem Platzverweis gegen Havard Nordtveit (70.) in Überzahl, versuchten die Dortmunder energisch, die Partie zu drehen, brachten aber nur noch den Anschlusstreffer von Milos Jojic (77.) zustande und erlitten vor dem Champions-League-Spiel am Dienstag gegen Zenit St. Petersburg einen Dämpfer.

          Die Dortmunder hatten noch eine Rechnung offen. Im Hinspiel hatten sie in Mönchengladbach ihre erste Saisonniederlage erlitten, und das auch noch auf kuriose Art. Der BVB hatte dort das Geschehen lange bestimmt, es aber versäumt, seine Dominanz zu Toren zu nutzen.

          So hatten sich die Dortmunder ihr Heimspiel nicht vorgestellt
          So hatten sich die Dortmunder ihr Heimspiel nicht vorgestellt : Bild: REUTERS

          So überlegen wie in jener Partie waren die Westfalen dieses Mal nicht, aber sie hatten das Unternehmen Revanche durchaus vielversprechend in Angriff genommen. In der ersten halben Stunde vergaben Jonas Hofmann, Nuri Sahin und Pierre-Emerick Aubameyang, der die Latte traf, die Chance zur Führung. Und dann gab es ein Deja-vu. Wieder geriet der Favorit 0:2 in Rückstand.

          Bei Gladbach traten einige Spieler in Erscheinung, die sich zuletzt formschwach gezeigt hatten, allen voran Patrick Herrmann. Bei schnellen Gegenstöße stiftete er auf dem rechten Flügel Unruhe; er war an beiden Toren beteiligt. Beim ersten erreichte er im zweiten Versuch Raffael, der den Ball aus fünf Metern mit wenig Wucht und viel Präzision ins Netz beförderte.

          Das 0:1 - Raffael trifft aus kurzer Distanz
          Das 0:1 - Raffael trifft aus kurzer Distanz : Bild: AP

          Beim 2:0 brachte Herrman bei einem Konter Juan Arango ins Spiel. Auch der Routinier war zuletzt in die Kritik geraten, hatte seine Platz in der Elf aber behalten. Arango rechtfertigte die Geduld seines Trainers mit der Vorlage, die Kruse zum 2:0 nutzte. Der Stürmer beendete eine lange Wartezeit von 895 Minuten ohne Bundesligator.

          Spätestens nach vierzig Minuten ließen sich Parallelen zum Hinspiel nicht mehr übersehen. Sogar die Torschützen waren dieselben wie im Oktober, mit dem Unterschied, dass der Außenseiter bei der Neuauflage seinen Vorsprung von zwei Toren schon zur Pause herausgespielt hatte. Das hatte für die Dortmunder den Vorteil, dieses Mal mehr als ein paar Minuten Zeit zu haben, um aufzuholen.

          Das 0:2 - Kruse verlädt gleich zwei Dortmunder
          Das 0:2 - Kruse verlädt gleich zwei Dortmunder : Bild: REUTERS

          Doch auch diese Zeit verstrich. Im zweiten Durchgang bemühte sich die Heimelf redlich, ließ es gegen die konzentriert verteidigenden Gladbacher aber an Ideen und Durchschlagskraft fehlen. Nach einer Stunde hätte die Partie schon entschieden sein können. Herrmann, der beste Mann auf dem Platz, verfehlte mit einem wuchtigen Schuss nur knapp das Ziel.

          Erschwerend kam nun hinzu, dass Trainer Klopp abermals hatte umstellen müssen. Neben den vier Langzeitverletzten fehlten auch Marco Reus und der gesperrte Spielmacher Henrich Mchitarjan; das Vakuum, das der Armenier im zentralen Mittelfeld hinterließ, vermochte der 21 Jahre junge Hoffmann nicht zu füllen.

          Und nun? BVB-Trainer Jürgen Klopp
          Und nun? BVB-Trainer Jürgen Klopp : Bild: REUTERS

          Zwanzig Minuten vor Schluss erhielten die Dortmunder wieder Anlass zur Hoffnung – nicht aufgrund eigener Stärke, sondern weil Nordtveit die eigene Mannschaft schwächte, in dem er sich innerhalb von nicht einmal zwei Minuten zwei Gelbe Karten und damit „Gelb-rot“ einhandelte. In Überzahl unternahm der BVB einen Sturmlauf und machte es mit dem Anschlusstreffer des eingewechselten Jojic spannend bis zum Schluss.

          Die Gladbacher, inzwischen ein reines Verteidigungsbündnis, gerieten mächtig unter Druck, hielten dem Ansturm aber stand. Kurz vor Schluss lag der Ball zwar im Tor, doch das vermeintliche 2:2 zählte nicht, weil Lewandowski Torhüter ter Stegen in der Luft attackiert hatte.

          „Jetzt wird es eng. Dabei hätten wir uns heute gut absetzen können“, klagte Mittelfeldspieler Nuri Sahin.

          Borussia Dortmund - Bor. Mönchengladbach 1:2 (0:2)

          Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek (67. Ducksch), Sokratis, Hummels, Schmelzer - Kehl (63. Jojic), Sahin - Aubameyang (82. Schieber), Hofmann, Großkreutz - Lewandowski
          Bor. Mönchengladbach: ter Stegen - Korb, Stranzl, Dominguez, Daems - Herrmann (79. Rupp), Nordtveit, Kramer, Arango - Raffael (89. Brouwers), Kruse (75. Marx)
          Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
          Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Raffael (31.), 0:2 Kruse (40.), 1:2 Jojic (77.)
          Gelbe Karten: Lewandowski (2) / - Gelb-Rote Karten: - / Nordtveit (69./Foulspiel)

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