https://www.faz.net/-gtm-6keug

2:1 gegen Wolfsburg : Saisonauftakt mit Bayern-Dusel

Siegjubel dank Schweinsteiger: Die Bayern gewinnen zum Saisonauftakt mit 2:1 Bild: ddp

Die Münchner Bayern beginnen die Spielzeit mit dem erwarteten Auftaktsieg gegen Wolfsburg. Der Titelverteidiger hat allerdings Glück: Schweinsteiger erzielt den Siegtreffer erst in der Nachspielzeit. Schon vor dem Spiel sorgte Demichelis für Unruhe.

          3 Min.

          Etwas mehr als hundert Tage hatte der Ball geruht in der Bundesliga. Als es wieder so weit war, hatte der Meister mehr Mühe, als ihm lieb sein konnte. 2:1 hieß es am Ende des Bundesliga-Eröffnungsspiels zwischen dem FC Bayern und dem VfL Wolfsburg. Natürlich hatten sich die meisten der 69.000 Zuschauer, die am Freitagabend in Partystimmung in die Münchner Arena gekommen waren, etwas mehr erhofft von diesem Auftakt zur 48. Saison.

          Doch eine starke Halbzeit genügte den Bayern nicht, um die anfangs stark verschüchterten Wolfsburger am Ende deutlicher zu bezwingen. Thomas Müller, der WM-Schützenkönig, hatte zwar schon früh (9. Minute) den ersten Treffer mit dem neuen Ligaball namens „Torfabrik“ (siehe: Ligaball: Der Ball des Anstoßes) erzielt (9. Minute). Doch weil Edin Dzeko, der zum Kapitän beförderte Wolfsburger Angreifer, verdientermaßen für sein Team ausglich (55.), wurde es aus Münchner Sicht eine Zitterpartie, die erst in der Nachspielzeit dank Bastian Schweinsteiger erfolgreich endete. „Es ist nicht meine Hauptaufgabe im Spiel, Tore zu schießen, und es gelingt mir nicht so oft, aber es ist schön, dass wir noch gewonnen haben“, sagte Schweinsteiger nach dem Abpfiff.

          Trainer Louis van Gaal hatte in den vergangenen Wochen schon die Befürchtung geäußert, dass seine Bayern angesichts der WM-Strapazen und der kurzen Vorbereitung etwas Anlauf benötigen würden, um so in Schwung zu kommen wie am Ende der vergangenen Saison.

          Alle auf den Schützen: Die Bayern bejubeln das 1:0

          Von WM-Müdigkeit keine Spur

          Für die Bayern-Fans hatte es an diesem Abend bei wunderbaren Bedingungen zunächst Grund genug gegeben, sich noch einmal am schönen WM-Gefühl zu erfreuen. Vuvuzelas tröteten zwar nicht in München. Dafür aber hatte der Stadion-DJ sein Repertoire um den Sommerhit „It's Time for Africa“ erweitert. Und dann waren natürlich auch etliche der Akteure wieder im Einsatz, die zum starken deutschen Auftritt in Südafrika beigetragen hatten. Butt, Lahm, Badstuber, Schweinsteiger, Klose, Müller und der aus Leverkusen zurückgekehrte Kroos - sie alle standen in der Startelf der Bayern, dazu der Niederländer van Bommel und der Franzose Ribéry.

          Und von Müdigkeit war anfangs noch erstaunlich wenig zu spüren. Vor allem Ribéry war es anzumerken, dass er seinen ramponierten Ruf aufzupolieren gedenkt, Angriff um Angriff lief über seine linke Seite. Aber auch die deutschen Nationalspieler brauchten sich in punkto Spielfreude und Esprit nicht zu verstecken. Kroos' Lupfer in den Strafraum nach neun Minuten war schon schön anzusehen. Aber was Müller dann daraus machte, war ein Leckerbissen, wie man ihn sich - so man es nicht gerade mit Wolfsburg hält - zum Auftakt nur wünschen konnte. Ballannahme in der Luft, den Verteidiger damit verladen, dann ein kontrollierter Linksschuss ins rechte Eck - 1:0.

          Der Investitionsmeister aus Wolfsburg brauchte sehr lange

          Spätestens jetzt war es eine eindeutige Angelegenheit, wer Raum und Spiel beherrschte. Die Bayern spielten ihr Spiel mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass die Wolfsburger nur staunend hinterher schauen konnten. Ballbesitz war für das Team in grün-schwarz in den ersten 45 Minuten ein seltenes und zumeist auch kurzes Vergnügen. Der VfL gilt einigen Beobachtern ja durchaus als potenter Herausforderer der Bayern. Immerhin sind die Niedersachsen als Investitionsmeister in diese Saison gegangen. Mehr als die rund 22 Millionen, die vor allem von Volkswagens Gnaden in die VfL-Kassen flossen, hat kein anderer Klub in seine Mannschaft gesteckt.

