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Kommentar zu 1860 : Echte Liebe, fehlender Verstand

Hasan Ismaik, der die 50+1-Regel so gern los wäre, wird immer mehr zum besten Argument ihrer Berechtigung. Bild: dpa

Der TSV 1860 München und sein Milliardär sind aneinandergekettet. Die Löwen brauchen Ismaik, um zu überleben, und Ismaik die Löwen, um sein Gesicht zu wahren. Die Bilanz ist bitter.

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          Mitten in der dunkelsten Stunde, mitten in der Nacht, kam aus der Ferne wie ein Traum die Botschaft der unverbrüchlichen Liebe. Kam das märchenhafte Versprechen des Mannes aus dem Morgenland, die verblichene Schönheit, die er aus der Gosse holte, auch jetzt nicht im Stich zu lassen: „Ich stehe zu meinem Wort, weil ich mich in die Löwen verliebt habe.“ Wo gibt es im kalten Fußballgeschäft noch so viel tiefes, echtes Gefühl? Nur da, wo der tiefe, echte Verstand fehlt. Beim TSV 1860 München also und seinem leidenden Retter.

          Wie kommt man zu einem kleinen Vermögen? So fragte man früher in der Premier League. Die Antwort, ganz britischer Humor: indem man ein großes Vermögen in einen Fußballklub steckt. Heute stimmt die Pointe nicht mehr, jedenfalls in England. Sieht man von Leuten wie Roman Abramowitsch ab, die sich einen Klub nicht als Investment halten, sondern wie eine Luxusyacht, die größer zu sein hat als andere Milliardärsyachten, beschert Englands Fußball Investoren inzwischen stattliche Gewinne durch Einnahme- und Wertsteigerungen ihrer Klubs.

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          Deutschland ist anders: kein Land für Fußball-Investoren. Das macht die 50+1-Regel, die die Macht der Klubs gegenüber Geldgebern wahren soll – und zugleich, ihre Kehrseite, die Kräfteverhältnisse in der Liga und die Übermacht des Dauermeisters FC Bayern zementiert. Seit er 2011 den TSV 1860 vor der Insolvenz rettete, hat es Hasan Ismaik immerhin trotz 50+1 so weit gebracht, dass die Gremien des von seinen Gaben völlig abhängigen Klubs ihm folgen und er de facto doch allein entscheidet.

          Doch das Resultat ist ein Desaster. Nach 13 Jahren zweite Liga lockt wieder nicht die Bundesliga, die er vor kurzem wieder einmal versprach, lockt schon gar nicht die Champions League, von der er beim Einstieg träumte – es droht, an diesem Dienstag gegen Regensburg, der Absturz in die dritte Klasse.

          Sechs Jahre, fünf Präsidenten, zwölf Trainer, über hundert Profis, Dutzende Millionen Euro – und all das ohne jedes Konzept, weil die Abhängigkeit von einem launischen Geldgeber, wie dieser Fall exemplarisch demonstriert, konzeptlose Jasager nach oben spült. Allmählich dämmert das auch Ismaik selbst, der nun bereut, „sogenannten Fachleuten“ vertraut zu haben. „Wir haben seit Sommer 2016 viele Millionen in die Mannschaft gesteckt und neben Stuttgart sowie Hannover den teuersten Kader. Und was kam dabei heraus? Die Relegation!“ Die bittere Bilanz: „Alles, was ich in den vergangenen Jahren unternommen habe, um den Verein voranzutreiben, ist auf allen Ebenen gescheitert.“

          Und doch sind die Sechziger und ihr Milliardär aneinandergekettet. Die Löwen brauchen Ismaik, um zu überleben. Ismaik braucht die Löwen, um sein Gesicht zu wahren. Der Jordanier, der die 50+1-Regel so gern los wäre, wird immer mehr zum besten Argument ihrer Berechtigung.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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