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2:0 gegen Hannover : Bayern mit Mühe im Wiesn-Dress

Der FC Bayern konnte seine Hoheit nur mühsam behaupten gegen Hannover Bild: AP

Im Wiesn-Dress spielen die Münchner zunächst arg lässig. Gegen Hannover brauchen die Münchner ihre Zeit, dann gelingen Mandzukic und Ribery die Tore zum 2:0-Sieg.

          3 Min.

          Der FC Bayern hat den „heißen Herbst“, wie Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge die kommenden drei Wochen mit sieben Spielen in drei Wettbewerben nennt, mit einem Kaltstart begonnen, sich dann aber doch noch warm geschossen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Gegen den Lieblingsgegner Hannover 96, der von den letzten sechs Reisen nach München mit null Punkten und 2:25 Toren heimgekehrt war, zagten und zitterten sich die Bayern zu einem glücklichen 0:0 zur Pause, ehe in der zweiten Halbzeit dann doch ein sicherer und verdienter 2:0-Sieg herauskam.

          Nach der ersten Hälfte, in der Hannover die besseren Chancen hatte, darunter einen Pfostentreffer von Didier Ya Konan, brach Mario Mandzukic in der 51. Minute mit dem 1:0 den Bann für den bis dahin gehemmt wirkenden Favoriten. Franck Ribéry besorgte den Endstand (63.).

          Die Bayern waren nicht im gewohnten rot-weißen Heimdress aufgelaufen, sondern in einer eigens für die Oktoberfest-Zeit entworfenen Kluft: ein cremefarbenes Shirt über einer langen braunen Turnhose, die von der Tribüne aus nicht von einer zünftigen Krachledernen zu unterscheiden war.Allerdings sah es von dort in der ersten Halbzeit mitunter auch so aus, als hätten die Bayern zudem ihre Stollenschuhe gegen Haferlschuhe eingetauscht. Dabei hatte das Spiel standesgemäß begonnen.

          Arjen Robben spielte nach sieben Minuten den Ball auf den Richtung Tor gestarteten Thomas Müller, der Torwart Ron-Robert Zieler umkurvte, dabei aber zu weit zur Torauslinie abgetrieben wurde, um den Ball noch ins verlassene Tor lenken zu können. Es sollte der einzige gefährliche Torschuss der Bayern in der gesamten ersten Halbzeit bleiben und nur einer von zwei Münchner Angriffen, die für Torgefahr sorgten. Der andere wurde eine halbe Stunde später notiert, als Mario Mandzukic eine scharfe Hereingabe von Müller knapp verpasste.

          Die Bayern trugen für eine Heimspiel eine ungewohnte Kluft

          Dass Zieler dennoch einmal sein Können zeigen musste, lag an einem Mitspieler, an Leon Andreasen. Der Däne schien den Münchnern in der 18. Minute zeigen zu wollen, wie man gefährlich aufs Tor schießt. Sein Querschläger brachte Zieler in Schwierigkeiten, aber er verhinderte das Eigentor.

          Auch vor dem anderen Tor waren die kompakt verteidigenden und flott konternden Niedersachsen zunächst gefährlicher als die Bayern. Bei ihrer ersten Ecke nach 24 Minuten erwischte Artur Sobiech den Ball am vorderen Fünfmeterraum-Eck, sein Kopfball strich knapp am hinteren Pfosten vorbei.

          Das 1:0 - Mandzukic trifft zu Beginnt der zweiten Hälfte

          Nach 38 Minuten brauchte Torwart Manuel Neuer all sein Können und seine Schnelligkeit, um bei einem Hannoveraner Konter knapp vor Edgar Prib an den Ball zu kommen. Und nach 41 Minuten wäre auch Neuer machtlos gegen den wuchtigen, von Prib leicht abgefälschten Zwanzig-Meter-Schuss von Ya Konan gewesen. Doch der Ball sprang knapp unter dem Lattenkreuz vom Innenpfosten vor die Linie.

          Dass die Nerven des Favoriten angespannt waren, zeigte eine Attacke von Franck Ribéry, die zu einer frühen Gelben Karten führte – und zu einer erregten Debatte des von der Bank aufgesprungenen Sportvorstands Matthias Sammer mit dem vierten Unparteiischen. In den Wochen zuvor hatte Sammer verdeutlicht, dass es für Misserfolge keine Entschuldigung gebe.

          Das 2:0 - Diesmal lässt Ribery 96-Torwart Zieler keine Chance

          Auch seine Chefs hatten vor dem Spiel in dasselbe Horn gestoßen. „Wir müssen sofort Vollgas geben und so hungrig zu Werke gehen, wie wir das vorige Saison phänomenal gemacht haben“, so Präsident Uli Hoeneß. Und Rummenigge: „Jetzt kommt die Phase, wo du dir keine Schwächen erlauben kannst.“

          Trainer Pep Guardiola schien in der Kabine ähnliche zupackende Worte gefunden haben. Nach der Pause zeigte sein Team plötzlich mehr Feuer und Spielwitz. In der 51. Minute zog Robben nach innen, suchte aber diesmal entgegen seiner Gewohnheit nicht die Gelegenheit zum eigenen Abschluss, sondern den Mitspieler Toni Kroos, der den Ball halblinks gekonnt mit Direktspiel zurück in die Mitte in den Lauf von Mandzukic legte. Der Kroate setzte den Ball direkt ins linke untere Eck zu seinem dritten Saisontreffer.

          Müller hat Andreas ziemlich gut im Griff

          Nachdem der in der Nationalelf zuletzt starke, bei den Bayern am Samstag aber mehrfach flatterhafte Jerome Boateng Hannover mit einem wilden Klärungsversuch beinahe den Ausgleich geschenkt hätte (er verlängerte einen harmlosen Schuss fast ins eigene Tor), beruhigte Ribéry die Nerven.

          Als Zieler einen Schuss Robbens aus spitzem Winkel nur abprallen lassen konnte, war der Franzose mit dem 2:0 zur Stelle. Heiß sind sie noch nicht, die Bayern, aber der Herbst kann kommen.

          Bayern München - Hannover 96 2:0 (0:0)

          Bayern München: Neuer - Rafinha, van Buyten, Boateng (68. Dante), Alaba - Lahm, Kroos (86. Kirchhoff) - Müller, Robben, Ribéry (81. Shaqiri) - Mandzukic
          Hannover 96: Zieler - Sakai, Marcelo, Sané, Pocognoli - Bittencourt, Stindl, Andreasen (74. Schulz), Prib (82. Schlaudraff) - Ya Konan (67. Schmiedebach), Sobiech
          Schiedsrichter: Stieler (Hamburg)
          Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Mandzukic (51.), 2:0 Ribéry (64.)
          Gelbe Karten: Boateng (1), Kroos (1), Ribéry (2) / Bittencourt (3), Marcelo (1), Prib (3)

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