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2:0 in Bremen : Bayern im Sparprogramm

Luiz Gustavo (r.) erlöst die Bayern Bild: dpa

Der FC Bayern hält sich in Bremen lange Zeit zurück, schlägt in der Schlussphase aber zweimal zu: Gustavo und Mandzukic treffen beim 2:0 gegen Werder.

          3 Min.

           Auf die Frage, wer die Bayern stoppen soll, gibt es auch nach sechs Spieltagen noch keine Antwort. Mit dem 2:0 bei Werder Bremen schrieben die Münchner ihre bislang makellose Bilanz in dieser Saison fort. Dennoch war es nicht unbedingt ein Nachmittag, der fortgesetzte Langeweile an der Spitze der Fußball-Bundesliga befürchten ließ.

          Erst spät stellten Luiz Gustavo (81. Minute) und Mario Mandzukic (83.) mit ihren Toren den Erfolg sicher. Und weil es über 90 Minuten betrachtet doch ein wenig zu zurückhaltend und ideenlos war, wie der Rekordmeister diese Aufgabe bewältigen wollte, war aus dieser Momentaufnahme keinesfalls so etwas wie unangreifbare Dominanz zu entnehmen. Es war vielmehr zu beobachten, dass auch den Bayern nicht alles spielend leicht vom Fuß geht, wenn sie sich selbst ein wenig bremsen. Die Warnungen von Sportchef Sammer, der sich jede Form von Nachlassen nach dem perfekten Start ausdrücklich verbeten hatte, wurden in Bremen also mit Anschauungsmaterial unterfüttert. Bis zur Schlussphase, in der die Münchner mit Macht und Wucht auf den Sieg drängten, hatte Werder mit viel Einsatz und Laufarbeit durchaus Paroli geboten. Natürlich ließ sich der Sieg aus Münchner Sicht so aber auch mit einer speziellen Klasse begründen: Der Geduld, einen Gegner erst müde zu spielen und dann effektiv zuzuschlagen.

          Münchener Rotationsmaschine

          Bremer und Bayern sind sich ja nicht immer grün. Aber in einer Angelegenheit gab es am Samstag keine zwei Meinungen: Claudio Pizarro haben sie hier wie dort lieb. Bei seiner verspäteten Verabschiedung aus Bremen wurde der Peruaner von beiden Fantribünen ausgesprochen herzlich mit Sprechchören bedacht. Während der Woche hatte er gegen Wolfsburg mit seinem 337. Ligaspiel eine alleinige Rekordmarke unter allen ausländischen Spielern in der deutschen Oberklasse aufgestellt. Pünktlich zu seiner Rückkehr nach Bremen hielt Jupp Heynckes die Zeit reif für den ersten Startelf-Einsatz des Angreifers in dieser Saison. Der Bayern-Trainer hatte ohnehin wieder die Rotationsmaschine angeworfen und neben Mandzukic auch Martínez, Shaqiri und dem verletzten Robben eine Pause zuteil werden lassen. Für sie spielten Luiz Gustavo, Müller und Kroos. Und die Dominatoren der bisherigen Saison gingen ihr Tagwerk ziemlich gebremst an. Wenn man es positiv sehen wollte, konnte man darin auch das Selbstbewusstsein einer Mannschaft voller Qualität erkennen. Und dazu darf ruhig auch einmal eine Portion Geduld gehören, vor allem, wenn sich die Einsätze häufen wie in diesen Wochen: Vergangenen Dienstag noch Wolfsburg, am nächsten dann in der Champions League gegen Borissow in Minsk. Da wollen die Kräfte eingeteilt sein.

          „Zu Barcelona aufschließen“ - das ist das Motto, das Bastian Schweinsteiger am Samstag in einem Zeitungsinterview vorgegeben hat. Auf diesem Weg sollte aber natürlich nicht schon Bremen einen Stolperstein bereithalten. Eine Weile hatten Reisen in den hohen Norden durchaus einen gewissen Schrecken für die Bayern. Der hatte sich zuletzt aber weitgehend verflüchtigt. Seit 2006 war Werder kein Heimsieg mehr gelungen. Immerhin: Am Samstag ergriff Schaafs Team häufiger die Initiative, insbesondere in Person von Aaron Hunt oder wenn Eljero Elia sein Tempo auf der linken Außenbahn gegen Philipp Lahm ausspielte. Aber Chancen brachte das genauso wenig wie das Münchner Sparprogramm der ersten 45 Minuten. Ein Kopfball von Pizarro übers Tor, ein abgeblockter Schuss von Kroos und dann noch einmal Pizarro per Kopf kurz vor der Pause - das war es schon. Überhaupt war es, wenn man von ein paar Nickligkeiten vor allem von Seiten der Bayern absah, ein Spiel ohne viel Feuer, dafür mit umso mehr Fehlern.

          Der Anspruch der Bayern ist ein anderer

          Damit konnte die neu zusammengestellte, junge und damit zwangsläufig unvollendete Bremer Mannschaft vielleicht noch leben. Der Anspruch der Bayern ist ein anderer. Und gemessen daran gingen sie mit eigenen Kombinationen doch ein wenig sparsam zu Werke. Weder von Schweinsteiger aus der Zentrale noch über die Außenpositionen mit Müller und Ribéry kam allzu viel Konstruktives. Und aus den Versuchen, den Bremern in neuralgischen Zonen überfallartig den Ball abzuluchsen, sprang auch nichts Zwingendes heraus.

          Nach der Pause dauerte es indes nicht allzu lange, bis die Bayern einem Torerfolg ziemlich nahe kamen. Werders Gebre Selassie servierte freundlicherweise Kroos den Ball, nach dessen Zuspiel traf Ribéry den Pfosten. Der Startschuss? Jetzt waren erst einmal die Bremer an der Reihe, doch bei de Bruynes Schuss fehlte die Wucht, bei Petersens die Übersicht. Es wurde nun munterer, und die Trainer versuchten, dem Trend mit Wechseln zu ihren Gunsten nachzuhelfen Bei den Bayern kamen Mandzukic und Shaqiri für Pizarro, der alles in allem keinen erinnerungswürdigen Auftritt hatte, und Kroos, Werder setzte auf Füllkrug für Elia. Vor beiden Toren war nun Betrieb - zunehmend aber vor dem der Bremer. Ribéry, Luiz Gustavo, Shaqiri und Mandzukic hatten gute Möglichkeiten. Und was sich andeutete, wurde kurz darauf Gewissheit: Der schöne Schlenzer von Gustavo ebnete den Weg, Mandzukic legte umgehend nach.

          Bilderstrecke

          Werder Bremen - Bayern München 0:2 (0:0)

          Bremen: Mielitz - Gebre Selassie, Prödl, Sokratis, Fritz - Junuzovic - Arnautovic (87. Bargfrede), De Bruyne, Hunt, Elia (59. Füllkrug) - Petersen (77. Akpala)
          München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Badstuber - Luiz Gustavo, Schweinsteiger (75. Martinez) - Thomas Müller, Toni Kroos (58. Shaqiri), Ribery - Pizarro (58. Mandzukic)
          Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)
          Tore: 0:1 Luiz Gustavo (81.), 0:2 Mandzukic (83.)
          Zuschauer: 42.100 (ausverkauft)
          Gelbe Karten: Sokratis (3), Arnautovic (2) - Schweinsteiger (2), Luiz Gustavo (3)
           

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