          Eine komplett neue Innenverteidigung mit Arne Friedrich und dem Dänen Simon Kjaer für 14 Millionen hat man sich gegönnt, dazu den Offensivmann Mario Mandzukic für sieben Millionen. Friedrich allerdings musste zum Ligaauftakt passen, er fiel kurzfristig wegen Rückenbeschwerden aus. Misimovic, der wechselwillige Regisseur saß ebenso wie Grafite nur auf der Bank. Den Mann, der aus dem Meister von 2009 wieder ein Spitzenteam formen soll, hielt es dort in der ersten Hälfte kaum: Steve McClaren, der neue Trainer, tobte in seiner Coachingzone auf und ab. Doch erhört wurden seine Signale zunächst nicht.

          Demichelis streikt gegen seine Verbannung auf die Ersatzbank

          Nach der Pause brachte er Misimovic für Pekarik - und obendrein musste es ein paar deutliche Worte gegeben haben. Mit einem Mal nämlich schienen die Wölfe aus ihrem Sommerschlaf erwacht und kamen - begünstigt durch kapitale Aussetzer der Bayern-Defensive (Schweinsteiger, Butt) gleich zu mehreren exzellenten Chancen. Mandzukic traf aus gut 20 Metern den Pfosten, Dzeko zielte knapp vorbei, Misimovic' Schuss wurde von Butt noch zur Ecke abgewehrt. Die aber nutzte der VfL in Person von Dzeko, der ziemlich ungestört zum Kopfball kam. Den erhofften Punktgewinn schenkten die Wolfsburger am Ende aber noch her, weil sie bei einem Eckball in der Nachspielzeit weder Flankengeber Ribéry, noch Siegtorschütze Schweinsteiger im Blick hatten. „Wenn man das Spiel zwischenzeitlich so herschenkt, ist die Erleichterung groß. Wenn man so schlecht spielt, wie die ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit, hat man eigentlich nicht verdient, noch zu gewinnen“, sagte Müller: „Da müssen wir noch mal intensiv besprechen, was da los war. Aber wir haben nochmal alles versucht, und es hat geklappt.“

          Für Unruhe hatte vor dem Spiel Martin Demichelis gesorgt. Der Argentinier hatte mit einem „Streik“ auf die Verbannung auf die Ersatzbank reagiert. Demichelis bat daraufhin, auf ihn als Ersatzspieler zu verzichten. Offenkundig strebt Demichelis nun einen Abschied aus München an. „Die Wahrheit ist, dass ein Zyklus zu Ende geht und es für beide Seiten besser ist, wenn wir getrennte Wege gehen. Ich hielt es auch nicht für richtig, bei der Mannschaft zu bleiben, wenn die Zeichen auf Trennung stehen“, sagte Demichelis der Bild-Zeitung (siehe: Karl-Heinz Rummenigge: „Die Meisterschaft ist keine gemähte Wiese“).

          Weitere Themen

          Wer san mia denn jetzt?

          Notlage beim FC Bayern : Wer san mia denn jetzt?

          Die Bayern 2019 sind die rätselhaftesten des Jahrzehnts: Sie kassieren frühe Rückstände, verspielen Vorsprünge, verschleudern Chancen, beschenken unterlegene Gegner, und auch das Sieger-Genom wirkt nicht mehr. Was ist nur los?

          Topmeldungen

          Annegret Kramp-Karrenbauer : Sie setzt alles auf eine Karte

          Sollte die Verteidigungsministerin einmal Kanzlerin sein, wird sie für den Mut gepriesen werden, den sie mit ihrem Syrien-Vorstoß beweist. Sollte sie es nicht werden, wird der Vorschlag ein Beispiel dafür sein, dass sie sich übernommen hat. Eine Analyse.
          Von Antifeminismus über Verschwörungstheorien bis zu Hass auf Juden: Im Netz fällt extremistische Saat schnell auf fruchtbaren Boden.

          Nazis im Netz : So ködern Extremisten Jugendliche im Internet

          Jeder vierte Jugendliche ist anfällig für Populismus. Besonders im Netz werden junge Menschen schnell zu leichter Beute. Hat Horst Seehofer recht, wenn er die Gaming-Szene stärker beobachten will?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.