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TSV 1860 München : Wirr und wankelmütig

  • -Aktualisiert am

Schwere Mission: „Löwen“-Trainer Möhlmann Bild: Imago

Der TSV 1860 München kommt nicht zur Ruhe: Akut abstiegsgefährdet spricht Trainer Benno Möhlmann zwar weiter von Hoffnung. Doch das Drehbuch der „Löwen“-Soap wird fortgeschrieben – mit einem meinungsfreudigen Investor in der Hauptrolle.

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          Wenn in einem Verein die Stimmung stets schwankt zwischen Begeisterung und Niedergang, dann tut es ganz gut, einen Trainer wie Benno Möhlmann zu haben. Dem gebürtigen Niedersachsen sind vom Naturell her Extreme fremd. Er zieht die Zwischentöne vor und sieht deshalb die Situation beim TSV München 1860 zwar nicht ganz rosig, aber eben auch nicht total pessimistisch. „In der Gesamtheit“, findet Möhlmann, „haben wir jetzt einen Kader beisammen, der durchaus gute Zweitliga-Qualität hat.“

          Und allein darum geht es für den Münchner Traditionsverein in den restlichen Spielen der Rückrunde in der Zweiten Fußball-Bundesliga. Die „Löwen“, die als Tabellenvorletzter mit sechs Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz überwintert haben, wollen aufholen – sie starten an diesem Samstag gegen den 1. FC Nürnberg (13 Uhr / Live auf Sky).

          Bloß keinen Zauberfußball

          Zusammen mit Manager Oliver Kreuzer hat Möhlmann die Mannschaft verstärkt und ergänzt, im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten, die bei dem von einem launischen Investor abhängigen Klub nicht riesig sind. In Stürmer Sascha Mölders vom FC Augsburg, Innenverteidiger Jan Mauersberger aus Karlsruhe und Mittelfeldmann Goran Sukalo vom Ligakonkurrenten Greuther Fürth haben die Münchner drei erfahrene Profis geholt, dazu kamen auf Leihbasis Maximilian Beister (FSV Mainz 05) und Levent Aycicek (Werder Bremen). Möhlmann spricht von einer „Basis, auf der man mit Hoffnung in die restlichen 15 Spiele gehen kann. Wir wollen ja nicht mit Zauberfußball einen europäischen Wettbewerb gewinnen, sondern in der Zweiten Liga bleiben.“

          Das ist das vorläufige Ziel. Perspektivisch will Sechzig natürlich höher hinaus. Bisher wurde die angestrebte Rückkehr in die Bundesliga meist durch gravierende sportliche Fehler verhindert, aber auch die regelmäßige Aufführung des Komödienstadels mit Hasan Ismaik in der Hauptrolle destabilisierte den Klub in den vergangenen Jahren. Die Geschichten, die darin erzählt werden, ähneln sich stets, auch die jüngsten Folgen der Folklore-Serie aus dem Innenleben eines Fußballvereins waren wie ein Remake.

          Kurz vor Weihnachten hatte Ismaik den Münchnern wieder gedroht, die Zahlungen einzustellen, weil ihm „die Art und Weise, wie der Verein verwaltet wird“, nicht gefalle. „Entweder spürbare Veränderungen oder keine Investitionen“, verkündete er. Der Jordanier nahm damit einen Wertverlust seiner Anteile in Kauf, weil der Klub ohne das Geld vor der Insolvenz und dem Lizenzentzug gestanden hätte. Um dies alles mitzuteilen, hatte er eine Handvoll Münchner Journalisten am Ende der Hinrunde nach London eingeladen.

          Kurz darauf entdeckte Ismaik, dass es eine billigere Möglichkeit gibt, Meinung zu verbreiten, nämlich die sozialen Medien. Er transportiert seitdem seine Ansichten über Facebook und Twitter. Mal schimpft er über die Führung der „Löwen“ und die Deutsche Fußball-Liga, weil die auf der 50+1-Regel beharrt, nach der ihm die Übernahme der Entscheidungsgewalt versagt bleibt. Dann schürt er die Erwartungen der Fans, indem er ein neues Stadion in Aussicht stellt.

          Nietzsche-Fan: der jordanische „Löwen“-Investor Hasan Ismaik

          Besonders skurril wird es, wenn Ismaik seinen Lieblings-Philosophen Friedrich Nietzsche bemüht. Einmal zitierte er ihn mit dem „Gebirge der Wahrheit“, in dem man nie umsonst klettere. „Entweder du kommst schon heute weiter hinauf, oder du übst deine Kräfte, um morgen höher zu kommen.“ So wirr er seinen PR-Feldzug aufzieht, so wankelmütig ist er in seiner Meinung. Denn Mitte Januar, nach einem Besuch des neuen Präsidenten Peter Cassalette bei Ismaik in Abu Dhabi, erklärte sich der Investor doch wieder bereit, das für die Lizenzierung erforderliche neue Darlehen in Höhe von fünf Millionen Euro zu gewähren – allerdings mit Auflagen.

          „Er hat uns aufgerufen, hochgesteckte und ambitionierte Ziele zu erreichen“, ließ Geschäftsführer Markus Rejek wissen, ohne ins Detail zu gehen. Dass der frühere Präsident Gerhard Mayrhofer nach der Einigung mit Ismaik seinen Austritt beim TSV 1860 ankündigte und somit nicht mehr zur Verfügung steht für weitere Rollen in der „Löwen“-Soap, ist nur eine kleine Pointe am Rande.

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