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2:1 gegen Hertha BSC : Leverkusen fragiles Gefüge hält - vorerst

  • -Aktualisiert am

Wieder erfolgreich: Kießling und Co. freuen sich über das 2:1 gegen Hertha Bild: dpa

Beim Comeback von Trainer Lewandowski gelingt Leverkusen ein Sieg. Nach dem Blitzstart durch das Tor von Kießling muss Bayer gegen Hertha aber bis zum Schluss um den Sprung auf Platz vier zittern.

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          Die Erleichterung stand den Verantwortlichen von Bayer Leverkusen ins Gesicht geschrieben. Gegen Hertha BSC Berlin hatte ihre Mannschaft zwar nur in den ersten zwanzig, maximal dreißig Minuten überzeugend Fußball gespielt. Aber das genügte, um die Ergebniskrise mit nur einem Sieg aus zwölf Pflichtspielen zu beenden, die den Klub in der Tabelle zurückgeworfen und Trainer Sami Hyypiä in der vergangenen Wochen den Job gekostet hatte.

          Dank des 2:1 vom Sonntag rückte Leverkusen in der Bundesligatabelle wieder auf den vierten Platz vor, der am Ende der Saison die Chance bietet, über Play-off-Spiele die Champions League zu erreichen. „Jetzt können wir das aus eigener Kraft schaffen“, sagte Sportchef Rudi Völler. Diese Ausgangslage ist den Leverkusenern für den Endspurt wichtig. Den vierten Platz zu verteidigen, sei „leichter, als hinterherzulaufen“, sagte Bayer-Geschäftsführer Michael Schade.

          Das gilt umso mehr für eine Mannschaft, die noch nicht wieder zu alter Klasse gefunden hat, auch wenn sie gegen Berlin vielversprechend gestartet ist. Dem neuen Cheftrainer Sascha Lewandowski gefiel die schwungvolle Anfangsphase, er sah aber auch noch „viele Baustellen in unserem Spiel“. In den ersten zwanzig Minuten sei seine Mannschaft so aufgetreten, „wie sie sich unter der Woche im Training präsentierte hat“, sagte er.

          „Es gab aber auch Momente, die wir nicht souverän und sicher gelöst haben.“ Das Gegentor von Sandro Wagner (38. Minute) habe offenbart, „wie groß die Verunsicherung noch ist“. Die Mannschaft habe aber „gute Ansätze gezeigt“ und vor allem mit Blick auf Tugenden wie Willenstärke und Dynamik überzeugt.

          Kießling trifft schon in der ersten Minute

          Lewandowski half seiner Mannschaft zudem mit einem Systemwechsel auf die Sprünge. Leverkusen begann im 4-2-3-1 und startete furios. Die Bayer-Profis legten los, als könnte es ihnen nicht schnell genug gehen, sich für den Wechsel auf der Trainerbank erkenntlich zu zeigen. Nicht einmal eine Minute war verstrichen, da verliehen sie ihrer Tatkraft zum ersten Mal mit einem Treffer Ausdruck.

          Stefan Kießling nutzte eine Flanke von Rechtsverteidiger Giulio Donati zu seinem fünfzehnten Saisontor. Von diesem Erfolgserlebnis in ihrem Tatendrang bestärkt, frönten die Leverkusener ihrer Angrifflust – und legten nach. Julian Brandt, der 17 Jahre alte Mittelfeldspieler, hob den Ball nach Sons Flanke mit viel Gefühl an seinen Bestimmungsort und baute den Vorsprung aus (24.). Zwischendurch hatte Verteidiger Sebastian Boenisch mit einem Distanzschuss das Lattenkreuz getroffen.

          Erst ein bisschen wackelig, dann eng

          Doch das 2:0 entfaltete vorübergehend die Wirkung eines Beruhigungsmittels. Die Leverkusener Spieler schienen genügsam und wurden ein wenig leichtsinnig. Hertha kam besser zurecht und rief den Rheinländern spätestens mit dem Anschlusstor ins Bewusstsein, wie fragil ihr Gefüge noch ist, sobald es ungemütlich wird. „Wir haben den Gegner fußballerisch ein bisschen auseinandergenommen – leider nur in der ersten halben Stunde“, sagte Völler.

          Danach habe die Mannschaft Gegenwind gespürt. „Erst wurde es ein bisschen wackelig und dann noch mal eng.“ Als der Anfangsschwung dahin war und das Selbstvertrauen schwand, zeigten die Leverkusener sich immerhin so kämpferisch, dass sie den knappen Vorsprung ins Ziel retteten.

          Spieler laufen nicht in die Fankurve

          Fußballerisch aber bestätigten sie im zweiten Durchgang eher das, was Fans auf einem Transparent zum Thema der Woche festgehalten hatten: „Spielerleistung beschissen – nächster Trainer verschlissen – Sami war nicht der Alleinschuldige“. Bei ihren Anhängern müssen die Bayer-Profis sich verloren gegangene Sympathien erst wieder erkämpfen, dafür reichte ein am Ende holpriger Auftritt gegen Berlin nicht aus. Während der Partie waren von der Basis keine Anfeuerungsrufe zu hören gewesen.

          Im Gegenzug verzichteten die Leverkusener Spieler nach dem Schlusspfiff darauf, zur Fankurve zu laufen und gemeinsam mit den Anhängern den Sieg zu feiern. Ein Sieg über Hertha BSC Berlin macht Bayer zwar wieder zu einem ernsthaften Anwärter auf Platz vier, aber noch keine gute Stimmung im Stadion. Rudi Völler sagte, unpopuläre Maßnahmen wie die Entlassung Hyypiäs gehörten zum Geschäft. Der Sportdirektor zeigte aber „Verständnis dafür, dass wir alle in der Kritik stehen“. Diese Kritik haben Mannschaft und Manager sich schließlich in vielen Wochen erarbeitet.

          Bayer Leverkusen - Hertha BSC 2:1 (2:1)

          Bayer Leverkusen: Leno - Donati, Spahic, Toprak, Boenisch - Bender, Can - Brandt (89. Öztunali), Castro (71. Rolfes), Son - Kießling
          Hertha BSC: Kraft - Pekarik, Langkamp, Kobiaschwili (57. Baumjohann), van den Bergh - Hosogai - Allagui, Skjelbred (71. Ronny), Cigerci, Ben-Hatira (46. Schulz) - Wagner
          Schiedsrichter: Stieler (Hamburg)
          Zuschauer: 29.377
          Tore: 1:0 Kießling (1.), 2:0 Brandt (24.), 2:1 Wagner (38.)
          Gelbe Karten: Donati (4) / Cigerci (6)

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