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2:1 gegen Hannover : Szalai erlöst zehn Mainzer

Gelb für Szalai: Trikot ausgezogen nach dem Siegtor Bild: dpa

Mainz 05 gewinnt gegen Hannover 96, obwohl Torhüter Christian Wetklo Rot wegen Handspiels sieht. Szalai gelingt in Unterzahl das späte Siegtor, das bedeutsame Tabellensprünge bringt.

          Christian Wetklo hat mit Hannover 96 bis zum gestrigen 2:1-Heimsieg seiner Mannschaft vor 28.000 Zuschauern gegen die Niedersachsen eigentlich durch und durch positive Erinnerungen verbunden: Vor rund einem Jahr verteidigte er damals in der Nachspielzeit der Verlängerung mit einem gehaltenen Elfmeter eine Führung und sicherte seinem Team somit das Weiterkommen. Wichtiger noch: Von jener Rettungstat an war er endlich nach zehn Jahren im zweiten Glied bei seinem Klub die unumstrittene Nummer eins.

          Nun verlor er diesen Stammplatz freilich ausgerechnet gegen Hannover für zumindest ein Spiel. In der 49. Minute rettete er nämlich nach einem Missverständnis mit Bo Svensson außerhalb des Strafraums mit der Hand. Schiedsrichter Günter Perl musste dem außerhalb seines Reviers wirkenden Schlussmann dafür vor 28.000 Zuschauern die erste Rote Karte seiner Bundesligakarriere zeigen.

          Da der lange verletzte Ersatzmann Heinz Müller nach vorsichtigem Formaufbau und einem weiteren Einsatz in der zweiten Mannschaft an diesem Sonntag im Regionalliga-Spiel gegen Eintracht Trier in den Profikader zurückkehren soll, kam Loris Karius zu seinem ersten Einsatz für Mainz 05. Der 19 Jahre junge Schlussmann genoss zwar bis zum August des vergangenen Jahres seine Ausbildung bei Manchester City, wo er nach eigener Erinnerung sogar einmal gegen den beim City-Rivalen ausgebildeten heutigen Hannoveraner Torwartkollegen Ron-Robert Zieler in einem Reserveteam-Derby gespielt hat.

          Herausragende Parade ohne Profierfahrung

          Profierfahrung hatte der Nachwuchsmann bis gestern Nachmittag freilich nicht vorzuweisen. „Der Junge ist ja genau für diese Situationen einer Roten Karte oder einer Verletzung bei uns im Kader“, sagte Tuchel. „Und vielleicht ist es auch die richtige Situation für einen Neunzehnjährigen für ein Debüt. Er hat keine Zeit mehr zum Nachdenken gehabt.“

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          Derart frei von Selbstzweifeln parierte Karius den anschließenden Freistoß von Christian Pander herausragend, anschließend nahmen seine Vorderleute ihm die Arbeit weitgehend ab. Einmal klärte Elkin Soto nach einem Diouf-Kopfball sogar auf der Linie (81.).

          Rote Karte beschert angenehme Außenseiterrolle

          Womöglich gab Wetklo mit seiner regelwidrigen Rettungstat sogar genau das richtige Signal für seine zehn verbliebenen Mannschaftskameraden. Der Mainzer Spielansatz wurde plötzlich deutlich klarer als noch zuvor. In der ersten Halbzeit ließen die Rheinhessen im Spiel Elf gegen Elf trotz der frühen Führung durch Nicolai Müller, der nach einem Pfostenschuss des abermals überzeugenden Shawn Parker abstaubte (10. Minute), noch die letzte Entschlossenheit und Überzeugung vermissen. Nahezu folgerichtig fiel nach 28 Minuten der Ausgleich durch Christian Schulz.

