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2:1 gegen Bayern : Freiburg weiß gar nicht, wohin mit dem ganzen Glück

Obenauf: Nils Petersen nach dem Siegtreffer für Freiburg Bild: AFP

Ein Kontertor von Petersen in der 88. Minute bringt den Freiburger Sieg gegen den FC Bayern. Nach dem 2:1 gibt es im Schwarzwald-Stadion kein Halten mehr.

          Der Fahrplan für einen feucht-fröhlichen Nachmittag stand schon im Voraus fest: 17.35 Uhr: Freigetränke, 18 Uhr: große Party hinter der Nordtribüne. Daran sollte es nichts zu rütteln geben, egal, was auf dem Platz geschah. Die Freiburger Mannschaft aber, darauf hatte die Stadionregie vor dem Anpfiff ausdrücklich hingewiesen, würde nicht dabei sein.

          Wichtige Verpflichtungen, könnte man sagen, wenn auch nicht an diesem Abend, sondern in der kommenden Woche: beim Saisonfinale der Fußball-Bundesliga. Dann hat der SC Freiburg es selbst in der Hand, mit einem Unentschieden bei Hannover 96 den Klassenverbleib in der Fußball-Bundesliga perfekt zu machen. Nach Kräften gefeiert aber wurde auch so schon. Einen veritablen badischen Coup wie an diesem 33. Spieltag erlebt man schließlich auch in Freiburg nicht alle Tage. Genau genommen war der letzte Sieg gegen den FC Bayern fast zwanzig Jahre her - und nun dieses 2:1, das die Freiburger in der Tabelle auf 34 Punkte und Rang 14 bringt.

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          Im Schwarzwald-Stadion gab es kein Halten mehr, nachdem der erst kurz zuvor eingewechselte Nils Petersen in der 89. Minute auf Vorlage von Guédé den famosen Freiburger Streich perfekt gemacht hatte. Zuvor hatte Bastian Schweinsteiger die Bayern in Führung gebracht (13. Minute), Admir Mehmedi glich noch in der ersten Hälfte aus (33.). Nach dem Abpfiff rannten Freiburger Spieler kreuz und quer über den Rasen – sie schienen gar nicht wohin zu wissen mit ihrem Glück. Und Glück - davon hatten sie in dieser Saison ja nun wirklich nicht viel gehabt.

          Auch an diesem Samstag schien es das Schicksal mal wieder schlecht zu meinen mit dem Team von Christian Streich. Nach einer knappen Stunde, beim Stand von 1:1, war Mehmedi vor dem Tor von Rafinha zu Fall gebracht worden. Es hätte gut und gern Elfmeter für Freiburg und Rot für den Münchner geben können. So blieb es eine packende Partie bis zum Schluss, in der Torwart Roman Bürki mehr als einmal die Freiburger im Spiel hielt. Das Ergebnis aber ging am Ende doch auch in Ordnung. Schließlich hatten sich die Bayern nach einem Auftakt mit viel Autorität doch nicht mehr mit letzter Konsequenz in diese Aufgabe hineinbeißen können – während die Freiburger sich auch von einer Phase der Überforderung zu Beginn nicht entmutigen ließen und mehr und mehr an Format gewannen.

          An der Ernsthaftigkeit der Münchner Bemühungen hatte ja mancher im Vorfeld seinen Zweifel geäußert. „Wir sind immer seriös“, entgegnete Pep. Und präsentierte eine Mannschaft, die auf dem Papier keinesfalls den Verdacht der Wettbewerbsverzerrung weckte. Im Vergleich zum Barcelona-Spiel erlaubte er sich drei Änderungen, Rode, Götze und Weise spielten für Thiago, Müller und Lahm – diese maßvolle Rücksichtnahme auf die körperliche Verfassung seiner strapazierten Stars konnte man Guardiola nicht zum Vorwurf machen. Zumal sich sein von Rode angetriebenes Team auch in der Praxis zunächst unangreifbar zeigte - und für die Freiburger nahezu ungreifbar.

          Streichs Team bekam zu Beginn keinerlei Zugriff auf dieses Spiel. Beim 0:1 kam den Bayern noch das naive Zweikampfverhalten von Günter zu Gute, der sich von Weiser allzu leicht versetzen ließ. Dessen Hereingabe brauchte Schweinsteiger nur noch über die Linie zu drücken.

          Es sah in dieser Phase nicht gut aus für den Sport-Club. Dessen rechtschaffene Bemühungen in Defensive und Mittelfeld mündeten so gut wie nie in Aktionen, die in die Nähe des Tores von Manuel Neuer führten, und wenn doch, schlossen die Freiburger überhastet ab – bis zur 33. Minute. Ein großer Verdienst gebührte Klaus, der den Ball von Schweinsteiger eroberte, sehenswert und vor allem sehr entschlossen war es dann, wie Mehmedi den Ball an der Strafraumlinie entlang trieb und just den richtigen Moment für seinen Flachschuss ins linke Eck erwischte, gegen den Neuer keine Chance hatte.

          Der Sport-Club wurde mit viel Applaus von den Fans in die Kabine begleitet. Und die Mannschaft nahm die akustische Vorlage beherzt auf. Eine Schrecksekunde galt es zu überstehen, als Torhüter Bürki meisterhaft einen Kopfball von Götze entschärfte – es war fast die einzige Szene, in der vom Weltmeister Gefahr für das Freiburger Tor ausging. Unter den Augen von Bundestrainer Löw, der ihm während der Woche noch energisch zur Seite gesprungen war, wirkte Götze abermals wie ein Mitläufer im Münchner Team. Dass man beim FC Bayern mehr von ihm erwartet, machte Klubchef Rummenigge am Samstag im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ deutlich.

          Wenig später folgte die Szene, die für heftige Reaktionen auf Freiburger Seite sorgte – und über die man womöglich noch lange geredet hätte, wäre es beim 1:1 geblieben oder gar noch schlimmer gekommen.

          Gegen Ende brachte Guardiola dann noch Müller, Lahm und Thiago, doch es war ein Freiburger Wechsel, der letzte des Tages, der das Spiel entschied.

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