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2:0 gegen Augsburg : Die Nostalgie-Bayern ziehen davon

Die Bayern-Spieler bejubeln das 1:0 von Thomas Müller im Spiel gegen den FC Augsburg. Bild: dpa

Lange müht sich Bayern gegen den Augsburg ohne Erfolg. Doch Thomas Müller und Leon Goretzka entschlüsseln die Defensive der Gäste und machen die Münchner Geburtstagsparty perfekt.

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          Vier Punkte Vorsprung in der Tabelle – es war ein Wochenende nach dem Geschmack des FC Bayern. Einen Tag nach dem Punktverlust des bisher schärfsten Verfolgers aus Leipzig reichte dem Meister dazu am Sonntag eine unterdurchschnittliche Leistung im Derby gegen den FC Augsburg. Die Treffer zum 2:0-Erfolg erzielten Thomas Müller (53. Minute) und Leon Goreztka (90.).

          Bundesliga
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Das erste Heimspiel seit dem 120. Vereinsgeburtstag und das erste seit dem Skandalspiel von Hoffenheim acht Tage zuvor wurde in mehrfacher Hinsicht zu einer Bühne für positive Botschaften und Gemeinschaftssymbolik. In nostalgischen Trikots mit blütenweißer Brust und burgunderroten Ärmeln, die an die erste deutsche Meisterschaft des FC Bayern 1932 erinnern sollten, präsentierten die Spieler vor Anpfiff eine Tafel mit der Aufschrift „Rot gegen Rassismus“.

          „Echte Fans kennen keinen Hass“, verkündete der Stadionsprecher, und die elektronischen Werbebanden waren an diesem Sonntag nicht für Produktreklame da, sondern für die Proklamation von Werten wie „Toleranz, Respekt, Vielfalt, Fairplay“ oder schlicht: „Wir lieben Fußball“. Und sogar die Schickeria, jene Fangruppe, die mit den Schmähungen gegen den Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp das letzte Spiel der Bayern an den Rand des Abbruchs gebracht hatte, sang diesmal ganz friedlich: „120 Jahre FCB“.

          Im Gegensatz zur Optik der Bayern-Trikots war das als Spielgerät gewählte Material nicht im historischen Outfit gekommen. In echtem Leder wäre er auch kaum bereits nach fünfzig Sekunden kaputtgegangen – so wie sein synthetischer Nachfolger, dem schon in der ersten Minute des Spiel die Puste ausging. Er verpasste nicht viel. Es dauerte 45 Minuten bis zum ersten ernsthaften Torschuss durch die zunächst ungewohnt temperamentlosen, fast lethargisch wirkenden Bayern. Andreas Luthe, der den immer wieder durch Unsicherheiten aufgefallenen Tomas Koubek im Tor des FCA ersetzte, bekam bis zur Pause nichts zu halten. Erst die letzte Szene, in den letzten Sekunden der ersten Hälfte, brachte die erste Gefahr. Eine halbhohe, schwierig zu kontrollierende Flanke von Serge Gnabry nahm Thomas Müller volley, doch sein Schuss nahm als Aufsetzer einen zu hohen Bogen und flog über das Tor.

          „Wir haben die hundertprozentige Killermentalität, die uns in den letzten Wochen auszeichnet, vermissen lassen“, analysierte Müller die fehlende Gefährlichkeit der Münchner Offensivreihen bei Sky und fügte an: „Das war nicht das Niveau der letzten Wochen.“ Ähnlich sah es auch Trainer Hans-Dieter Flick, der im ersten Durchgang die fehlende Geschwindigkeit im Spiel seiner Mannschaft bemängelte: „Wir haben kein Tempo im Spiel gehabt, aber es war klar, dass solche Spiele kommen, wir haben viel in den Beinen.“

          Acht Minuten nach Wiederanpfiff machte Müller es besser und vollendete ein zum Jubiläumsspiel passendes Nostalgie-Tor. Jerome Boateng schlug fast von der Mittellinie einen feinen Chip über die Augsburger Abwehr in den Strafraum, präzise koordiniert mit dem überraschenden Laufweg Müllers, und dieser lenkte den Ball zur Führung ins Tor – die perfekte Kombination der Fähigkeiten zweier vom Bundestrainer aussortierter Alt-Weltmeister, die zusammen auf zwanzig Spielzeiten als Bayern-Profis kommen.

          Der jüngste Bayern-Profi, der 18-jährige Joshua Zirkzee, hätte in seinem erst fünften Bundesligaspiel dann um ein Haar bereits sein viertes Tor erzielt, doch Luthe parierte glänzend (65.), ebenso wie kurz darauf gegen Philippe Coutinho (69.). Gnabry verzog zwei Mal knapp aus guter Position (71./75.).

          Der zweite Treffer des Tages schien nur noch eine Frage der Zeit, doch dann fiel er wie aus dem Nichts beinahe auf der anderen Seite. Alfred Finnbogasson, beim FCA für die Schlussviertelstunde als zweite Spitze eingewechselt, durchbrach die linke Bayern-Abwehrseite und bediente Florian Niederlechner, der aus sechs Metern am glänzend reagierenden Torwart Manuel Neuer scheiterte und auch den Nachschuss nicht ins Tor brachte (80.). Eine Minute vor Schluss schaffte es der FCA-Torjäger dann doch – aber sein Jubel und der aller Bayern-Konkurrenten wurde durch den Abseitspfiff der Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus beendet. Im Gegenzug beendete Goretzka mit dem zweiten Tor nach feiner Vorarbeit von Gnabry alle Zweifel am Bayern-Sieg.

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