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2:1 gegen Augsburg : Geschenkter Elfmeter zum Münchner Derbysieg

  • -Aktualisiert am

Diskussionsbedarf: die Augsburger Spieler können nicht fassen, was Linienrichter Kempter (l.) und Schiedsrichter Kircher gesehen haben Bild: dpa

Der Bayern-Dusel ist wieder da: Schiedsrichter Kircher verhilft dem Meister mit einem Elfmeterpfiff in der 90. Minute zum 2:1-Sieg gegen den FC Augsburg. Müller verwandelt skrupellos.

          Der FC Augsburg hat das Rezept gefunden, die Bayern zu ärgern. Nach zwei Siegen in den vergangenen beiden Spielzeiten standen die Schwaben am Samstag kurz davor, ein 1:1 zu ergattern. Dann schenkte Schiedsrichter Kircher den Bayern einen Elfmeter, den Thomas Müller sicher zum Siegtreffer nutzte.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Außenstürmer Costa war in den Augsburger Gegenspieler Feulner hineingelaufen, fiel hin – und Kircher ließ sich nach kurzem Zögern zu einem Pfiff hinreißen. Der Assistent an der Linie hatte ihn dazu aufgefordert - was ein Fehler war, wie Kirchner später einräumte. „Für den Assistenten war klar, dass es sich um ein Foul handelte, und ich habe mich diesem Urteil angeschlossen“, sagte er. „Die Fernsehbilder haben gezeigt, dass wir falschlagen. Sorry - auch wenn das Augsburg leider nichts mehr nutzt.“ Der Augsburger Trainer Markus Weinzierl war entsprechend bedient: „Es ist bodenlos, da ein Elfmeter zu geben. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll nach einer solchen Entscheidung, mit der sich ein Linienrichter auch mal wichtig machen will.“ 

          Esswein hatte zuvor den Außenseiter kurz vor der Pause überraschend in Führung gebracht, Lewandowski glich eine Viertelstunde vor dem Abpfiff aus. Bei den Bayern gab der neuverpflichtete französische Nationalspieler Coman in der letzten halben Stunde eine unauffällige Premiere.

          Die Bayern-Torschützen vom Dienst: Thomas Müller und Robert Lewandowski treffen beide Bilderstrecke

          Schon zur Pause hatte Augsburg seinen Ruf bestätigt, der zur Zeit unangenehmste Bundesligagegner der Bayern zu sein. Bis zum Samstag machten viele Experten vor allem die Launen des Spielplans dafür verantwortlich, dass Markus Weinzierl als einziger Bundesligatrainer schon zwei Mal gegen Pep Guardiola gewonnen hatte.

          Bei beiden 1:0-Siegen waren die Münchner schon Meister und hatten es nicht mehr nötig, mit letztem Einsatz um die Punkte zu kämpfen. An diesem vierten Spieltag traf das nicht zu, und dennoch entwickelte sich das gleiche Spielchen wie bei den Niederlagen zuvor.

          Die Bayern ständig in Ballbesitz und auf der Suche nach dem Pass, der den Augsburger Abwehrverbund durchschnitt. Die Augsburger stets hellwach verteidigend, mit einem herausragenden Gefühl für Zeit und Raum. Die Antizipationsfähigkeit und die Handlungsschnelligkeit der Donauschwaben liegen deutlich über dem Bundesligaschnitt.

          Lewandowski konnte einem leid tun. Der polnische Weltklassespieler der Münchner versuchte alles, er kam jedoch in der ersten Halbzeit nicht einmal kontrolliert in Strafraumnähe an den Ball. Wenn es für Augsburg gefährlich wurde, dann über die Außenpositionen, oder wenn Thiago zu einem Dribbling ansetzte. Aber auch bei den Hereingaben von der Torauslinie und Zuspielen von Thiago passten die Augsburger auf und waren einen Tick eher am Ball als die Bayern-Angreifer. Eine große Torchance spielten sich die Münchner in der ersten Halbzeit heraus. Doch bei einem Kopfball von Thiago reagierte FCA-Torwart Hitz famos.

          So clever und geschickt die Augsburger sich in der eigenen Spielhälfte verhielten, hatten sie jedoch im Angriff überhaupt keine Ambitionen. Der übergewichtig wirkende Bobadilla hatte gegen Boateng nicht den Hauch einer Chance, jeder Angriff war spätestens nach der dritten Station beendet. Das galt bis zur 42. Minute. Dann setzte sich 5-Millionen-Euro-Zugang Koo durch und passte zu Bobadilla. Dessen Pass verwertete Esswein mit einem Direktschuss zur überraschenden Führung.

          In der zweiten Halbzeit schienen die Bayern die Augsburger sturmreif geschossen zu haben. Die Schwaben wirkten zermürbt von der vielen Laufarbeit, die nötig war, die Passwege der Bayern zuzustellen. Nun boten sich den Münchnern erstmals auch im Sturmzentrum große Lücken. Fast im Minutentakt erarbeitete sich der Favorit riesige Ausgleichschancen. Aber wenn es ums Vollstrecken ging, dann wirkten die Bayern unentschlossen und unkonzentriert. Müller traf den Ball nicht richtig, Lahm ließ sich noch von einem Verteidiger abdrängen, Lewandowski schoss Torwart Hitz an.

          In der 77. Minute war es dann eine Energieleistung von Lewandowski, die dann die Bayern belohnte. Dreimal behauptete er den Ball im Dribbling, setzte Müller ein und nach dessen Schuss bugsierte er den abprallenden Ball über die Torlinie. Mit so viel Willen als Grundlage hätten die Münchner schon viel früher ein Tor erzielt. So blieb ihnen nur noch eine Viertelstunde zum Sieg.

          Eine Zeitspanne, die ausreichte, weil Schiedsrichter Kircher es in der 90. Minute gut mit dem Favoriten meinte. Müller ließen die wütenden Augsburger Proteste wegen des Elfmeterpfiffes kalt. Mit seinem sechsten Saisontreffer erzielte er das 2:1.

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