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2:0 in Leverkusen : Vorwärts, Schalke!

  • -Aktualisiert am

Der Stoßstürmer: Kevin Kuranyi Bild: dpa

Mit seinen Saisontoren 16 und 17 sichert Kuranyi seinem Klub einen 2:0-Sieg in Leverkusen. Sogar Trainer Magath nimmt das M-Wort jetzt in den Mund. Und Joachim Löw dürfte auf der Tribüne ins Grübeln gekommen sein.

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          Endlich einmal konnten die Schalker Fans ihre dringende Aufforderung unmittelbar loswerden. „Jogi, mach die Augen auf“, skandierten sie in der BayArena in Richtung des Mannes, der neben Rudi Völler, seinem Vorvorgänger als Bundestrainer, saß. Joachim Löw hat am Samstagabend die Augen aufgemacht, und dabei ist ihm der Mann des Tages bei diesem Bundesliga-Spitzenspiel gewiss nicht entgangen. Es war für alle unübersehbar, dass der von Löw als Nationalspieler nach seiner „Flucht“ beim WM-Qualifikationsspiel gegen Russland am 11. Oktober 2008 in Dortmund auf Dauer suspendierte Kevin Kuranyi beim FC Schalke 04 wieder einmal Überragendes geleistet hatte.

          Mit seinen Saisontreffern 16 und 17 (11. und 27. Minute) zum 2:0-Erfolg der „Königsblauen“ beim Tabellendritten Bayer Leverkusen katapultierte er sich an die Spitze der Torschützenliste und seinen Klub an die Spitze der Bundesliga-Tabelle. Kein Wunder, dass rund 10.000 glückselige Fans der Schalker ihren Schützenkönig mit donnernden Sprechchören feierten und ihn danach als Vorjubler auf dem Zaun sehen wollten. Kuranyi, jenseits des Fußballplatzes ein eher leiser, freundlicher Zeitgenosse, erfüllte auch den Herzenswunsch nach einer lautstarken Zugabe und rief den Anhängern per Megafon zu: „Vorwärts, Schalke, kämpfen und siegen.“

          Alle drei Elemente zum Tagestriumph verkörperten die Westfalen bei ihrem besten Auswärtsspiel der Saison drei Tage nach der vermeintlich kräftezehrenden 0:1-Heimniederlage im Pokalhalbfinale gegen den FC Bayern München. Sie stürmten vorwärts bis auf Platz eins, nachdem die Bayern ihnen den Gefallen einer 1:2-Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart getan hatten; sie kämpften wie immer mit einer meisterhaften Hingabe und Organisation um den Erfolg; und sie siegten diesmal nicht schmucklos wie so oft, sondern mit Spielwitz, Elan und Intelligenz.

          Im Torwartduell gegen Adler blieb Neuer Sieger: bei ihm stand die Null

          Diese Schalker Demonstration der kollektiven Stärke mag auch Löw, der sich nach dem Spiel nicht äußerte, imponiert haben. Ob er, der den damaligen Tribünenhocker Kuranyi für seine Frustabreise zurück nach Haus viel zu hart bestraft hat, nun die Größe hat, sein (Vor-)Urteil aufzuheben, ist eine der spannenden Fragen im Schlussbogen der Saison.

          Kuranyi will um WM kämpfen

          Fachlich fundierte Fürsprecher hat der „auf“ Schalke vom Sündenbock für verpasste Titel in der Vergangenheit zum Volkshelden aufgestiegene Angreifer mit lateinamerikanischen Familienwurzeln längst genug. So empfahl ihn am Samstag auch Jupp Heynckes, der Trainer des deutlich unterlegenen Verlierers, für höhere Weihen: „Kuranyi ist ein sehr guter Stürmer. Vielleicht überdenkt der Bundestrainer das noch mal, denn vorne sind wir ja nicht so gut bestückt.“ Klose zwei Saisontore, Podolski auch nur zwei, Gomez noch verletzt und davor auch nicht in herausragender Verfassung - da drängen sich Kuranyi und der von ihm in der Torschützenliste an der Spitze abgelöste, derzeit verletzte Leverkusener Kießling als Alternativen geradezu auf.

          Kevin Kuranyi selbst, der seinen Blackout von vor zwei Jahren längst bereut hat, sagte am Samstag: „Ich habe noch Hoffnung. Ich bin in der besten Form meiner Karriere, aber ich kann nicht entscheiden. Es kann nur ein Mensch ändern - und ich werde so lange kämpfen, bis der es auch tut.“

          Da die Fakten und Daten eindeutig pro Kuranyi sprechen, der unter Trainer Felix Magath die beste Saison seiner Karriere hinlegt, brauchte sein Trainer gar nicht mehr explizit für den umworbenen Stürmer zu argumentieren. Tags darauf merkte Magath allerdings für jedermann verständlich an: „Als Trainer muss man ab und zu Entscheidungen, die man getroffen hat, verändern oder zurücknehmen. Es geht darum, dass die Mannschaft erfolgreich spielt. Dem hat sich alles, auch der Trainer unterzuordnen.“

          Magath nimmt das M-Wort in den Mund

          Magath traute sich angesichts der jüngsten Tabellenkonstellation in einer anderen Frage erstmals aus voller Deckung und lüftete die Tarnkappe ein wenig. Und siehe da, das M-Wort ist auch für ihn im öffentlichen Raum nicht länger tabu. „Wenn wir am nächsten Samstag die Bayern schlagen würden, hätten wir schon Chancen auf den Meistertitel“, prognostizierte Magath in aller Vorsicht. Wer die Münchner zweimal (2005/2006) und die Wolfsburger einmal (2009) zum Titel geführt hat und dazu als ein Fußballlehrer gilt, in dem sich pädagogische Strenge, fachliche Autorität und mitreißender Unternehmungsgeist auf das Vortrefflichste mischen, redet erst dann von höchsten Zielen, wenn sie zum Greifen nah scheinen.

          Die Hürde Leverkusen nahmen die Schalker, fit wie kein zweites Bundesligateam, im Sturm; nun soll gegen die Bayern die Revanche für das Pokalausscheiden folgen. Hätten Magaths Auserwählte erst einmal fünf Punkte Vorsprung vor dem Rekordmeister, wären die Schalker vermutlich kaum noch aufzuhalten auf dem Weg zum ersten Titel für den Traditionsklub seit 1958. Das Traumziel so konkret wie noch nie in dieser Spielzeit vor Augen, ließen die Fans ihre „Helden“ schon mal auf Vorschuss wie bei einer Meisterfeierprobe hochleben. Manuel Neuer aber, der wie René Adler, sein ihm bei der Nationalelf (noch) vor die Nase gesetzter Leverkusener Torwartkollege, seinen Job in der BayArena fehlerlos verrichtete, mahnte zur Vorsicht. Zu seinem 24. Geburtstag mit einem wertvollen Zu-null-Sieg reich beschert, sagte er: „Wir haben 2007 - als Schalke zuletzt den Titel verspielte - gesehen, dass man sich am Ende auch verrückt machen kann. Da haben wir in den sauren Apfel gebissen. Deswegen stoppen wir unsere Euphorie jetzt ein bisschen.“ Zumindest bis zum kommenden Samstag.

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