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1860 München : Löwen retten sich in die Verlängerung

Es wird einsam um die „Löwen”, aber noch gibt 1860 München nicht auf Bild: dpa

Der Zweitligaklub 1860 München glaubt wieder an seine Zukunft. Sogar Bundestrainer Löw tut etwas für die Rettung des Vereins. Doch bis zum Happy End wartet noch harte Kleinarbeit bis zum erhofften großen Befreiungsschlag.

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          Sogar Joachim Löw hat etwas für die Rettung von 1860 München getan, auch wenn er es womöglich nicht wusste. Der Bundestrainer setzte Sven Bender gegen Australien erstmals im Nationalteam ein. Bender war 2009 für die heute lächerlich erscheinende Summe von 1,6 Millionen Euro nach Dortmund gewechselt – eines von über zwei Dutzend Talenten, die 1860 in den letzten zehn Jahren verkaufte, um finanziell über Wasser zu bleiben. Durch Benders Debüt für Deutschland sind den klammen Löwen demnächst 100.000 Euro an Nachschlag aus dem Transfervertrag mit der Borussia sicher.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Allerdings brauchte 1860 viel mehr und viel schneller Geld, um am Freitag mit der Zahlung der März-Gehälter an Profis und Klubangestellte in Höhe von rund 400.000 Euro und mit dem Beleg der Liquidität für den Rest der Zweitligasaison an die Deutsche Fußball Liga (DFL) in Höhe von 1,7 Millionen Euro sein Überleben vorläufig zu sichern. Gegen 16 Uhr erklärte Geschäftsführer Robert Schäfer, dass man das rechtzeitig geschafft habe.

          Für die Abwendung der drohenden Insolvenz sorgten Kreditzusagen einer Hausbank und des Berliner Immobilienhändlers und Spielervermittlers Nicolai Schwarzer, dem die Löwen bereits zwei Millionen Euro schulden. Hilfreich war auch die angebliche Zusage eines Wettanbieters aus Gibraltar, für insgesamt 4,5 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren Hauptsponsor des Vereins zu werden – sofern 1860 es schafft, die DFL-Lizenz für die nächste Saison zu bekommen.

          „Nun muss der Ball nur noch ins Tor“

          Der große Befreiungsschlag, den man bis Freitag präsentieren wollte, ist das nicht, für Schäfer aber eine „solide Zwischenfinanzierung“. Laut Präsident Dieter Schneider habe man erst am Donnerstag, einen Tag vor Ablauf der DFL-Frist, beschlossen, auf eine solche „Zwischenlösung“ hinzuarbeiten. Sie gibt den beiden Sanierern „genug Zeit, an der großen Lösung zu basteln“, so Schäfer. Schneider verkündete, dass 1860 nun „noch vier, fünf Wochen Zeit“ habe – „das, glaube ich, kriegen wir hin“. Die Mannschaft wurde kurz vor Abflug Richtung Aachen, wo sie an diesem Sonntag (13.30 Uhr / FAZ.NET-2. Bundesliga-Liveticker) antritt, von der vorläufigen Weiterexistenz ihres Arbeitgebers informiert. Sie zeigte sich erleichtert.

          Das nötige Paket zur Rettung von Liquidität und Lizenz dürfte entweder eine Kombination aus den Krediten eines Bankenkonsortiums inklusive Tilgungsplan für die Altschulden von inzwischen 14 Millionen Euro sein – oder der Einstieg eines Investors. Aus Abu Dhabi gibt es laut „Süddeutscher Zeitung“ einen Interessenten, der bereit sein soll, zunächst die akut benötigten zehn bis zwölf Millionen Euro zu zahlen und später bis zu insgesamt 35 Millionen Euro in den Verein zu investieren.

          Mit einem anderen Medium gingen am Freitag die Araber durch, es meldete bereits Vollzug: „1860 München bekommt eigenes Stadion – Öl-Scheich macht es möglich“. Die Aussicht auf einen Auszug aus der ungeliebten Allianz-Arena, die die Löwen-Fans seit Jahren in zwei Lager spaltet und dazu führte, dass viele nun lieber eine Insolvenz nebst Neuanfang in der fünften Liga im Grünwalder Stadion wollen, dürfte die Anhänger begeistern und wiedervereinen. Doch die allzu phantastischen Details der geschilderten Traumlösung und vor allem das Datum der Internet-Veröffentlichung des „Stadtmagazins München24“ ließen es schnell als Aprilscherz dastehen.

          Die Realität ist anders: harte Kleinarbeit für ein Happy End im Mai. Präsident Schneider hatte in den letzten Tagen, als die erhoffte Lösung mit Stadtsparkasse, Landesbank und einer Privatbank wegen Detailstreitigkeiten und fehlenden Sicherheiten sich nicht mehr von der Stelle bewegte, einen Fußballvergleich herangezogen: Man sei in der Nachspielzeit, die Löwen drängen, die große Chance ist da – „nun muss der Ball nur noch ins Tor“. Am Freitag ist die Kugel im letzten Moment so eben über die Torlinie gekrabbelt, aber es war noch nicht das Siegtor. Es hat die Löwen nur in die Verlängerung gerettet. Aber Schneider glaubt fest, dass in der gewonnenen Zeit der rettende Treffer gelingt: „Zu 99 Prozent bin ich sicher, dass es in der neuen Saison weitergeht.“

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