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2:0 gegen Hoffenheim : Siebtes Spiel, siebter Sieg

Nur ein Münchner ist inspiriert und torgefährlich: Franck Ribéry Bild: dpa

Mit dem siebten Sieg in Folge stellen die Bayern den Startrekord ein. Ein gutes Omen ist das aber nicht. Beim 2:0 über Hoffenheim ist nur Ribéry torgefährlich. Im Zwist mit Sammer rudert Heynckes zurück.

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          Aberglauben kann man sich nicht leisten bei einem Klub wie dem FC Bayern. Andernfalls hätten die Münchner am Samstag Angst vor dem Gewinnen haben müssen. Die hatten sie natürlich nicht und besiegten 1899 Hoffenheim zwar wenig inspiriert, aber völlig ungefährdet 2:0. Beide Tore schoss der an diesem sommerlichen Herbsttag einzige torgefährliche Spieler auf dem Platz, Franck Ribéry (19. und 47. Minute).

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Es war der siebte Sieg im siebten Spiel für die Bayern – eine makellose Startbilanz, wie es sie in fast fünfzig Jahren Bundesliga zuvor nur dreimal gegeben hatte: 1995 durch die Bayern, 2001 durch den 1. FC Kaiserslautern, 2010 durch Mainz 05. Das Kuriose daran: Keiner der Schnellstarter wurde danach deutscher Meister.

          Der Meister nach 34 Spieltagen hieß in jeder dieser drei Spielzeiten, ausgerechnet: Borussia Dortmund. Offenkundig glauben die Münchner aber nicht an das Gesetz der Serie – sie wollen sie in dieser Saison mit aller Macht beenden. „Wir haben intelligent gespielt und gerade defensiv nichts anbrennen lassen. Wir haben das Spiel dominiert“, sagte Trainer Jupp Heynckes.

          Die Fortsetzung der bisher makellosen Bundesligabilanz kam gerade recht, um die ersten sportlichen und atmosphärischen Störungen der Spielzeit wieder in den Hintergrund zu drängen. Vor der Partie gegen Hoffenheim hatte sich Trainer Jupp Heynckes bemüht, die Wogen nach seinem Disput mit Sportvorstand Matthias Sammer zu glätten, den er am Mittwoch wegen dessen öffentlicher Kritik an der „lätschernen“ Einstellung des Teams nach dem 2:0 in Bremen des „Populismus“ geziehen hatte.

          „Wir haben ein gutes Arbeitsverhältnis. In der besten Familie kommen Unstimmigkeiten vor“, behauptete Heynckes nun gestern. Am Rande der 1:3-Niederlage gegen Bate Borissow in der Champions League war die Beziehungen der beiden sportlichen Führungskräfte rapide abgekühlt. „Wir gehen gemeinsam Richtung Erfolg.“ Heynckes rudert also zurück. Er wird verstanden haben, dass er nach Ansicht der Klubführung mit seiner Sammer-Schelte übers Ziel hinausgeschossen ist.

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          Es ist keine Überraschung, dass die Bayern-Bosse eher dem 45-jährigen Sportvorstand im ersten Jahr seiner Tätigkeit den Rücken stärken als dem 67-jährigen Trainer im letzten Jahr seines Vertrages. Dass Heynckes sich als Verlierer der Woche sehen darf, konnte er im Programmheft zur Hoffenheim-Partie lesen. Dort schrieb Vorstands-Chef Karlheinz Rummenigge, es habe ihm „gefallen, wie kritisch Matthias Sammer in Bremen reagiert hat.

          Nach einem Sieg Kritik zu üben, ist genau der richtige Weg.“ Dazu pries er das große Vorbild FC Barcelona, den er für den „souveränen Umgang mit dem Erfolg“ lobte. „Der Klub könnte längst auf Wolke 7 schweben. Doch das passiert nicht.“ Für eine bayrische Wolke 7 bot die Darbietung unter einem makellos blauen Himmel gegen Hoffenheim auch keinen großen Anlass.

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          In der ersten Halbzeit zeigten die Bayern die bisher schwächste Heimleistung der Saison. Es war größtenteils herbstlicher Sommerfußball, ohne großen Zug zum Tor, mit Ausnahme der 19. Minute. Thomas Müller, der eine Viertelstunde zuvor minutenlang nach einer Kollision mit dem Mitspieler Mario Mandzukic wegen einer Platzwunde am Kopf behandelt worden war und deshalb später ausgewechselt werden musste, bewies wenigstens in dieser einer Minute seiner Kurzdarbietung glasklaren Durchblick. Er spielte den Ball auf die linke Seite zu Ribéry, der in den Strafraum zog und den Tim-Wiese-Ersatz im Hoffenheimer Tor, Koen Casteels, mit einem haltbaren Schuss aus spitzem Winkel durch die Beine überwand.

          Sonst gab es bis zur Pause nur zwei weitere Halb-Chancen durch Toni Kroos, dessen Direktabnahme zur Ecke abgelenkt wurde (28.) und Ribéry, der aus zwanzig Metern verzog (39.) – und dazwischen einen einzigen brauchbaren Angriff der Hoffenheimer, bei dem Firmino eine gute Flanke von Fabian Johnson mit der Stirn nicht genug drücken konnte (22.).

          Bilderstrecke

          Gleich nach der Pause kam mehr Schwung ins Bayern-Spiel. Vom rechten Flügel spielte Mandzukic einen klugen Rückpass Richtung Elfmeterpunkt, worauf Kroos einen Direktschuss versuchte, der technisch völlig misslang – zum Glück für Ribéry, der dadurch freistehend zum Schuss kam und aus zwölf Metern unter die Latte zum 2:0 traf (47.).

          Danach kontrollierten die Bayern das Spiel ohne Mühe, aber auch ohne den letzten Willen, die Hoffenheimer mit einer ähnlichen Abreibung wie beim 7:1 im März heimzuschicken. Die beste Gelegenheit vergab Javi Martinez, der einen Kopfball freistehend nicht richtig erwischte. Aus Wut, sein erstes Bayern-Tor verpasst zu haben, trat der Spanier danach einen, der gar nichts dafür konnte: den Pfosten.

          Bayern München - 1899 Hoffenheim 2:0 (1:0)

          Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Badstuber - Javi Martínez (86. Luiz Gustavo), Schweinsteiger - Müller (26. Shaqiri), Kroos, Ribéry (89. Rafinha) - Mandzukic
          1899 Hoffenheim: Casteels - Beck, Delpierre, Compper, Johnson - Williams, Rudy - Ochs (73. Schröck), Roberto Firmino, Usami (63. Derdiyok) - Joselu (63. Volland)
          Schiedsrichter: Stieler (Hamburg)
          Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Ribéry (19.), 2:0 Ribéry (47.)
          Gelbe Karten: - / Beck (2), Roberto Firmino (1), Williams (5)

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