          Nach dem Platzverweis für ihren Keeper igelten sich die Rheinhessen indes in Unterzahl wie ein verschworener Haufen vor dem eigenen Tor ein, kämpften um jeden Ball und lauerten auf Konter. „Durch die Rote Karte haben wir die Außenseiterrolle bekommen, in der wir total über uns hinasuwachsen konnten“, sagte Tuchel. „Das haben wir heute genau gebraucht und dann auch noch einen ‚Lucky Punch’ gemacht.“

          Szalai verdient sich sich „Lucky Punch“

          Diesen „glücklichen Schlag“, der in der Box-Sprache einen siegbringenden K.o.-Schlag des eigentlich Unterlegenen bezeichnet, setzte nahezu folgerichtig Torjäger Adam Szalai. Der Ungar leitete eine mustergültige Flanke von Eugen Polanski mit einem perfekten Kopfstoß aus rund zehn Metern ins Hannoveraner Tor weiter. Szalai hatte sich seinen neunten Saisontreffer zuvor redlich verdient.

          Gerade nach der Hinausstellung von Wetklo und der dadurch taktisch gebotenen Auswechslung von Sturmpartner Shawn Parker rackerte der 24 Jahre alte Stoßstürmer als einzig verbliebener Angreifer annähernd für Zwei. Immer wieder hielt der kantige Hüne nach langen Zuspielen aus der Abwehr Bälle oder provozierte Freistöße, die das Spiel in die Hannoveraner Hölfte und somit weit weg vom eigenen Tor verlagerten. „Szalai hat heute in vielen Situationen den Unterschied gemacht“, sagte selbst der gegnerische Trainer Mirko Slomka anerkennend. „Er hat Freistöße rausgeholt und dann auch noch seine beinahe einzige Torchance genutzt.“

          Der Siegtorschütze selbst gab anders als auf dem Spielfeld, wo er sich in seiner Freude einen 60-Meter-Sprint vor der Fantribüne samt Trikotsausziehens und folgender Gelber Karte gönnte, nach dem Abpfiff wieder den bescheidenen Mannschaftsdiener. Er hob dann vor allem hervor, „dass wir nach der Roten Karte unglaublich konzentriert gespielt haben“.

          Ein Sieg für die Ewige Tabelle

          Die Hannoveraner haderten indes mit ihrer Unfähigkeit, die Überzahl gewinnbringend zu nutzen. „Das war der Klassiker: Rote Karte für den Torhüter und dann denkst Du: ’Das schaffen wir schon’“, sagte 96-Verteidiger Christian Schulz. „Die Niederlage ist sehr ärgerlich, weil die drei Punkte zum Greifen nah waren.“

          So aber hat Mainz 05 den siebten Saisonsieg eingefahren. Der Lohn für Mainz 05 sind zwei bemerkenswerte Tabellensprünge durch den späten Sieg: Zum einen steht der Klub mit nun 23 Punkten vor dem seit vielen Jahren stets annähernd gleichauf liegenden Rivalen aus Niedersachsen auf Rang sechs. Zum anderen ist Mainz 05 nun endgültig im Rhein-Main-Gebiet die Nummer zwei, wenn man die Ewige Tabelle der Bundesliga zu Rate zieht. Seit gestern ist der Klub nun vor den Offenbacher Kickers 27. in dieser Rangliste für Nostalgiker.

          FSV Mainz 05 - Hannover 96 2:1 (1:1)

          FSV Mainz 05: Wetklo - Pospech, Svensson, Noveski, Zabavnik - Nicolai Müller (90.+2 Bell), Polanski, Soto, Ivanschitz (83. Risse) - Szalai, Parker (52. Karius)
          Hannover 96: Zieler - Cherundolo, Eggimann, Haggui, Pander - da Silva Pinto, Schulz - Stindl, Schlaudraff (73. Ya Konan), Rausch (69. Huszti) - Diouf (88. Sobiech)
          Schiedsrichter: Perl (Pullach)
          Zuschauer: 28.277
          Tore: 1:0 Nicolai Müller (10.), 1:1 Schulz (28.), 2:1 Szalai (89.)
          Gelbe Karten: Noveski (4), Szalai (4) / Haggui (5), Schulz (2), da Silva Pinto (3)
          Rote Karten: Wetklo (49./Handspiel) / -

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