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Hoffenheims Fußball-Mäzen : Das andere Leben des Dietmar Hopp

Wenn er aber auf sein Fußballinvestment zu sprechen kommt, das Hopp rein „emotional“ begründet, klingt er verhaltener: „Beim Fußball sind es mittlerweile 350 Millionen. Aber das tut mir nicht weh, wenn es gut läuft. Ein Zweck muss dabei allerdings erfüllt werden: Der Profifußball soll die Jugend motivieren, auch Sport zu treiben.“ Das Soziale verschafft Hopp Befriedigung. Und das Populäre tut nicht weh. Das ist keine gute Bilanz für den Fußball.

Zentrales Projekt: Hopp hilft der Jugend.
Zentrales Projekt: Hopp hilft der Jugend. : Bild: Imago

In Wirklichkeit sieht es noch düsterer aus. Denn der Fußball, den Hopp liebt und lebt, mitunter vollkommen distanzlos, liebt ihn nicht zurück. Das tut ihm weh. Und all die Beschimpfungen und Beleidigungen der vergangenen Jahre in fremden Stadien haben ihre Spuren hinterlassen. „Früher war es viel schlimmer. Da hätte ich mich am liebsten gewehrt“, sagt Hopp. „Heute berührt es mich fast nicht mehr. Sogar die Dortmunder haben beim letzten Mal nichts gerufen.“ Er versucht, das nüchtern zu sehen.

„Wer Geld für einen Klub gibt, wird von den eigenen Fans verherrlicht. Und wenn jemand Geld für einen anderen Klub gibt, dann sind sie schlicht und einfach neidisch. Das ist die Formel.“ Aber wenn er mit seiner Frau über die Anfeindungen spricht, sagt die nur: „Dann hättest du das halt nicht gemacht.“ Ans Aufhören hat Hopp auch schon gedacht, im Fußball. Getan hat er es nie. „Die Momente gab es ganz sicher. Aber es waren nur Momente. Vor zwei Jahren, als wir fast abgestiegen sind. Denn am Ende war ich für die Leute schuld“, sagt Hopp. Da liebten ihn nicht einmal mehr die eigenen Fans. So ungerecht kann der Fußball sein. In seinem anderen Leben kennt Hopp keine Ablehnung.

„Ausgangspunkt war immer die Jugendförderung“

Die Hopp-Stiftung beschäftigt sechs Mitarbeiter in der Geschäftsstelle, fünf Frauen und einen Mann. Ein zentrales Projekt der Stiftung ist seit bald fünfzehn Jahren „Anpfiff ins Leben“, ein bestens vernetzter Jugendförderverein, der sich für den Nachwuchs in verschiedenen Bereichen engagiert: in Sport, Bildung, Ausbildung und Sozialem. Mittlerweile hat „Anpfiff“ 50 Angestellte, dazu über 400 freie Mitarbeiter. Pädagogen, Trainer, Betreuer.

Die verschiedenen Organisationen und Partner wirken unter einem Dach, so etwa im Mädchen- und Frauenfußballförderzentrum St. Leon-Rot. Dort werden die Mädchen nicht nur sportlich und beruflich fit gemacht, auch ein Verein für bewegungsbehinderte Kinder ist dort angesiedelt - für den sich wiederum die jungen Spielerinnen engagieren. Insgesamt gibt es ein Dutzend ähnlicher Förderzentren in der Region, nicht nur im Fußball, auch im Handball, Eishockey, Golf.

2008 stieg  Hoffenheim in die Fußball-Bundesliga auf.
2008 stieg Hoffenheim in die Fußball-Bundesliga auf. : Bild: dpa

70 Lehrer sind täglich nach ihrer Arbeit bei „Anpfiff“ im Einsatz, aus jeder Schulform. Eine Sozialarbeiterin ist allein dafür da, um Eltern nach Drogenproblemen, beruflichem Absturz oder anderen Krisen wieder auf die Beine zu helfen. Und der Verein organisiert mittlerweile für Sportklubs die komplette Jugendarbeit, etwa beim Regionalligaverein Astoria Walldorf, dessen A-Jugend in der Bundesliga spielte. „Anpfiff“ stellt Trainer ein, bildet sie fort und führt sie zu entsprechenden Lizenzen.

„Ausgangspunkt meines Engagements war immer die Jugendförderung“, sagt Hopp. „Mittlerweile werden über 2000 Fußball-Kinder bei uns gefördert, 3500 insgesamt.“ Über die Entwicklung und die Ziele der TSG Hoffenheim, dem Tabellenfünfzehnten der Bundesliga, sagt er nicht viel. Das Thema ist durch. Europapokal, Meisterschaft - das ist weit weg, unerreichbar weit.

„Tennis, Golf – das hatte ich nie gesehen“

„Ich möchte liebend gerne die Champions League gewinnen. Aber genauso gerne möchte ich zwei Meter fünfzig hochspringen können. Und manche möchten sich hier am FC Bayern messen. Aber das geht einfach nicht. Das geht nie“, sagt Hopp. „Es ist doch toll, wenn wir Bundesliga spielen. Ich hatte vielleicht auch falsche Vorstellungen, als ich dachte, Bundesliga-Fußball wird in unserer Region himmelhoch jauchzend begrüßt. Aber manche dachten nach der Herbstmeisterschaft in unserem Aufstiegsjahr: Jetzt geht es durch die Decke.“ Derzeit steht das Team auf Abstiegsplatz 17.

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