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2:1 gegen Bremen : Die Rückkehr des Hamburger Helden

  • -Aktualisiert am

Lass dich drücken: Ostrzolek herzt Lasogga Bild: Reuters

Es brauchte wohl erst ein Derby: Hamburg und Pierre-Michel Lasogga entdecken das Fußballspielen wieder für sich. Bremen dagegen investiert im Abstiegskampf viel zu wenig – und muss sich nun ernsthaft sorgen.

          2 Min.

          Bruno Labbadia hatte schon länger drauf gehofft, dass sich eines seiner Sorgenkinder endlich aus der persönlichen Krise befreien würde. Am Freitagabend im Nordderby gegen Werder Bremen war es Pierre-Michel Lasogga, der aus einem wochenlangen Tief erwachte und seinen Trainer sowie die HSV-Fans und alle Verantwortlichen mit zwei Toren erfreute. Sein 1:0 in der sechsten Minute und das 2:0 in der 33. Minute waren seine ersten Treffer in dieser Rückrunde. Die lichten Momente des 24 Jahre alten Angreifers ermöglichten dem Hamburger SV einen am Ende zittrigen, eminent wichtigen 2:1-Sieg gegen Bremer, die eine Halbzeit verschliefen und dann dem 2:2 aber sehr nahe waren.

          Dass die Hamburger überhaupt noch ins Wanken kamen, lag an der wieder einmal schlechten Chancenverwertung in der ersten und einer passiven zweiten Halbzeit. Für Werder traf der gute Anthony Ujah in der 65. Minute. Während dem HSV seinen vierten Rückrundensieg gelang und am viertletzten Spieltag den vielleicht entscheidenden Schritt Richtung Klassenverbleib machte, bleibt Werder nach der 16. Saisonniederlage heißer Kandidat für die Relegation.

          Es herrschte Endspielstimmung im Volksparkstadion, ausverkauft, 57 000 Zuschauer. Beide Fanlager entfachten eine außergewöhnliche Stimmung. Doch nach sechs Minuten feierten nur noch die Hamburger Anhänger. Nach einem langen Schlag Jaroslav Drobnys überlief Nicolai Müller den Bremer Papy Djilobodji und passte scharf in die Mitte. Am langen Pfosten stand Lasogga frei und drückte den Ball über die Linie.

          Hamburger Held des Abends: Pierre-Michel Lasogga (unten) Bilderstrecke
          Hamburger Held des Abends: Pierre-Michel Lasogga (unten) :

          Die Hamburger Führung eröffnete eine packende erste Halbzeit, in der der HSV aggressiv und schnell spielte und den Bremern in fast jeder Situation überlegen war. Werder wirkte drei Tage nach dem 0:2 im DFB-Pokal bei Bayern München müde und auch gedanklich langsam. Schon in der 18. Minute wäre Michael Gregoritsch beinahe das 2:0 gelungen, doch Felix Wiedwald wehrte seinen Freistoß aus 28 Metern ab. In der 22. Minute verpasste Müller nach einem Konter den zweiten Treffer. Bremen nahm nur sporadisch teil – etwa als Florian Grillitsch nach einem schnellen Gegenangriff an Drobny scheiterte (24. Minute). Sechs Minuten später hätte Gregoritsch per Kopf treffen müssen, doch Wiedwald parierte klasse.

          Besser machte es dann wieder Lasogga. Matthias Ostrzolek setzte zu einem starken Lauf über links an, ließ sich von Jannik Vestergaard nicht stören und flankte genau auf Lasoggas Kopf. Der Sturmbulle schmiss sich in den Ball und traf zum 2:0. Der HSV ließ nun etwas nach, und Werder kam besser ins Spiel. Beinahe wäre Clemens Fritz in der 40. Minute das 2:1 gelungen. Doch wieder war es Adler-Ersatz Drobny, der den HSV vor weiterem Schaden bewahrte.

          Nach der Pause bestimmte Werder die Partie. Der HSV wartete ab, doch das ging beinahe sofort schief: Als Johan Djourou im Strafraum Claudio Pizarro traf, entschied Schiedsrichter Manuel Gräfe auf Elfmeter. Doch Pizarros Kullerball war Drobnys leichte Beute. Doch der HSV wackelte jetzt, weil Werder drückte. Allzu passiv, fingen sich die Hamburger den Anschlusstreffer durch den eingewechselten Anthony Ujah ein (65.) – allerdings aus Abseitsposition.

          Die Partie stand auf der Kippe, weil der HSV das spielen eingestellt hatte und sich auf dem Vorsprung ausruhte. Jeder Hamburger Ball kam umgehend zurück, und Werder hatte in Ujah nun einen torgefährlichen Spieler. Der HSV befreite sich danach aus der gröbsten Umklammerung, versäumte aber den entscheidenden Konter, weil die Präzision fehlte und Lasogga vorn als einzige Spitze immer müder wurde. So blieb diese Nordderby bis zum Ende der mit Nachspielzeit 95 Minuten hochspannend – auch, weil einer wie Pizarro natürlich immer einmal treffen kann. Er tat es in der 95. Minute per Kopf aber nicht.

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