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1899 Hoffenheim : Rangnicks Wiedersehen mit Königsblau

  • Aktualisiert am

Rangnick: „Ich bin noch Mitglied in Schalke” Bild: AP

Fast genau drei Jahre nach seiner legendären Abschieds-Ehrenrunde auf Schalke gibt es ein Wiedersehen für Ralf Rangnick mit Königsblau: Mit Hoffenheim steht er nun dort, wo Schalke so gerne wäre.

          Dass Ralf Rangnick so leger gekleidet auftauchte, lag sicher am Umstand, dass ein Training mit seiner Mannschaft hinter ihm lag. Er kam in Badelatschen, einer blauen Trainingshose, weißen Sportsocken und einer roten Trainingsjacke. Sonst hätte man glatt glauben können, er hätte sich so gekleidet wie zu Hause in der Gewissheit, nichts Wichtiges mehr vorzuhaben.

          Doch es gibt noch eine letzte Vorrundenpartie in der Fußball-Bundesliga zu spielen. Und so wurde Rangnick nach seinem Bezug zu Märchen gefragt. Gerne wird der Aufstieg und der anschließende Sturmlauf von 1899 Hoffenheim an die Tabellenspitze damit gleichgesetzt. Zu Märchen aber habe er keinen Bezug mehr, sagte Rangnick und grinste.

          Fernduell um Herbstmeisterschaft

          Selten in den vergangenen Wochen hat man den Cheftrainer des Liganeulings aus dem Kraichgau derart locker gesehen, obwohl es am Wochenende zwei wichtige Dinge zu klären gibt. Zum einen, ob Hoffenheim das letzte Punktspiel vor der Winterpause gegen Rangnicks ehemaligen Klub Schalke 04 am Sonntag gewinnt. Und dann steht noch ein Fernduell um die „Herbstmeisterschaft“ gegen den FC Bayern München an. Der Tabellenzweite spielte schon am Samstag beim VfB Stuttgart. (siehe: 2:2 in Stuttgart: Bayern kurzzeitig Tabellenführer und dennoch traurig)

          Legendäre Ehrenrunde: Mit seiner Abschiedstour provozierte Rangnick 2005 seinen Rauswurf auf Schalke

          Nun könnte man auf die Idee kommen, Ralf Rangnick hätte etwas gutzumachen gehabt in seiner Außendarstellung, die in der hitzigen Vorbereitung auf das Spiel beim FC Bayern gelitten, weil er sich hatte anstecken lassen und Münchner Provokationen mit gleicher Münze zurückzahlte. Bayern-Manager Uli Hoeneß kam er deshalb gleich „besserwisserisch“ rüber. Die gute Laune Rangnicks aber könnte mit den Lobeshymnen zu tun haben, die vor dem Schalke-Spiel für eine fast freundschaftliche Atmosphäre sorgen. Sie waren von Schalkes Manager Andreas Müller gekommen, zu Rangnicks königsblauen Zeiten als Assistent im Schatten des streitbaren Rudi Assauer. Der war nicht unbedingt als Anhänger Rangnicks bekannt und nannte ihn bei dessen Vorstellung im September 2004 unerschrocken „Rolf“.

          Müller trauert Rangnick nach

          Ob im Fernsehstudio oder in Zeitungsinterviews, Assauers Nachfolger Müller lobte nun den „Top-Trainer“ Rangnick, den „er gegen Widerstände nach Schalke holte“, am Ende „aber nicht mehr schützen“ konnte - und der in die Kritik geratene Müller lobte sich damit selber. „Das war eine extreme und nicht zu verstehende Zeit“, sagte der 50 Jahre alte Rangnick zu seinen Erfahrungen auf Schalke. Für ihn aber sei sie lange her und abgehakt. „Der Stachel sitzt nicht mehr tief“, versicherte er, was ihm aber viele nicht abnehmen.

          Eine derartige Entlassung kann ihm in Hoffenheim nicht passieren. Dort stieg der auf Schalke gefeuerte Rangnick zu einem „Super-Trainer“ auf, der bei allem die letzte Entscheidung trifft. Solch eine Machtfülle wollten ihm die Schalker, allen voran Assauer, nicht zugestehen. Am 12. Dezember 2005 war für Rangnick auf Schalke Schluss. (siehe: FC Schalke 04 entläßt Ralf Rangnick) Zuerst kündigte er an, seinen Vertrag nicht zu verlängern, dann drehte er provokativ eine „Ehrenrunde“ schon vor der Partie gegen Mainz, was nicht gut ankam und seinen Rauswurf nach knapp eineinhalb Jahren zur Folge hatte. Schalke, so meint Mentor Müller, sei damals noch nicht reif gewesen für einen Trainer der Marke Rangnick. „Das damals hatte keine sportlichen Gründe“, sagt Rangnick, „Schalke war das Emotionalste, was ich bisher erlebt habe.“

          Rangnick: „Ich bin noch Mitglied in Schalke“

          Hoffenheim, glaubt der Schalker Manager Müller, sei geradezu maßgeschneidert für einen solchen Trainer. Im Wechselspiel beglichen die beiden mit ihren Statements auch alte Rechnungen mit dem knurrigen Assauer. Der gebürtige Schwabe Rangnick zog sich nach seinem Rauswurf verletzt und gekränkt zurück und ließ sich ein halbes Jahr später auf ein Projekt in der Fußball-Provinz ein, von dem niemand wusste, ob es gelingen würde.

          Die Antwort darauf hat der Fußballlehrer und akribische Arbeiter Rangnick längst gegeben und sich trotzdem den Schuss eigener Kauzigkeit erhalten. „Ich bin noch Mitglied in Schalke, aber vielleicht war es gut so, sonst hätte es Hoffenheim so nicht gegeben“, sagte Rangnick. Seine Zeit auf Schalke ist Geschichte, aber vergessen ist er dort deshalb nicht. Heute allerdings spricht man in Schalker Fankreisen den Namen Rangnick mit gemischten Gefühlen aus.

          Übrig blieb viel Sympathie, aber auch eine bange Vision, die mitten ins Schalker Herz trifft. Der ehemalige Schalker Rangnick, so fürchten manche, könnte am letzten Spieltag Ende Mai 2009 mit der Meisterschale in der Hand über den Rasen der Arena tanzen.

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