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2:1 gegen Hamburg : Stuttgarter Affentheater war gestern

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Stuttgarter Affentanz: Machen sich Ginczek, Harnik und Didavi über ihren Trainer lustig? Bild: dpa

Nach dem 2:1 im Duell der Traditionsvereine der Fußball-Bundesliga lebt die Hoffnung wieder im Schwabenland. Der Hamburger SV rutscht auf Platz 17 ab, der erste Abstieg in der ruhmreichen Geschichte ist wohl nur noch 90 Minuten entfernt.

          Der Glaube, sich auf den letzten Drücker retten zu können, ist am Samstag noch einmal gestärkt worden. Und die Hoffnung lebte ja vorher schon in Stuttgart. Der 2:1-Erfolg über den Hamburger SV am vorletzten Bundesliga-Spieltag durch Tore von Gentner (27. Minute) und Harnik (35.) bei einem Gegentreffer von Kacar (12.) hat die Schwaben nach Wochen auf dem letzten Tabellenplatz schon mal auf den Relegationsrang 16 gehievt.

          Das genauso bedrohte Liga-Gründungsmitglied HSV dagegen sackte eine Runde vor Schluss auf Rang 17 ab und müsste, bliebe es auch nach dem abschließenden Heimspiel gegen Schalke 04 am nächsten Samstag so, erstmals in seiner ruhmreichen Geschichte absteigen. Der VfB dagegen sehnt ein glückliches Ende seiner Aufholjagd herbei. Es winkt mit einem Auswärtssieg in der letzten Runde beim neuen Tabellenletzten SC Paderborn. So mutig und offensiv die Stuttgarter gegen den HSV auftraten und dabei viel zu knapp gewannen, scheinen die Chancen nicht schlecht zu stehen, sich wie schon im Vorjahr zum guten Schluss noch in Sicherheit bringen zu können.

          Methode Stevens: Affige Ansprache vor dem Spiel Bilderstrecke

          Das Stuttgarter Affentheater war gestern, die Vergangenheit beider Trainer beim Gegner von Samstag war vorgestern. Als es galt zwischen dem VfB und dem HSV, zählte die Hallo-Wach-Beschimpfung von Huub Stevens an die Adresse seiner Spieler vom Donnerstag („ihr seid Affen“) so wenig wie die Hamburger Vergangenheit von Stevens und die Stuttgarter Jahre von Labbadia. „Das Spiel wird deswegen so besonders, weil es für beide Mannschaften um sehr viel geht“, hatte der HSV-Coach vor der Rückkehr an seinen früheren Arbeitsplatz richtigerweise gesagt.

          Bundesliga-Drama mit allen Zutaten

          Zeit für Reminiszenzen oder gar für den Blick zurück auf den gewollten Trainingsplatz-Ausraster von Stevens blieb am Samstag nicht. Was die 60.000 Zuschauer am Samstag in der ausverkauften Stuttgarter Arena erlebten, war ein pralles Bundesliga-Drama mit allen Zutaten, die zum existenziellen Abstiegskampf gehören. Schon zur Pause waren viele Zuschauer mit den Nerven fertig, so heftig wogte das Süd-Nord-Duell der beiden Traditionsklubs hin und her.

          Zunächst hatte der HSV das Momentum auf seiner Seite, als Kacar mit seinem dritten Treffer in den vergangenen drei Spielen nach van der Vaarts punktgenauem Freistoß die Hamburger in Führung brachte. Der unhaltbare Kopfball des Serben (12.), der den HSV zum Saisonende ebenso verlassen dürfte wie der holländische Spielmacher, brachte die Schwaben minutenlang völlig durcheinander. Kaum ein Zuspiel fand noch den Weg zum eigenen Mann, der anfängliche Druck auf das Hamburger Tor von René Adler war hin und die ersten bangen Gedanken machten die Runde. Schließlich drohte schon am Samstag unter ungünstigen Umständen der zweite Bundesliga-Abstieg des VfB nach 1975.

          Es war eine verquere Situation, in der der Kapitän gefordert war, voranzugehen. Und Christian Gentner gab sich den Ruck, der sein Team wiederbelebte. Schwaabs abgefälschten Pass drosch der Anführer der Stuttgarter Mannschaft umstandslos ins Tor (27.). Dass der Ball durch die Beine von Adler sauste, begünstigte noch das Zustandekommen dieses Treffers. Danach stand der HSV, zuvor noch spielbestimmend, derart unter Schock, dass Labbadias Profis bei Kostics Eckball (37.) schlecht organisiert waren. Verteidiger Westermann lenkte die Kugel so unglückselig weiter, dass Harnik freie Bahn hatte. Der bei Hamburg geborene Österreicher fackelte nicht lange und erzielte mit einem Schuss unter die Latte sein neuntes Saisontor. Stevens nahm es stillvergnügt zur Kenntnis und machte sich seine Notizen. Ob er die noch braucht?

          2:1 – die Stuttgarter Führung zur Pause belohnte die aktivere und offensiv stärkere Mannschaft in diesem hochintensiven Zweikampf. Bei Halbzeit waren die Stuttgarter vom letzten Platz auf den Nichtabstiegsrang 14 vorgerückt, während die Hamburger von Position 14 auf den Abstiegsplatz 17 zurückgefallen waren.

          In die zweite Hälfte nahm der enthusiastisch angefeuerte VfB schnell wieder Fahrt auf und versäumte es dabei nur, mit einem weiteren Treffer seinen knappen Vorsprung auszubauen. Didavi scheiterte in aussichtsreicher Position ebenso an Adler wie Baumgartl und vor allem Ginczek. Von Harnik fast freigespielt, staunte er selbst darüber, dass ihm Djourou noch zuvorgekommen war und zum Eckball geklärt hatte (62.).

          Die harmlosen Hamburger konnten von Glück reden, dass sie immer noch im Spiel waren – dank Adler, der Harniks Schuss gegen das Außennetz (82.), Kostics Kracher gegen die Latte lenkte (83.). und auch noch Werners Versuch parierte (88.). Da die Hamburger nichts dagegenzusetzen hatten, blieb es beim allemal verdienten Erfolg des VfB. Retten aber muss er sich kommende Woche im nächsten Abstiegskrimi beim SC Paderborn.

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